Nordseefischer sollen weniger fangen

taz: Nordseefischer sollen weniger fangen

Nordsee- und Atlantikfischer müssen im nächsten Jahr mit einer Kürzung der Fangmengen rechnen. Die EU-Kommission legte ihre Quotenvorschläge für einige Bestände in diesen Gebieten vor: Gemessen am Gewicht soll die Fangmenge 2012 im Vergleich zum laufenden Jahr um 11 Prozent sinken. Für deutsche Fischer hat der Brüsseler Vorschlag allerdings erst einmal keine entscheidenden Konsequenzen.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&dig=2011%2F09%2F28%2Fa0078&cHash=1230936e97

Europäische Kommission – Pressemitteilung

Fischerei: Kommission unterbreitet Vorschläge für EU-Fangmöglichkeiten 2012 im Atlantik und in der Nordsee

Brüssel, 27. September 2011 – Die Europäische Kommission hat heute ihren ersten Vorschlag für die Fangmöglichkeiten 2012 für bestimmte Bestände im Atlantik und in der Nordsee vorgelegt. Es geht um die zulässigen Gesamtfangmengen (TAC) und die Fischereiaufwandsbeschränkungen für Bestände, die die EU autonom bewirtschaftet, und nicht um gemeinsam mit Drittländern bewirtschaftete Bestände. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen schlägt die Kommission für neun Bestände (Kabeljau, Seeteufel, Hering, Schellfisch, Seehecht, Butt und Kaisergranat in bestimmten Gebieten) eine Anhebung der TAC und für 53 Bestände TAC-Kürzungen vor. Angesichts der schlechten Bestandslage empfiehlt die Kommission 2012 für Kabeljau westlich von Schottland, in der Irischen See und im Kattegat einen Fangstopp. Die vorgeschlagenen Änderungen würden eine Gesamtverringerung der TAC (nach Gewicht) gegenüber 2011 um 11% ausmachen. Anliegen der Kommission ist es, die TAC auf wissenschaftlicher Basis so festzulegen, dass sich die Bestände erholen können und langfristig nachhaltige Fischerei betrieben wird.

Maria Damanaki, EU-Kommissarin für Maritime Angelegenheiten und Fischerei, erklärte: „Unser Vorschlag beruht – wie für die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik vorgeschlagen – ganz entscheidend auf einer langfristigen Bewirtschaftung der Bestände und auf der Verfügbarkeit zuverlässiger wissenschaftlicher Daten, auf die wir unsere Entscheidungen stützen können. Die Reform stellt die Weichen für eine zukunftsfähige Fischereipolitik, die regelmäßig nachwachsende Bestände gewährleistet und Fischern ein anständiges Einkommen garantiert.“

Die vorgeschlagenen Fangbeschränkungen beruhen auf den wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und des Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschusses für Fischerei (STECF). Außerdem konnten sich alle beteiligten Kreise auf der Grundlage des Konsultationspapiers der Kommission vom Mai zu Wort melden (IP/11/638).

Endgültiges Ziel der Kommission ist es, bis 2015 eine Befischung aller Bestände auf nachhaltigem Niveau durchzusetzen, dem so genannten höchstmöglichen Dauerertrag (Maximum Sustainable Yield – MSY), ein Ziel, zu dem sie sich international verpflichtet hat und das eine der Säulen der vorgeschlagenen GFP-Reform ist.

Damit bis 2015 auf MSY-Befischung umgestellt werden kann, hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) seine wissenschaftlichen Empfehlungen, soweit möglich, bereits auf dieses Ziel hin formuliert. Außerdem werden für alle wichtigen kommerziellen Bestände mehrjährige Bewirtschaftungspläne erstellt. Derart bewirtschaftete Bestände sind in der Regel in einem besseren Zustand als solche, für die kurzfristige Entscheidungen getroffen werden.

Hintergrund

Der vorliegende Vorschlag betrifft nur die 83 Bestände, für die die EU autonome TAC beschließt, und soll den Fischereiministern auf der Novembertagung des Rates zur Erörterung vorgelegt werden.

Ein zweiter Vorschlag, der im Herbst auf den Tisch kommt, wird sich mit den 66 Beständen befassen, für die die Fangmöglichkeiten im Rahmen regionaler Fischereiorganisationen oder in Konsultationen mit Drittländern ausgehandelt werden müssen. Dank dieser Aufteilung in zwei Vorschläge erfahren die Fischer schon früher als bisher, welche Mengen ihnen 2012 zur Verfügung stehen, und können entsprechend besser planen.

Im Falle einiger Bestände hat sich der langfristige Ansatz bereits bezahlt gemacht. Für die Seeteufelbestände nördlich und nordwestlich Spaniens etwa dürfte trotz hoher Fangmengen (vorgeschlagene TAC-Anhebung 110 %) bereits 2012 eine nachhaltige Befischung (MSY-Niveau) erreicht werden, und die TAC für Kabeljau in der Keltischen See und im Golf von Biskaya können gefahrlos um 141 % angehoben werden.

Bei zahlreichen Beständen hingegen bleibt die Situation besorgniserregend. So schlägt die Kommission aufgrund der schlechten Bestandslage einen Fangstopp für Kabeljau westlich Schottlands, in der Irischen See und im Kattegat vor. Das Fehlen zuverlässiger Daten erschwert die Bewirtschaftung und trotz regelmäßiger Kürzungen der TAC in den letzten Jahren erholen sich die Bestände nicht.

Bei Beständen, deren Größe sich aufgrund fehlender Daten nicht zuverlässig einschätzen lässt, wendet die Kommission den so genannten Vorsorgeansatz an, d. h. sie kürzt die TAC um 15 % bis 25 %, bis solidere Daten vorliegen.

Die wissenschaftlichen Gutachten für zwölf Bestände werden erst im Herbst erwartet, so dass der Vorschlag für sie noch keine konkreten Zahlen enthält.

Die Fangmöglichkeiten 2012 für die Ostsee hatte die Kommission bereits am 15. September vorgeschlagen (IP/11/1033). Über diese Vorschläge werden die Fischereiminister auf der Oktobertagung des Rates beratschlagen.

Weitere Informationen:

Siehe beigefügte Tabellen für Einzelheiten der heutigen Vorschläge für den Atlantik und die Nordsee

TAC und Quoten: http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/fishing_rules/tacs/index_de.htm

Wissenschaftliche Beratung:

http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/fishing_rules/scientific_advice/index_de.htm

Mehrjahrespläne:

http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/fishing_rules/multi_annual_plans/index_de.htm

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