DUH eröffnet Europäische Haiwoche in Deutschland

DUH eröffnet Europäische Haiwoche in Deutschland

Umweltverbände fordern effizienteren Haischutz – DUH und Shark Alliance bezeichnen die europäische Regelung zum Schutz der Meerestiere als unzureichend – Deutschlandweite Vortragsreihe klärt über Bedrohung der europäischen Haie auf – Petition gegen grausame Fangmethode des „Finning“ und fortdauernde Überfischung

Berlin, 13. Oktober 2011: Mit einem Appell an Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) eröffnet die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) am Samstag (15.10.2011) die deutschen Aktivitäten zur „European Shark Week 2011“. Der Umweltschutzverband fordert die Ministerin auf, sich für einen wirksamen Hai-Schutz in der EU einzusetzen, wie er bereits im EU-Aktionsplan Haie von 2009 verlangt wurde. Die DUH ist Mitglied der Shark Alliance, eines internationalen Zusammenschlusses nichtstaatlicher Organisationen, der sich für die Erneuerung und Erhaltung der Haibestände durch verbesserte Schutzbestimmungen stark macht.

„Die EU hat bei Fang, Verzehr und Handel mit Haiprodukten immer noch eine beschämende Rolle inne “, beanstandet Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz der DUH. „Es gelingt ihr bislang nicht, die eigene Haischutzpolitik lückenlos umzusetzen. Im Gegenteil: Die Dezimierung der europäischen Haie schreitet weiter voran. Die Bundesregierung muss deshalb ihre Stimme für die Haie erheben.“ In ganz Europa verlangen die Mitgliedsverbände der Shark Alliance, die Überfischung der für das Meeresökosystem so wichtigen Tiere zu stoppen. Darüber hinaus fordern sie ein Ende des so genannten Finning – eine Praxis, bei der die Fischer die für den Handel kostbaren Haiflossen unmittelbar nach dem Fang an Bord abtrennen und den verstümmelten Hai im Meer entsorgen.

Die DUH und andere Umweltverbände kritisieren die stockende Umsetzung des bereits 2009 verabschiedeten EU-Aktionsplans für die Erhaltung der Haibestände. Fanggrenzen auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen und des Vorsorgeansatzes seien noch immer nicht eingeführt, Schutzbestimmungen für viele gefährdete Haiarten nicht eingerichtet. Besonders scharf kritisieren die Umweltverbände die aktuelle Regulierung des Finning innerhalb der EU, die sie als eine der schwächsten und unwirksamsten weltweit bezeichnen.

Angesichts des für diesen Herbst erwarteten Kommissionsvorschlags zur Stärkung der Finning-Verordnung, wirbt die DUH mit ihren Partnern für einen besseren Haischutz und eine Änderung der Finning-Regulierung. „Der Druck auf die Entscheidungsträger nimmt zu, ein vollständiges und ausnahmsloses Finning-Verbot auf den Weg zu bringen. Mit Unterstützung der Öffentlichkeit können wir zeigen, dass viele Menschen in Europa für einen umfassenden Haischutz eintreten und von ihren Regierungen dasselbe erwarten“, sagt Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin der DUH.

Aus Sicht der Umweltschutzorganisation ist die Einführung schärferer Beschränkungen zum Schutz der bedrohten Tiere dringend notwendig. Damit das gelingt, so die DUH, müssten die EU-Mitgliedstaaten an einem Strang ziehen. „Für deutsche Fischer ist das Finning inzwischen komplett verboten. Das ist wichtig und sollte ein Vorbild für andere Länder sein. Vor allem Spanien und Portugal, in denen die Praxis im Rahmen von Sondergenehmigungen noch immer erlaubt ist, müssen diesem Schritt endlich folgen“, so Wolff.

Schon bis zum Beginn der Hai-Woche konnte die Shark Alliance über 20.000 Unterschriften für eine Stärkung des Finningverbots und gegen die übermäßige Nutzung der Haie sammeln. In ihrer bundesweiten Vortragsreihe knüpft die DUH ab dem Wochenende an diesen Aufruf an und klärt interessierte Bürgerinnen und Bürger über das Schicksal der Haie in Europa auf. Den Auftakt macht ein Vortrag mit anschließender Diskussion im Sealife-Center Berlin am Samstag, den 15.10.2011 um 14:00 Uhr. Eine Übersicht aller Veranstaltungen zur European Shark Week findet sich im Internet unter http://www.haiwoche.de. Hier können sich Interessierte auch online über die Gefährdung der Haie informieren und an der Petition beteiligen: Für ein wirksames Finning-Verbot und gegen Überfischung!

Hintergrund:
Die Shark Alliance ist ein Aktionsbündnis von über 100 Artenschutz-, Wissenschafts- und Tauch-Organisationen, das sich auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse dem Schutz von Haien widmet. Die Shark Alliance wurde von der Pew Environment Group gegründet und wird von ihr koordiniert. Die Pew Environment Group ist die Naturschutzabteilung des Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Überfischung der Ozeane zu beenden.

Als oberste Räuber sind Haie wichtiger Bestandteil der Meeresökosysteme. Die Überfischung ihrer Bestände hat weit reichende Auswirkungen nicht nur auf die zunehmend geschwächten Populationen, sondern auch die Artenzusammensetzung und das biologische Gleichgewicht der Meere. Nach Erkenntnissen der IUCN werden ca. 80 Haiarten in europäischen Gewässern befischt, ein Drittel der gefangenen Haiarten sind durch Überfischung gefährdet. Aufgrund ihrer späten Geschlechtsreife und den niedrigen Reproduktionsraten erholen sich Haie nur schwer von Überfischung.

Der Europäische Hai-Aktionsplan (KOM (2009) 40 endg.) sieht rechtliche und fischereipolitische Maßnahmen zur Erhaltung der Haibestände vor. Er bezieht sich auf einen Internationalen Aktionsplan der FAO von 1999 (IPOA SHARKS), der die Erhaltung und Bewirtschaftung der von der Gemeinschaftsflotte dezimierten Haibestände sicherstellen soll. Ziel ist unter anderem die Stärkung des Finningverbots, aber auch eine Anpassung der Haifänge an die verfügbaren Ressourcen und Schutzmaßnahmen für gefährdete Bestände.
Die Deutsche Umwelthilfe hat die Aktionen der Shark Alliance für die zügige Unterbreitung eines überarbeiteten Finning-Verbots durch die Europäische Kommission unterstützt und sich im Rahmen einer EU-weiten Konsultation zur Änderung der Finning-Verordnung im Februar 2011 für einen umfassenden Schutz der Haie und eine Ganzkörperanlandung ausgesprochen.

Die Europäische Haiwoche 2011 wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.
Weitere Informationen im Internet unter http://www.haiwoche.de und http://www.sharkalliance.org.

Für Rückfragen:

Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH),Hackescher Markt 4,10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0, E-Mail: stoecker@duh.de

Dr. Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin, Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH), Hackescher Markt 4,10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0151 10844768, E-Mail: wolff@duh.de

Daniel Eckold, Pressesprecher, Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH), Hackescher Markt 4, 10178 Berlin; Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0151 55017009, E-Mail: eckold@duh.de

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