Auslaufende Atommüllfässer im Nordatlantik

trouble_toxic_web

Nun ist es amtlich!

Im Atlantik versenkte Atommüllfässer laufen aus

Internationale Atomenergiebehörde: Plutonium in
Fischen aus der Umgebung nachgewiesen

Im Nordostatlantik entweicht seit Jahren Radioaktivität aus
versenkten Atommüllfässern. Das berichtet das ARD-Politikmagazin
„Report Mainz“ heute um 21.45 Uhr im Ersten. Das Magazin beruft sich
dabei auf die Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des
Nordostatlantiks (OSPAR), der 15 Regierungen – darunter auch
Deutschland – und die EU angehören. Die OSPAR stellte im April 2010
fest: „Die Analyse ergab erhöhte Konzentrationen von Plutonium 238 in
Wasserproben aus den Versenkungsgebieten. Das deutet auf das
Auslaufen der Fässer hin. An einigen Stellen waren auch die
Konzentrationen von Plutonium 293, Plutonium 240, Americium 241 und
Kohlenstoff 14 im Wasser erhöht.“ Das steht wörtlich im
„OSPAR-Positionspapier zu den Auswirkungen der Tiefseeversenkungen
von radioaktivem Abfall“ (RSC 10/4/3-E), das „Report Mainz“ exklusiv
vorliegt.

Für Menschen ist die Strahlung von einigen Millionstel Gramm
Plutonium im Körper tödlich. Die Halbwertzeit von Plutonium 238
beträgt 87,7 Jahre. Nach Angaben der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA – International Atomic Energy Agency) wurde
bereits 1992 Plutonium in Fischen aus den Versenkungsgebieten
nachgewiesen.

„Report Mainz“ zeigt Unterwasseraufnahmen von aufgeplatzten und
löchrigen Atommüllfässern, die Greenpeace im Jahr 2000 in einer Tiefe
von etwa 100 Metern im Ärmelkanal gefunden hatte. Im selben Jahr
untersuchte die Bundesforschungsanstalt für Fischerei das deutsche
Versenkungsgebiet im iberischen Atlantikbecken und stellte in ihrem
Abschlussbericht fest, „dass aus den Abfallbehältern frei gesetzte
Radioaktivität in der Biosphäre angekommen ist“. Die letzten
Untersuchungen in den Versenkungsgebieten wurden nach Angaben der
Bundesregierung im Jahr 2005 durchgeführt. Allerdings waren die
Messergebnisse aufgrund technischer Probleme unbrauchbar. Die
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) arbeitet derzeit an einem
aktualisierten Bericht über das gesamte radioaktive Material, das
versenkt wurde. Dabei handelt es sich um Alpha-, Beta- und
Gammastrahler. Zum Teil wurde auch das radioaktive Gas Tritium in
beschwerten Fässern versenkt. Insgesamt enthalten die Fässer rund
zehnmal mehr Radioaktivität als alle Abfälle, die in den Schacht Asse
eingebracht wurden. Matthias Keller, der Geschäftsführer des
Bundesverbands der deutschen Fischindustrie, erklärte in „Report
Mainz“: „Wir erwarten jetzt von der Bundesregierung, dass sie alle
notwendigen Maßnahmen, im Rahmen der Risikomanagementpläne
veranlasst, um sicherzustellen, dass von diesen Fässern keine Gefahr
für die Umwelt ausgeht.“ Tobias Riedl von Greenpeace hält den
versenkten Atommüll für „eine tickende Zeitbombe“. Im Interview mit
„Report Mainz“ forderte er von der Bundesregierung ein
Monitoringsystem in den Versenkungsgebieten: „Hier müssen Messungen
vor Ort kontinuierlich vorgenommen werden.“

Verzeichnissen der Nuclear Energy Agency (NEA) und der IAEA
zufolge versenkten neun Staaten an 15 Stellen im Nordostatlantik bis
1982 114.726 Tonnen Atommüll in 222.732 Fässern. Auch Deutschland
beteiligte sich an der Versenkung von radioaktiven Abfällen. Das
Referat III B4 im Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung
initiierte sogar die erste internationale Versenkungsaktion. Das geht
aus einem amtlichen Vermerk hervor, der „Report Mainz“ exklusiv
vorliegt. Dabei versenkten Deutschland, England, Frankreich, Belgien
und die Niederlande 1967 insgesamt 10.895 Tonnen schwach- und
mittelradioaktiven Abfall 400 Kilometer vor der portugiesischen
Küste. Der deutsche Atommüll stammte von der Gesellschaft für
Kernforschung mbH in Karlsruhe.

Das Bundesumweltministerium betonte auf Anfrage von „Report
Mainz“, man sehe „keinen Anlass zu regelmäßigen Überwachungen des
Versenkungsgebietes. Die in Fischen gemessenen
Radioaktivitätskonzentrationen würden bei einem Verzehr zu Dosen im
Nanosievert-Bereich führen.“

Zweite Meldung:

Auslaufende Atommüllfässer beunruhigen Abgeordnete und Umweltverbände
SPD-Fraktion fordert „umfangreiches Monitoring der Fässer“ / „Report
Mainz“, 1. November 2011, 21.45 Uhr im Ersten

Der Vorabbericht des ARD-Politikmagazins „Report
Mainz“ über Plutoniumfunde in Fischen löst Reaktionen im Deutschen
Bundestag aus. Matthias Miersch, der Umweltpolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, erklärte: „Ich erwarte von der
Bundesregierung, sich ohne wenn und aber für die Sicherung dieser
ökologisch katastrophalen, radioaktiven Abfälle unter Wasser
einzusetzen und ein umfangreiches Monitoring der Fässer auf
europäischer Ebene sicherzustellen. Eine unnatürliche Anreicherung
von radioaktiven Stoffen in Nahrungsmitteln und Umwelt ist –
unabhängig von der Konzentration – inakzeptabel. Auch wenn früher
Atommüll nicht mit der gebotenen Vorsicht und Voraussicht gelagert
wurde, ist dies keine Entschuldigung dafür, die Zustände einfach so
hinzunehmen. In Deutschland zeigt uns die Asse, was die Folgen
unkontrollierter Verklappung sind. Verrottende Fässer mit atomarem
Abfall im Meer machen umso deutlicher, warum in Deutschland endlich
eine transparente und ergebnisoffene Endlagersuche beginnen muss.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die
Bundesregierung auf, die Rückholung der Atommüllfässer zu prüfen.
Rüdiger Rosenthal, BUND-Sprecher: „Mit diesem Desaster im
Nordostatlantik und dem Übertreten radioaktiver Nuklide in Fischen
und damit in die menschliche Nahrungskette war leider zu rechnen. Die
Altlasten der Atomindustrie werden Umwelt und Menschen noch über
Generationen schädigen und exorbitante Kosten verursachen. Umso
wichtiger ist der sofortige Atomausstieg in Deutschland und eine
deutliche Beschleunigung des weltweiten Ausstiegs aus dieser
Risikotechnologie. Bundesumweltminister Norbert Röttgen muss außerdem
ein Konzept vorlegen, wie mit den Risiken des am Meeresboden
auslaufenden Strahlenmaterials umgegangen werden soll. Dabei muss
auch die Option einer Bergung der Atommüllfässer geprüft werden. Die
Kosten für eine eventuelle Rückholung müssen jene neun Staaten
tragen, die die mehr als 220.000 Fässer ins Meer versenkt haben.“

Ein Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels
e. V. (BVL) erklärte: „Wir sehen die beteiligten Staaten gefordert,
umfangreiche Untersuchungen an den Versenkungsstellen vorzunehmen.
Sollte die Umwelt durch radioaktiven Austritt gefährdet sein, sind
umgehend geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“

Weitere Informationen finden Sie auf der Internet-Seite
http://www.reportmainz.de.

2 Gedanken zu „Auslaufende Atommüllfässer im Nordatlantik

  1. Dokumente zu dem Thema unter:

    http://www.swr.de/report/strahlende-altlast/-/id=233454/nid=233454/did=8815982/mpdid=8816172/1dfdez4/index.html

    Belege für die Ausfuhr und das Auslaufen von Atommüllfässern aus Deutschland

    Download Ausfuhranzeige von 480 Fässer mit radioaktiven Abfällen zur Versenkung im Atlantik, 22.5.1967 Kopie aus dem Bundesarchiv (PDF) (277,3 KB )
    Download Vertrauliches Sitzungsprotokoll aus dem Bundesministerium für Atomkernenergie, 11.5.1962 Kopie aus dem Bundesarchiv, gelbe Hervorhebungen durch die REPORT MAINZ Redaktion (PDF) (710,7 KB )
    Download a) Handschriftlicher Vermerk von Referatsleiter Holtzem im Bundesministerium für Atomkernenergie vom 12.9.1968; b) Vermerk über die Versenkung radioaktiver Abfälle, im Jahr 1967 (Kopie für Bundesregierung); c) Bericht des Gewerbeaufsichtsamtes über die Verladung radioaktiver Abfälle im Emder Hafen 1967; d) Zwischenbericht der Gesellschaft für Kernforschung über die „Versuchsversenkung radioaktiver Abfälle in den Atlantik“ 1967; e) z.T. geschwärzter Brief der Kernforschungsanlage Jülich zu der geplanten Versenkung von 20.000 Fässern radioaktiver Abfälle, 1979; f) z.T. geschwärztes Fernschreiben über die geplante Deponierung abgebrannter Brennstäbe in Peru (an Land oder im Meer), 1981. Kopien aus dem Bundesarchiv, gelbe Hervorhebungen durch die REPORT MAINZ Redaktion (PDF).
    Download Position paper on the implications of deep sea disposal of radioctive waste Das Dokument, das exklusiv REPORT MAINZ vorliegt, belegt das Auslaufen von Atommüllfässern im Meer. (PDF, engl.) (144,7 KB )

    Die wichtigsten Studien zum Thema

    Co-ordinated Research and Environmental Surveillance Programme Related to Sea Disposal of Radioactive Waste – CRESP Final Report 1981-1995 1996 (Quelle: oecd-nea.org, PDF, engl.)
    IAEA: Inventory of radioactive material entering the marine environment – Sea disposal of radioactive waste Wien, 1991 (Quelle: www-pub.iaea.org, PDF, engl.)
    Günther Kanisch: Biologische und radioökologische Studien im Versenkungsgebiet für schwach radioaktive Abfälle im Nordostatlantik. Teil 2 In: Informationen für die Fischwirtschaft aus der Fischereiforschung, 40 (4), 1993, S. 153-160. (Quelle: aquaticcommons.org, PDF)
    Michael Vobach, Hans-Jürgen Kellermann: Fisch und Umwelt – Biologische Veränderungen im Versenkungsgebiet für schwach radioaktive Abfälle im Iberischen Tiefseebecken? Untersuchungen über die Beeinflusssung der Biozönose durch das Einbringen des Hartsubstrats „Abfallfässer“. In: Informationen für die Fischwirtschaft aus der Fischereiforschung, 48 (4), 2001, S. 179-182. (Quelle: aquaticcommons.org, PDF)
    Günther Kanisch u.a.: Fisch und Umwelt – Entweicht Radioaktivität aus den Abfallfässern im nordostatlantischen Versenkungsgebiet? In: Informationen für die Fischwirtschaft aus der Fischereiforschung, 50 (1), 2003, S. 24-26. (Quelle: aquaticcommons.org, PDF)
    Günther Kanisch, u.a.: Radioökologische Untersuchungen in marinen Ökosystemen Schriftenreihe Reaktorsicherheit und Strahlenschutz, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bonn 2003. (Quelle: bmu.de, PDF)

    International Atomic Energy Agency (Ed.): The Oceanographic Basis of the IAEA Revised Definition and Recommendations Concerning High-level Radioactive Waste Unsuitable for Dumping at Sea (Report of an Advisory Group meeting, Vienna, 21-25 March 1977), IAEA-TECDOC-210, Wien 1978.
    Jean-Claude Guary, u.a.: Routes of Plutonium Uptake and Their Relation to Biomagnification in Starfish. In: Marine Pollution Bulletin, Bd. 13, Nr. 3, S. 99-102, 1982.

    Gefällt mir

  2. Anstatt ein paar walfænger mit viel aufwand in hollywood manier zu ærgern sollte man wohl mal ein paar fæsser hoch holen und dem absender zureuckgeben, ist antuerlich nichts um beruemt zu werden.
    Feur brunnenvergiftung wurde man in den knast kommen

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s