NGOs begrüßen EU-Vorschlag für besseren Haischutz

Deutsche Umwelthilfe und die Shark Alliance begrüßt EU-Vorschlag für besseren Haischutz

Europäische Kommission will Finning-Verbot verschärfen – DUH ruft Europäisches Parlament und EU-Ministerrat auf, der Neuregelung zügig zuzustimmen – Auch die Bundesregierung soll sich aktiv für umfassenden Haischutz stark machen

Die Europäische Kommission hat heute in Brüssel einen Vorschlag zur Änderung der EU-Finning-Verordnung präsentiert, in dem sie für ein ausnahmsloses Verbot der grausamen Praxis eintritt. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) begrüßt das Vorgehen gegen das brutale Abschlachten von Haien. Beim so genannten Finning trennen die Fischer die für den Handel kostbaren Haiflossen unmittelbar nach dem Fang an Bord ab und entsorgen die übrigen Tierkörper im Meer. Millionen von Haien fallen nach Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) jährlich dieser Praxis zum Opfer, die innerhalb der EU-Fischerei noch immer weit verbreitet ist und oft ungeahndet bleibt. Die Haiflossen sind vor allem in Asien begehrt und zählen dort als Hauptzutat der Haiflossensuppe zu den wertvollsten Fischereierzeugnissen. Einer der wichtigsten Exporteure ist die EU, mit Spanien an der Spitze.

Die DUH befürwortet die vorgeschlagene Neuregelung: „Durch die Nachfrage nach Haifischflossen kommt es zu einem enormen Aderlass bei diesen an der Spitze der Nahrungskette stehenden Beutegreifern mit unabsehbaren Folgen für das ökologische Gleichgewicht in den Meeren“, sagt Ulrich Stöcker, Leiter der DUH-Naturschutz-Abteilung. „Die verpflichtende Anlandung von Haien im Ganzen ist nicht nur eine Forderung von Meeresschützern und Wissenschaftlern, sondern die langjährige Empfehlung zahlreicher internationaler Gremien, von der IUCN über das Europäische Parlament bis hin zu den Vereinten Nationen. Wir fordern das Europäische Parlament und den EU-Ministerrat auf, diesem längst überfälligen Kommissionsvorschlag zuzustimmen.“

Die Kommission will die in einigen Mitgliedstaaten vorhandenen Sondergenehmigungen abschaffen, die es Fischern gestatten, Haiflossen auf See abzutrennen und Körper und Flossen getrennt voneinander anzulanden. So soll das Finning-Verbot künftig bei sämtlichen von EU-Fischereifahrzeugen oder in EU-Gewässern gefangenen Haien greifen. Da vor allem spanische Fischer über Sondergenehmigungen verfügen, wird von der spanischen Fischerei-Industrie und der Regierung in Madrid der größte Widerstand erwartet.

Die Annahme des Kommissionsvorschlags erfolgt erst nach einem ordentlichen EU-Gesetzgebungsverfahren. Die Meeresschutz-Expertin der DUH, Nina Wolff, betont die Rolle Deutschlands in diesem Prozess: „Die Verantwortung der Bundesrepublik liegt nicht allein darin, dem Kommissionsvorschlag zuzustimmen. Die Bundesregierung muss darüber hinaus ihren Einfluss für einen umfassenden Haischutz geltend machen, damit die vorgeschlagenen Verschärfungen des Finning-Verbots die notwendige Unterstützung einer kritischen Masse von Mitgliedstaaten finden.“ Als Mitglied der Shark Alliance hat sich die DUH in den vergangenen Monaten nachdrücklich dafür eingesetzt, das Finning-Verbot der EU von einer der weltweit schwächsten in eine ökologisch nachhaltige und effektive Regelung umzuformulieren. Zuletzt wurde im Rahmen der European Shark Week eine Petition mit einem Aufruf an Bundesagrarministerin Aigner gestartet, für die Schließung der Schlupflöcher im Finning-Verbot und gegen den Raubbau an Haibeständen einzutreten.

Hintergrund:

Als oberste Räuber sind Haie wichtiger Bestandteil der Meeresökosysteme. Die Überfischung ihrer Bestände hat weit reichende Auswirkungen nicht nur auf die zunehmend geschwächten Populationen, sondern auch die Artenzusammensetzung und das biologische Gleichgewicht der Meere. Nach Erkenntnissen der IUCN werden ca. 80 Haiarten in europäischen Gewässern befischt, ein Drittel der gefangenen Haiarten sind durch Überfischung gefährdet. Das Finning von Haien trägt zur Überfischung ihrer Bestände bei. Aufgrund ihrer späten Geschlechtsreife und der niedrigen Reproduktionsraten erholen sich Haie nur schwer von Überfischung.

Der Europäische Hai-Aktionsplan (KOM (2009) 40 endg.) sieht rechtliche und fischereipolitische Maßnahmen zur Erhaltung der Haibestände vor. Er bezieht sich auf einen Internationalen Aktionsplan der FAO von 1999 (IPOA SHARKS), der die Erhaltung und Bewirtschaftung der von der Gemeinschaftsflotte dezimierten Haibestände sicherstellen soll. Ziel ist unter anderem die Stärkung des Finningverbots, aber auch eine Anpassung der Haifänge an die verfügbaren Ressourcen und Schutzmaßnahmen für gefährdete Bestände. 2003, als laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Haifänge (inklusive Rochen und Seekatzen) ihr weltweites Maximum erreichten, erließ der Rat der Europäischen Union die Verordnung Nr. 1185/2003 über das Abtrennen von Haifischflossen an Bord von Schiffen, auch EU-Finning-Verordnung genannt. Die Verordnung verbietet das Abtrennen von Flossen aller Hai- und Rochenarten an Bord von Schiffen in EU-Gewässern und an Bord von EU-Schiffen weltweit. Doch mit einer speziellen Fangerlaubnis können die Mitgliedsstaaten ihren Fangschiffen das Abtrennen von Flossen toter Haifische an Bord erlauben, ebenso das Anlanden von Flossen und Körpern in unterschiedlichen Häfen.

Die Deutsche Umwelthilfe hat die Aktionen der Shark Alliance für die zügige Formulierung eines überarbeiteten Finning-Verbots durch die Europäische Kommission unterstützt und sich im Rahmen einer EU-weiten Konsultation zur Änderung der Finning-Verordnung im Februar 2011 für einen umfassenden Schutz der Haie und eine Ganzkörperanlandung ausgesprochen.

Weitere Informationen zum Finning unter http://www.haiwoche.de und http://www.sharkalliance.org.

Die Pressemitteilung der Europäischen Kommission finden Sie unter: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/11/1384&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en

Pressekontakt:

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-0, E-Mail: stoecker@duh.de

Dr. Nina Wolff
Meeresschutz-Expertin
Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin,
Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0151 10844768, E-Mail: wolff@duh.de

Ein Gedanke zu „NGOs begrüßen EU-Vorschlag für besseren Haischutz

  1. Shark Conservation Gets a Boost
    European Commission Pushes to Close Loopholes in Shark Finning Ban

    BRUSSELS (21.11.11)—The Shark Alliance welcomed the long-awaited proposal today from the European Commission for closing the loopholes in the European Union’s ban on shark finning, the wasteful practice of slicing off a shark’s fins and discarding the body at sea.

    According to the International Union for Conservation of Nature (IUCN), every year millions of sharks are finned worldwide. The current EU regulation, adopted in 2003, is too lenient to ensure that finning is not continuing undetected and unpunished. The proposal, if adopted by the European Parliament and Council of Ministers, would ensure that all sharks taken by EU vessels or in EU waters are landed with their fins still naturally attached to their bodies. Marine conservationists and scientistsrecommended this policy as the most reliable means of enforcing a finning ban.

    “The Commission’s proposal is a positive step toward the much-needed protection of sharks,” said Sandrine Polti, shark policy adviser to the Pew Environment Group and the Shark Alliance. “Theresponsibility now lies with the Fisheries Ministers and members of the European Parliament for all 27 EU Member States, who must agree to this proposal as the only reliable way of ensuring that sharks are not finned.”

    Shark fins are the key ingredient in a traditional and expensive Asian soup. The EU, particularly Spain, is one of the world’s largest suppliers of shark fins to Asia.

    The Commission has proposed ending special fishing permits, still granted by some Member States, that allow fishermen to remove shark fins at sea and bring bodies and fins to port separately. Spain has issued the largest number of these permits, enough to cover its entire longline fleet. The country’s fishing industry and government are expected to continue to lead the opposition to proposed improvements in the finning ban.

    Last month, as part of the fifth annual “European Shark Week,” tens of thousands of concerned citizens across Europe called on EU Fisheries Ministers to help close loopholes in the finning ban and to fulfill the commitments of the EU Plan of Action for sharks.

    For more information, media interviews, or B roll, please contact: Sophie Hulme. Tel: +44 (0) 7973 712 869. Email: sophie@communicationsinc.co.uk.

    The Shark Alliance is a coalition of more than 100 conservation, scientific, and recreational organisations dedicated to restoring and conserving shark populations by improving shark conservation policies. The Shark Alliance was initiated and is coordinated by the Pew Environment Group, the conservation arm of The Pew Charitable Trusts, a nongovernment organisation that is working to end overfishing in the world’s oceans. Every October, members of the Shark Alliance in Europe conduct a week of public activities to promote shark appreciation and to call for conservation measures. For details of this year’s European Shark Week, please go towww.europeansharkweek.org

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    Notes to editors

    The high value of shark fins, in contrast to the typically lower value of shark meat, creates the economic incentive for shark finning. Landing sharks with fins attached not only effectively halts the practice of finning, but it also offers vastly improved information about the species caught. This information is vital for robust population assessment and effective shark management.

    Although the current EU finning regulation prohibits the removal of shark fins at sea, a derogation allows EU Member States to provide fishermen with special permits to remove fins on board vessels, provided that the fin-to-body weight ratio of the catch does not exceed 5 percent. This ratio is higher and thereby more lenient than ratios used in other countries. Fishermen with permits are also able to legally land shark fins and bodies in separate ports, a practice that further hampers enforcement. Germany and the United Kingdom recently stopped issuing these permits. Spain and Portugal grant them for most of their shark fishermen, and Cyprus has recently issued one.

    The European Commission’s Community Plan of Action for sharks (COM/2009/0040) includes, among other things, a pledge to strengthen the EU finning ban. In their 2009 endorsement of this Plan, the EU Council of Fisheries Ministers urged the Commission to give special attention and priority to the finning issue.

    In December 2010, the European Parliament endorsed a Resolution (Written Declaration 0071/2010) calling on the European Commission to deliver a proposal to prohibit the removal of shark fins on-board vessels.

    Earlier this year, the European Commission completed a three-month public consultation on options for amending the EU finning regulation, including a ban on at-sea fin removal. Comments reflected strong support for the “fins naturally attached” option from conservationists, scientists, divers, aquarists, and citizens.

    The “fins naturally attached” policy has been recommended by the International Union for Conservation of Nature (IUCN) and the United Nations and is used in shark fisheries in Central America, Australia, and the United States.

    A study published by the IUCN Shark Specialist Group (SSG) and the European Elasmobranch Association (EEA) in December 2010, “Sharks fins in Europe: Implications for reforming the EU finning ban,” compared the EU’s shark catching, processing, trade, and regulations with those of the rest of the world and made recommendations for improvement, including calling for the prohibition without exception of removal of shark fins on board vessels http://www.sharkalliance.org/publications.asp?language=1

    The Shark Alliance is a coalition of more than 100 conservation, scientific, and recreational organisations dedicated to restoring and conserving shark populations by improving shark conservation policies. The Shark Alliance was initiated and is coordinated by the Pew Environment Group, the conservation arm of The Pew Charitable Trusts, a nongovernment organisation that is working to end overfishing in the world’s oceans.

    Every October, members of the Shark Alliance in Europe run a week of public activities to promote shark appreciation and call for conservation measures. For details of this year’s European Shark Week, please go to http://www.europeansharkweek.org


    Luke Malcher

    Project Assistant
    Communications INC
    (+44) 781 628 0106
    (+44) 207 785 6961

    Unit 4.05, 27-31 Clerkenwell Close, London EC1R 0AT

    http://www.communicationsinc.co.uk

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