Leibniz-Preis für Ulf Ribesell und Erforschung der Ozean-Versauerung

mesokosm

Mesokosmenexperiment in der Ostsee. Foto: IFM-GEOMAR.

Ulf Riebesell erhält Leibniz-Preis

Kieler Meeresforscher mit höchstdotiertem deutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet

Prof. Dr. Ulf Riebesell vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) ist mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet worden. Riebesell erhält einen der weltweit bedeutendsten Wissenschaftspreise für seine Forschungen zum Ozeanwandel. Der Preis ist mit insgesamt 2,5 Mio. Euro dotiert.

Seine Forschungsobjekte sind oft nur unter dem Mikroskop erkennbar. Kleine, aus Kalkschalen aufgebaute Meeresorganismen, die die Basis für das Leben im Meer bilden, stehen neben Korallen im Zentrum des Interesses von Prof. Dr. Ulf Riebesell. Der 52-jährige Biologe vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) untersucht seit mehreren Jahren die Auswirkungen der zunehmenden Ozeanversauerung auf das Plankton und andere kalkhaltige und kalkbildende Organismen im Ozean.

In seinen experimentellen Arbeiten konnte Prof. Riebesell zunächst im Labor, später dann mit den weltweit größten, frei treibenden Experimentieranlagen, sogenannte Mesokosmen, zeigen, wie infolge einer erhöhten Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre der ph-Wert der Ozeane abnimmt und sich dabei die Fähigkeit kalkbildender Organismen verringert, ihre Gehäuse zu bilden. Seine Feldexperimente mit den am IFM-GEOMAR entwickelten Mesokosmen führte er in verschiedenen Regionen des Weltozeans durch, unter anderem in der Ostsee, in norwegischen Fjorden und in arktischen Gewässern. Gegenwärtig leitet Professor Riebesell ein weiteres Experiment dieser Art im Pazifischen Ozean vor der Küste Hawaiis.

Das Verständnis der Auswirkungen auf die kalkbildenden Organismen ist von besonderer Bedeutung, da diese häufig am Anfang der Nahrungskette stehen und somit Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette und -produktion im Ozean haben können. Mit seinen Arbeiten machte Riebesell nicht nur die Meereswissenschaftler, sondern auch eine breitere Öffentlichkeit auf die Ozeanversauerung als eine der akutesten Bedrohungen der marinen Ökosysteme aufmerksam.
IFM-GEOMAR Direktor Prof. Dr. Peter Herzig, selbst Leibniz-Preisträger, gehörte zu den ersten Gratulanten. „Es freut mich außerordentlich, dass mit Professor Riebesell wieder ein hochkarätiger Wissenschaftler des IFM-GEOMAR mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet wurde. Seine herausragenden Leistungen bei der Erforschung der Ozeanversauerung werden damit gewürdigt. Prof. Riebesell ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler in diesem Forschungsfeld“.

„Für unseren Preisträger Professor Riebesell und die Christian-Albrechts Universität zu Kiel ist dieser hochrangige Preis ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Wir gratulieren unserem Kollegen von Herzen. Seine Auszeichnung beweist einmal mehr, dass an unserer Hochschule Forschung auf Weltniveau betrieben wird“, zeigte sich CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet begeistert.

Riebesell studierte zunächst Biologie und biologische Meereskunde in Kiel, Seattle und Rhode Island, USA. Er promovierte an der Universität Bremen und war am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung wissenschaftlich tätig. Längere Gastaufenthalte führten ihn an die University of California Santa Barbara, ehe er im Jahre 2003 ans IFM-GEOMAR nach Kiel wechselte, verbunden mit einer Professur für Biologische Ozeanographie an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel (CAU). Professor Riebesell ist Mitglied in vielen nationalen und internationalen Gremien. Neben der Leitung des BMBF Verbundvorhabens BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) und der stellvertretenden Koordination des EU Vorhabens EPOCA (European Project on Ocean Acidification), engagiert sich Riebesell auch im Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ und dem Sonderforschungsbereich 754 „Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean“. Er ist Autor von mehr als 100 begutachteten Fachpublikationen.

Prof. Riebesell wurde von der Nachricht über die Auszeichnung, die ihn auf einem amerikanischen Forschungsschiff erreichte, völlig überrascht und zeigte sich natürlich höchst erfreut. „Zusammen mit meinem Team habe ich in den vergangenen Jahren sehr intensiv an der Erforschung des Ozeanwandels gearbeitet“, so Riebesell. „Die Komplexität des Themas hat mich selbst überrascht, da die Auswirkungen der Versauerung zum Teil sehr unterschiedlich ausfallen. Hier gibt es noch erheblichen Untersuchungsbedarf“, beschrieb Riebesell die weiteren Perspektiven seines Forschungsgebiete. Mit dem Preisgeld von insgesamt 2,5 Millionen Euro, die ihm über einen Zeitraum von sieben Jahren zur freien Verfügung stehen, will er die Forschungsrichtung weiter ausbauen. „Ich habe zwar keine fertigen Pläne in der Schublade, aber schon viele Ideen im Kopf“, so Riebesell.

Hintergrundinformation:
Der Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG vergeben. Er zeichnet herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Forschungen auf allen Gebieten der Wissenschaft aus. Sie erhalten mit dem Preis ein Preisgeld von in der Regel jeweils 2,5 Millionen Euro, das sie in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit ausgeben können. Bereits zum sechsten Mal wird ein Kieler Meereswissenschaftler mit dem renommierten Leibniz-Preis ausgezeichnet: Die bisherigen Preisträger aus Kiel waren Prof. Dr. Michael Sarnthein (1989), Prof. Dr. Jörn Thiede (1989), Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmincke (1991), Prof. Dr. Peter Herzig (2000) und Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo (2002).

Links:
http://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2011/pressemitteilung_nr_62/index.htmlPressemitteilung der DFG
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=2130 Pers. Seite von Prof. Riebesell
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=1220 Wissenschaftliche Projekte am IFM-GEOMMAR zum Thema Ozeanversauerung

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