"Der irre Delfin" oder wer ist hier eigentlich verrückt?

Toll, was Fungie alles kann! Die Touristen im irischen Dingle lieben den wilden Delfin. Meeresbiologen sehen das anders. Sie sagen: Dieses Tier ist durchgeknallt

Und wenn der Delfin einfach nur wahnsinnig ist? Wenn er nur darum seit fast 30 Jahren allein in der Bucht von Dingle schwimmt und sie nur selten verlässt, weil er ein Sonderling und Sozialidiot ist? Nicht „etwas ganz Besonderes“ im Positiven. Kein „freundlicher Delfin“. Sondern das Gegenteil. Einer, der mit keinem auskommt und mit dem keiner auskommen will? Das Phänomen kennt man auch von Menschen. „Wenn einer seit Jahren seine Wohnung nicht mehr verlassen hat, keiner Arbeit nachgeht, keine Liebste und keine Freunde hat und kaum je mit anderen spricht, dann sagen wir nicht: Ach, der Herr Schmitt, der ist etwas ganz Besonderes, der ist so süß, nee! Dann wäre allen klar: Mit dem Herrn Schmitt stimmt etwas nicht!“ Mein Sohn sagt das, als ich ihm von Fungie, dem einsamen Delfin in der Bucht von Dingle, erzähle. Und wie Menschen aus aller Welt in Irlands regenreichen Südwesten reisen, nur um ihn einmal zu sehen. Um mit ihm in der Bucht zu schwimmen, um seine Haut und Finnen zu berühren. Ich lache und denke: wie wahr! Wer verfiele dem Drang und reiste um die halbe Welt, um über die Haut des unheimlichen Herrn Schmitt zu streichen?

Ich sehe auf die Uhr, wir fahren hier seit vier Stunden. Unter der schmalen Holzbank stehen zwei Reservekanister. „Wir sind oft 10, 14 Stunden hier draußen“, sagt Paul. „Ich will nicht in den Hafen zurück müssen, nur weil ich kein Benzin mehr habe.“ Wenn Georgies Bedürfnis seiner Entschlossenheit in die Quere zu kommen droht, fährt er sie kurz in die Bucht mit den dürren Büschen. Wir kreisen jetzt gemeinsam mit Moe, auf einer Spur, enger und enger. Plötzlich erhebt sich zwischen den Booten ein grauer Berg. „Wooohooo!“, schreit Georgie. Und: „Hejhejhej! Großer!“ Fungie in unserer Mitte. Zwischen rasenden Booten, schäumenden Wassern, johlenden Menschen. Die unbedingt und um jeden Preis seine Freunde sein wollen. Seine Freunde sein müssen. Ich denke: Der Motorenlärm unter Wasser muss entsetzlich sein. Für einen Delfin. Und ich wünschte, ich wäre nicht hier. Und dann. Strecke ich die Hand nach ihm aus, nach dem Delfinrücken, der sich so greifbar nah aus dem Wasser wölbt. Etwas streckt meine Hand nach ihm aus. Was ist es? Es fehlen nur Millimeter, dann ist der Rücken weg. Abgetaucht. Fungie kommt nicht zurück. Und ich schäme mich. Ich bin ein Idiot. Ich habe mich anstecken lassen, für Sekunden – von was? Von Sehnsucht? Von Wahnsinn?

Quelle und vollständiger Artikel:

http://www.welt.de/print/wams/lifestyle/article13783238/Der-irre-Delfin.html

Kommentar:
Man sollte die Frage stellen, wer verrückter ist, Fungie oder die ihn suchenden / besuchenden Touristen. Das hat mit akzeptabler sanfter Delfin- und Walbeobachtung leider nichts gemein.

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