AWI wehrt sich gegen Vorwurf der Lärmbelästigung in der Antarktis

Stellungnahme des Alfred-Wegener-Institutes zu den Vorwürfen zweier Umweltschutzorganisationen

Bremerhaven, den 23. Januar 2012. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft wehrt sich mit Nachdruck gegen Vorwürfe der Umweltschutzorganisationen WWF-Deutschland und WDCS. Beide sind heute mit einer Pressemeldung an die Öffentlichkeit getreten, in der sie dem Alfred-Wegener-Institut vorwerfen, von einem russischen Kooperationspartner seismische Messungen in der Antarktis durchführen zu lassen, deren Genehmigung zuvor vom Umweltbundesamt verweigert worden sei.

Das Alfred-Wegener-Institut bezeichnet diese Darstellungen als unhaltbar. Tatsächlich stellt sich die Faktenlage wie folgt dar:

1. Zwei technische Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Institutes nehmen in den kommenden acht Wochen an einer russischen Expedition des Forschungsschiffes „Akademik Alexander Karpinsky“ in die Antarktis teil. Diese Expedition ist Bestandteil eines langjährigen russischen geophysikalischen Forschungsprogramms und führt das russische Forschungsschiff in die ostantarktische Prydz-Bucht. Eine Region, in der das deutsche Forschungsschiff Polarstern in den vergangenen 25 Jahren nur einmal gewesen ist.

2. Das Alfred-Wegener-Institut stellt für diese Expedition zwölf Ozean-Boden-Seismometer zur Verfügung. Diese Geräte zeichnen seismische Signale ausschließlich auf und werden von den zwei Mitarbeitern vorbereitet, gewartet und auf dem Meeresboden ausgesetzt, um zusätzliche geophysikalische Daten der ohnehin laufenden Messungen zu erheben. Dem russischen Partner-Institut stehen solche Messgeräte nicht zur Verfügung.

3. Die Expedition dauert insgesamt 60 Tage. An 30 Tagen führt das russische Partnerinstitut seismische Messungen durch. Die Ozean-Boden-Seismometer des AWI zeichnen die Airgun-Schüsse entlang eines Profils für circa einen Tag (30 Stunden) auf. Danach registrieren die Geräte für 14 Tage globale Erdbeben.

4. Um diese Zusatzmessungen auswerten zu können, wird die russische Expeditionsleitung die Zahl ihrer ursprünglich geplanten „Schüsse“ mit mittelgroßen Airguns auf ein Drittel reduzieren. Großvolumige Airguns werden nicht eingesetzt. Die zusätzlich gewonnenen Datensätze der Ozean-Boden-Seismometer werden von den Kooperationspartnern gemeinsam ausgewertet. Somit handelt es sich um eine international übliche Forschungskooperation in der Antarktis, die zum Ziel hat, dass die Forschungsinfrastruktur verschiedener Länder zum gemeinsamen Nutzen eingesetzt wird.

5. Bei den seismischen Experimenten handelt es sich um geophysikalische Grundlagenforschung zur Kontinentaldrift und nicht wie in der Pressemitteilung impliziert um Untersuchungen zur Exploration von Gas- und Erdölvorkommen.

6. Das Alfred-Wegener-Institut ist bei dieser russischen Expedition Gast und nicht Initiator. Die Expeditionsleitung obliegt den russischen Kollegen, weshalb alle Genehmigungsverfahren auch von russischen Behörden bearbeitet wurden. Das Alfred-Wegener-Institut hat das deutsche Umweltbundesamt jedoch schon im September 2011 über diese Kooperationspläne informiert. Eine Genehmigungspflicht durch deutsche Behörden besteht nicht.

7. Gehörschäden bei Walen sind nur zu befürchten, wenn sich Tiere in unmittelbarer Nähe der Airgun befinden. Airguns werden üblicherweise abgeschaltet oder gar nicht erst in Betrieb genommen, wenn Wale im weiteren Umfeld des Forschungsschiffes gesichtet werden.

8. Die in der WWF-Pressemitteilung erwähnten Strandungen werden nicht mit dem Einsatz von Airguns in Verbindung gebracht, sondern mit dem Einsatz von militärischen, taktischen Mittfrequenzsonaren, die zur U-Boot Jagd verwendet werden.

9. Um die Folgen seismischer Untersuchungen für die Meeressäuger in den Polarregionen besser beurteilen zu können, setzt das Alfred-Wegener-Institut seit dem Jahr 2003 nicht nur auf eine großflächige Erforschung, sondern auch auf eine Minimierung des Risikos für Wale durch anthropogenen Lärm. So wurde vor sechs Jahren das Unterwasserakustikobservatorium PALAOA installiert und seitdem ununterbrochen betrieben, um Informationen darüber zu sammeln, wie Meeressäuger Schall nutzen. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes haben zudem zahlreiche Unterwasserrekorder im Weddellmeer ausgelegt, um die Wanderungsbewegung der Wale zu erfassen. Parallel wurde ein System zur automatischen Sichtung von Walen mithilfe thermographischer Videoaufnahmen entwickelt, welches zukünftig zu Mitigationszwecken auf der Polarstern eingesetzt werden soll.

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