Das Neunauge – Rekorde schützen nicht vorm Aussterben

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Das Neunauge – Höchstes Erdenalter schützt nicht vorm Aussterben

Das Neunauge wurde vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) gemeinsam mit dem Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), dem Deutschen Angler Verband (DAV) und dem Bundesamt für Natur-schutz (BfN) zum Fisch des Jahres 2012 gewählt. Damit soll auf eine Verbesserung des Gewässerschut-zes aufmerksam gemacht werden, um den Fortbestand der Neunaugenarten zu sichern. Neunaugen weisen eine Hunderte Millionen Jahre alte Entwicklungsgeschichte auf.

Wie in jedem Jahr haben der VDST, VDSF, DAV und das BfN den Fisch des Jahres 2012 gekürt und geben ihn zur Eröffnung der weltgrößten Wassersportmesse „boot“ in Düsseldorf bekannt. Mit den eigens dafür erstellten Postkarten möchten alle drei Verbände und das BfN Sporttauchern sowie Wassersport-freunden die Gelegenheit geben, sich intensiver mit gefährdeten Arten im Wasser auseinanderzusetzen. Den Initiatoren ist es ein wichtiges Anliegen, auf die Gefährdung vieler Unterwasserlebewesen hinzu-weisen, deren schleichender Verlust oft nur von Sporttauchern frühzeitig festgestellt werden kann.

Ein Leben zwischen Erholung und Gefährdung

Neunaugen gehören mit einer Entwicklung von rund 400 bis 500 Millionen Jahren zur ältesten, noch lebenden Wirbeltierklasse der Erdgeschichte. Streng genommen zählen sie nicht zu den „Fischen“, son-dern zu den sogenannten Rundmäulern. Aufgrund von Schutzmaßnahmen haben sich die Neunaugen-bestände in unseren heimischen Gewässern in den vergangenen Jahren allmählich erholt. Im 19. Jahr-hundert waren Neunaugen hierzulande noch weit verbreitet. Sie wurden durch die Fischerei genutzt und waren als Nahrungsmittel des Menschen bis ins 20. Jahrhundert beliebt. Durch Verschmutzung und Verbau der Gewässer sind die Vorkommen stark zurückgegangen. Wo durch Regulierungen keine sandi-gen Sedimentbänke mehr auftreten oder durch Aufstau kiesige Laichplätze verloren gehen, verschwin-den auch die Neunaugen. Hindernisse wie Querverbauungen können sie nicht überwinden und auch so manche Fischaufstiegshilfen nicht passieren. Sollte der Ausbau von Wasserkraftwerken und Querbau-werken vorangetrieben werden, könnte sich der mancherorts inzwischen wieder gebesserte Erhaltungs-zustand der Neunaugen wieder verschlechtern.

Der Mythos der neun Augen

In Deutschland gibt es vier Neunaugenarten: Bach- und Flussneunauge, Ukrainisches Neunauge sowie das Meerneunauge. Statt des gewöhnlichen Fischmauls mit Ober- und Unterkiefer haben alle Arten einen kreisförmigen, innen bezahnten Saugmund an der unteren Seite des Kopfes. Der Körper ist aal-förmig und hat keine Schuppen. Die deutsche Bezeichnung Neunauge ist sehr alt und entstand durch ungenaue Beobachtung. Die eigentlichen Augen, die nur einfach vorhandene Nasenöffnung und die sieben, seitlich gelegenen Kiemenöffnungen erwecken bei flüchtigem Betrachten den Eindruck, das Tier hätte neun Augen auf jeder Körperseite.

Saugkraft ermöglicht Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung

Alle Neunaugen laichen im Süßwasser ab und kommen dort zur Welt. Während die Bachneunaugen das ganze Leben im Süßwasser verbringen, handelt es sich beim Fluss- und Meerneunauge um Wanderar-ten. Direkt nach der Umwandlung zum erwachsenen Tier wandern sie in die Brackwasserregionen oder ins Meer ab. Dort ernähren sie sich parasitisch, indem sie sich an Fischen festsaugen und mit ihrem Zun-genkopf die Haut aufraspeln. Dabei nehmen sie Blut und Gewebeteile auf. Teilweise bohren sie sich sogar bis in die Körperhöhle des Opfers vor. Im Gegensatz dazu nehmen Bachneunaugen im erwachse-nen Zustand keine Nahrung mehr zu sich und werden somit auch nicht als Fischschädlinge auffällig. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife erlischt bei allen Arten die Nahrungsaufnahme.

Zur Fortpflanzung steigen Fluss- und Meerneunaugen oft mehrere hundert Kilometer in die Flüsse zu ihren Laichgebieten auf. Im Frühling bilden sich Laichgesellschaften, die unter aktiven Paarungsspielen Laichgruben ausheben. Mit Hilfe des Saugmaules werden hierbei Steine aufgesammelt und entfernt. Nach dem Laichakt sterben die Neunaugen an Entkräftung. Die geschlüpften blinden Larven (auch Quer-der genannt) vergraben sich im Sand oder Schlamm. Der Kopf bleibt frei und filtert feine Nahrungsparti-kel wie Kleinlebewesen oder Pflanzenteilchen aus dem Wasser. Das Larvenstadium ist die längste Phase im Leben der Neunaugen. Es dauert mindestens fünf Jahre. Anschließend vollziehen die Tiere einen erstaunlichen Gestaltwandel vom Larven- zum Erwachsenenstadium.

Wer mehr über das Neunauge erfahren und die Postkarten erhalten möchte, ist vom 21. bis 29. Januar 2012 am Stand des VDST in Halle 3 B 53/54 auf der 43. „boot“ in Düsseldorf herzlich willkommen.

http://www.vdst.de

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