Row for Silence: Vorwärts, rückwärts, auf , ab ….

Es ist, das richtige Wort fehlt mir dafür …. betroffen machend, bewunderswert, irre ….., was Janice Jakait in den letzten Tagen als emotionale Achterbahnfahrt durchmacht:

„Lets face it: i will stuck here 4ever. A ghostship @ 19. 00N cursed 2 row south against wind & current over&over # 26.01.2012

Quelle und mehr Meldungen: https://twitter.com/RowForSilence

rfs 27Jan2012

Screenshot 27. Januar 2012

„Im Strom der Unglaublichkeiten
January 23, 2012

Was habe ich noch gestern Nacht geschrieben? : “Und am nächsten Morgen zieht der Ozean wieder seine schönsten Kleider an und versucht mich wieder zu versöhnen”. Oder so ähnlich. Haha. Heute hat er offenbar auch die schönsten Schuhe angezogen, sonst würde ich ja nicht sofort wieder einen Eintrag im Blog hinterher schieben. Ohjeeeee … heute hat er mich komplett um den Finger gewickelt. Sprachlos saß ich heute morgen da, unfassbar, unglaublich! ….

Quelle und mehr: http://www.rowforsilence.com/en/2012/01/im-strom-der-unglaublichkeiten/

Zahn der Zeit
Januar 21, 2012


Nie zuvor hatte ich Probleme einzuschlafen. Doch das Schmatzen der Zeit ist Nachts am Lautesten, direkt neben meinem Ohr höre ich, wie die Uhr mit dem Zeiger das Zifferblatt nach mir leckt. Seit Tagen kämpfe um etwas Schlaf. Es ist heiß in der Kabine, die Wellen der Kreuzssee krachen an die Bordwand, gewaltige Gewitter entladen ständig ihre Schadenfreude in Blitz und Schauer über meinem Boot. Ich warte den nächsten Einschlag ab, und öffne die Luke um etwas Sauerstoff einströmen zu lassen, um nur für zwei Augenblicke die Kühle es Windes atmen zu dürfen und mir vom Regen die Stirn erfrischen zu lassen. Doch ich schalte das Deckslicht nicht an. Weiß, dass ich wieder nur überrascht werde, mir wieder der hohe Puls die zarte Müdigkeit aus den Adern pumpen wird, wenn ich nur sehe, was da wieder auf dem Deck liegt. Nach nun mehr als einhundert toten Fischen, noch immer findet sich eine Überraschung. Gewiss. Sei es ein noch lebender Tintenfisch, der sich mit Saugnapf und Farbe gegen seine Befreiung wehrt, sei es eine Welle, die außerplanmäßig von der anderen Seite einschlägt und mir fast wieder die Kabine flutet. “Ich darf nicht!” “Ich sollte nicht!” Was immer ich tue, eine Ausrufezeichen wird den Gedanken abschließen.

Die letzte dieser Nächte, zeigte mir wieder wie grausam und chronisch mein Verstand gefoltert wird. Ich liege in der Kabine, etwa alle zehn Minuten schlägt ein Fisch auf dem Deck ein. Dazwischen höre ich die dumpfen Einschläge von Fischen an der Kabine aussen, die ich gar nicht erst zu zählen vermag. Ich quäle mich hoch, schätze die See ein. Öffne die Luke und stülpe mir eine Tüte über die Hand. Da liegen sie, die Kiemendeckel verkrampfen fast, sie ringen um Luft. Springen bei jeder meiner Bewegung umher. Die “Flügel”, die Seitenflossen, weit abgespreizt. Ich überwinde mich, habe definitiv längst ein Trauma, auch wenn jeder Angler jetzt darüber lachen wird. Ich versuche die Fische zu greifen. Schwierig. Glitschig. Darf die Flossen nicht abknicken. Muss aber auch fest zupacken, sonst schlüpfen sie zappelnd wieder in die nächste Ecke. Meist bluten sie, entgleiten mir. Das Deck ist längst blutverschmiert. Manchmal sind sie so verletzt, dass ich … naja. Es ist grausam. Ich werfe sie ins Wasser, ahne aber, dass die Doraden längst warten und ihnen auch eine Zweite Chance verwehren. Nehme auch stark an, dass die Doraden (ich habe bis zu unglaublichen 50 Stück davon unter mir) nicht ganz unschuldig daran sind, dass soviel Fliegende Fische im Boot landen. Wann immer die Doraden tagsüber abwesend sind, kann ich die Kamera schnappen. Es beginnt die Jagt, circa 50m vor meinem Bug. Hunderte von Fliegenden Fischen flüchten. Manchmal springen die Doraden sogar hinterher. Unglaublich wie viele es davon geben muss.

Nun denn, werden die Gewitter zu heftig, die See zu grob, so sind mir Nachts die Hände gebunden. Das Risiko ist zu hoch dass mir etwas passiert, ich kann nicht mehr wegen jedem Fisch raus, riskiere damit irgendwo ab einen gewissen Punkt auch mein Leben. Da liege ich in der heißen Kabine verkrochen, finde es feige mir Kopfhörer aufzusetzen. Aber ich muss schlafen. Das geht nicht wenn auf der anderen Seite der Luke Fische lautstark zappelnd und springend gegen den Tod kämpfen oder wenige Zentimeter neben meinem Ohr gegen die Bordwand krachen.

Das geht nun seit Tagen so. Die Gewitter, die See, tun ihr übriges um mir den Schlaf zu rauben. Das Wetter ist sowieso eine Katastrophe, der Wind versucht mich nach Norden zu drücken. Also muss ich noch mehr rudern. Die Hände weichen auf im Regen, die Blasen reißen auf. Die Fingergelenke sind chronisch durch. Ich benötige Morgens mehrere Minuten um die Finger überhaupt wieder gerade Strecke zu können. Die Knie, die Achillessehne. Am schlimmsten die Schultern. Und dann liege ich in der Kabine, und kann meine Arme nicht mal ausstrecken, liege eingepfercht zwischen den Netzen, den Kojensegeln. Klemme mich dazwischen fest um nicht im Seegang herum zu rutschen. Die Schultern bekommen keine Auszeit, die Knie wund, die Ellenbogen wund. Auf der Seite liegen: unmöglich wegen den Schultern. Liege ich auf dem Rücken, liege ich mit kaputter Haut vom Rudersitz auf. Auch nicht besser. Auf dem Bauich schlafen geht gar nicht, dann wird mir schlecht.

Quelle: http://www.rowforsilence.com/de/2012/01/zahn-der-zeit/

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