fish international 2012 nimmt Aquakultur und Zertifizierung in den Fokus

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Foto: Messe Bremen / Jan Rathke

Messe fish international 2012 nimmt Aquakultur und Zertifizierung in den Fokus

Bremen: Verbraucher bevorzugen immer häufiger ethisch verantwortlich hergestellten Waren und vertrauen Produkten mit Prüf- und Gütesiegeln: Das besagen neuere Umfragen. Ein Trend, dem sich auch die Fischbranche stellt.

Das Nachhaltigkeitslabel des Marine Stewardship Council (MSC) hat sich zum weltweit führenden Siegel für Wildfischfang entwickelt. Nun will sein noch junger Bruder, der Aquaculture Stewardship Council (ASC), es dem MSC gleichtun. Wird ihm das gelingen? Das ist nur eine der vielen Fragen rund um alte und neue Zertifikate und ihre Bedeutung für die Branche, mit denen sich die Fachleute auf der fish international 2012 vom 12. bis 14. Februar 2012 in der Messe Bremen beschäftigen.

„Aquakultur und ihre Zertifizierung bilden diesmal einen der thematischen Schwerpunkte“, sagte der Geschäftsführer der Messe Bremen, Hans Peter Schneider. „Insbesondere die heimische Erzeugung steht im Fokus, denn auch Produkte aus der Region gehören laut Studien zu den wichtigen Trends in der Verbrauchergunst.“ Als Deutschlands einzige Messe für Fisch und Meeresfrüchte und noch dazu mit einem einzigartigen Themenmix sei die fish international der Branchentreffpunkt schlechthin, sagte Schneider. Rund 260 Fischerzeuger und -verarbeiter, Händler und Handelsausstatter, Maschinenbauer, Wissenschaftler und Vertreter von Organisationen und Verbänden haben in den Messehallen 4 und 5 ihre Stände aufgeschlagen. Sie stehen bereit, um mit den Fachbesuchern ins Gespräch und ins Geschäft zu kommen, alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.

„Aus unserer täglichen Beratungspraxis wissen wir, dass die Verbraucher neben verlässlicher Qualität immer mehr Wert auf nachhaltige Erzeugung legen. Und die meisten Anfragen auch in Qualitätshinsicht bekommen wir zu Fisch“, sagte Silke Schwartau, Leiterin der Abteilung Ernährung in der Verbraucherzentrale Hamburg.

„Natürlich ist bei den Siegeln nicht alles Gold. Aber zum Beispiel die Zertifizierung nach MSC-Standard ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Der Standard sei weltweit anerkannt und eingeführt – anders als die vielen vereinzelten Siegel. „Darum befürworte ich grundsätzlich auch die Einführung des ASC-Labels, auch wenn es leider noch immer keine zertifizierten Produkte gibt“, so Silke Schwartau.

Darauf müssen Verbraucher aber nicht mehr lange warten. ASC-Geschäftsführer Chris Ninnes sagte, im Februar werde der ASC offiziell sein Zertifizierungsprogramm für Buntbarsche, genauer Tilapia starten. Dann können sich Zertifizierer um ihre Zulassung bemühen. Das Programm für Pangasien soll wenige Wochen später starten.

Er glaube, dass es nach dem formalen Programmstart nicht mehr lange dauern werde, bis die ersten Produkte in den Handel kommen, sagte Ninnes: „Eine Reihe von Züchtern haben sich schon seit einiger Zeit auf die Zertifizierung vorbereitet“. Voraussichtlich könnten zuerst Konsumenten in den Niederlanden, wo der ASC sein Hauptquartier hat, gefolgt von denen in Deutschland Ware mit ASC-Label kaufen. Darauf warteten viele Verbraucher ungeduldig. „Die ASC-Standards sind die robustesten für Fischzucht überhaupt – in ihre Entwicklung waren rund 2.000 Vertreter verschiedenster Anspruchsgruppen eingebunden“, sagte der ASC-Chef. „Ich bin überzeugt, dass der daraus entstandene Kriterienkatalog sich durchsetzen und den Wandel hin zu nachhaltiger Aquakultur vorantreiben wird.“

Vorbild des erst 2009 gegründeten ASC ist der Marine Stewardship Council (MSC). Dessen Standards werden kontinuierlich weiterentwickelt in einem international besetzten Komitee unter Leitung von Dr. Christopher Zimmermann vom bundeseigenen Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock.

Zugleich ist Zimmermann verantwortlich für die Internetplattform „Fischbestände online“, die auf eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen zurückgeht. „Hier stellen wir seit Sommer 2011 nach und nach für die 30 wichtigsten Meerfisch-Arten auf dem deutschen Markt wie Kabeljau oder Seehecht sämtliche verfügbaren Informationen zusammen, die Relevanz für die Beurteilung einer nachhaltigen Nutzung haben“, sagt Zimmermann.

Einkaufsempfehlungen gebe man nicht. Einkäufer von Handelshäusern oder auch interessierte Endverbraucher könnten sich auf der Plattform vielseitig selbst informieren: zum Beispiel über den Zustand von Beständen aus biologischer Sicht, Fangmethoden und deren Einfluss auf die Meeresumwelt oder die Frage nach zertifizierten Fischereien. „Tatsache ist: Die Lage der verschiedenen Bestände einer Art unterscheidet sich zum Teil ganz erheblich. Und auch Bestände ohne Gütesiegel können nachhaltig bewirtschaftet sein – schließlich lässt sich nicht jeder Fischereibetrieb zertifizieren, denn zum Beispiel verursacht das einige Kosten.“

Fotos: Messe Bremen / Jan Rathke:

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