Row for Silence

Janice Jakait wird noch ein paar Tage bis zum Zielhafen auf Barbados brauchen und hoffentlich geht dabei alles weiterhin gut. Es liegt in der Natur solcher außergewöhnlichen Vorhaben, dass man sich als Beobachter gedanklich hauptsächlich mit dem sportlichen und seemännischen (seefraulichen) Abenteuer und der fernab auf dem Atlantik befindlichen Akteuerin beschäftigt, zumal Janice Jakait uns über verschiedene Kanäle sehr direkt an ihrem Abenteuer teilhaben lässt. Ich möchte aber kurz vor Ende des Vorhabens noch einmal die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass Janice Jakait mit ihrem Projekt mehr beabsichtigte als ein sportliches Extremabenteuer und Einzug in die Hall of Fame des Rudersports.

Auszug aus der Projektwebseite Row for Silence:

Ich unterstütze mit dieser Aktion ganz bewusst und aktiv die Kampagne „Silent Oceans“ von OceanCare bzw. der Internationalen Ocean Noise Coalition. Denn wie könnte ich Kindern heute dieses Boot zeigen, von Walen und Delphinen erzählen, um große Augen in Ihre Gesichter zu zaubern, wohlwissend, dass wir im Begriff sind diese Geschöpfe auszurotten.

Viele Wale mussten stranden, bevor internationale Gremien die gefährliche Dimension des Unterwasserlärms ernst zu nehmen begannen. Schiffsverkehr, Militärsonare sowie seismische Tests zur Ortung von Erdölvorkommen erzeugen in den Meeren ein zuweilen ohrenbetäubendes Dröhnen. Wenn Wale aufgrund des Lärms stranden, sehen wir aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Beschallung setzt auch den Fischbeständen zu. Summiert man die Folgen des Lärms mit jenen der Überfischung sowie der Meeresverschmutzung, wird klar, dass die Nahrungskette hochgradig geschwächt sein muss. Immer mehr Meerestieren droht der Hunger. Aber auch die Menschen werden darben, denn ein Grossteil vor allem der ärmeren Weltbevölkerung ist auf Fisch als primäre Proteinquelle angewiesen.

Aus einigen Emails, die ich vor Monaten mit Janice Jakait austauschte, glaube ich sagen zu können, dass Janice Jakait Lärm und Plastikmüll gleichermaßen als großes Problem der Ozeane und ihrer Lebewesen sieht. Sie hat sich aber entschlossen, mit ihrem Projekt Row for Silence dem für Menschen weniger sichtbaren und nur mit Technik wahrnehmbaren Problem, dem Lärm in den Ozeanen, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Anhand ihrer obigen Aussagen sieht man m.E. aber auch, dass es ihr dabei nicht allein um das Problem Lärm geht, sondern letztlich um die Zukunft der Ozeane. Janice Jakait hatte, das kann man in den Blogberichten lesen, einige ungewöhnliche und wohl immer prägende Erlebnisse und Kontakte mit dem Atlantik und einigen Tierarten. Ich hoffe daher, dass sie nach der Tour zu einer Botschafterin für die Ozeane wird und sich nicht, zumindest nicht gleich, dem nächsten sportlichen Extremabenteuer widmet.

Es ist Zufall, aber passend, dass gerade während ihrer Tour erstmalig der wissenschaftliche Nachweis publiziert wird, dass Lärm durch Schiffe messbaren Stress für Wale bedeutet ( Whale poop reveals ships cause stress, 08. Februar 2012 ).

Momentan gibt es wieder viele sehr umfangreiche Wal- und Delfinstrandungen. Es gibt bisher, zumindest soweit ich das im Internet bisher verfolgen konnte, keine direkten Hinweis, dass Lärm allgemein oder militärische Sonargeräte speziell dabei Ursache waren. Bau von Offshore-Windkraftanlagen, Suche nach Erdgas- und Erdöl, es gibt vielfältige Lärmquellen, die aufgrund der Lärmpegel mit großer Wahrscheinlichkeit vielen Meerestieren Probleme bereiten. Umso erfreulicher ist es, wenn durch Firmen technische Lösungen zur Problemminderung entwickelt und angewendet werden. Eines der Beispiele ist die Anwendung von Blasenschleiern beim Bau eines Windparks vor Borkum.

Lärm in den Ozeanen wird zunehmend in der Öffentlichkeit als Bedrohung zumindest von Cetaceen, also Walen und Delfinen, wahrgenommen und auch renommierte Meeresforschungsinstitute werden da kritisch beobachtet wie gerade das Alfred-Wegener-Institut (AWI) erleben konnte.

Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben. Nur ständig kritisch nachfragende Öffentlichkeit und Medien bringen Firmen, Politik und Behörden dazu, aktiv zu werden. Ansonsten gilt für Meeresprobleme „Aus den Augen, aus dem Sinn“ und Lärm unter unter Wasser ist für menschliche Sinne ohnehin kaum wahrnehmbar. Es bleibt somit zu hoffen, dass wir von Row for Silence und Janice Jakait auch nach Ende der Tour noch einiges hören, hier wären Schweigen und Stille anders als in den Ozeanen keine gute Entwicklung.

3 Gedanken zu „Row for Silence

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