Bricht Grönland mit dem Walfangabkommen?

Bricht Grönland mit dem Walfangabkommen?

Trotz Verbot will Grönland künftig mehr Wale töten

München, 4. Januar 2013. Zum Jahreswechsel hat Grönland eigenmächtig höhere Walfangquoten beschlossen – und ignoriert damit ein Nein der Internationalen Walfangkommission (IWC). Zur Selbstversorgung dürfen Ureinwohner Wale fangen, doch den Nachweis für einen erhöhten Bedarf blieb Grönland schuldig. Als Grönland dennoch auf höhere Quoten bestand, versagte die IWC schließlich die Gesamtquote. „Grönland will nun offenbar außerhalb jeglicher Legitimation Jagd auf bis zu 221 Wale jährlich machen. Das käme einem Piratenwalfang gleich“, kritisiert Dr. Sandra Altherr von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. „Geht die IWC nun nicht konsequent gegen diese Eigenmächtigkeit vor, wäre dies eine Kapitulation des Walschutzes.“

Seit 1986 gilt ein von der Internationalen Walfangkommission (IWC) beschlossenes weltweites kommerzielles Walfangverbot. Ureinwohner dürfen hingegen bei vorgelegtem Bedarfsnachweis weiterhin die Meeresriesen fangen – unter der Bedingung, dass dies allein zu ihrer Selbstversorgung (Subsistenz) geschieht und das Fleisch lokal konsumiert wird. Doch während dies für die Inuit in Alaska und die Chukotka in Russland nicht bezweifelt wird, wirft die Situation in Grönland zunehmend Fragen auf:

Wal-Sushi für Touristen verärgert Artenschützer

In Grönland wird Walfleisch zunehmend kommerzialisiert: „Das angeblich so dringend selbst benötigte Walfleisch wird auf Grönland immer häufiger in Supermärkten oder gar schicken Touristen-Restaurants verkauft: als Wal-Barbecue, „Grönland-Sushi“ oder Wal-Carpaccio mit Mozzarella“, berichtet Altherr. „Viele Grönland-Urlauber probieren solch exotische Gerichte und heizen damit den Walfang weiter an.“ Selbst auf dem dänischen Festland ist das Fleisch erhältlich, was einen Verstoß gegen geltendes Artenschutz- und EU-Recht darstellt.

Walfangkommission lehnt höhere Quoten ab

Bis Ende 2012 durften die Inuit auf Grönland jährlich bis zu 190 Zwergwale, 16 Finnwale, neun Buckelwale und zwei Grönlandwale fangen – zur Selbstversorgung dieser Ureinwohner. Ab 2013 wollte Grönland zusätzlich drei Finn- und einen Buckelwal fangen und begründet dies mit Bevölkerungswachstum und einem entsprechend höheren Bedarf. Angesichts der Walfleisch-Gastronomie auf Grönland wenig glaubwürdig, wie auch die IWC auf ihrem letzten Treffen im Juli 2012 befand: „Ein Beibehalten der bisherigen Quoten hätte man ohne Weiteres akzeptiert, doch die Quotenerhöhung wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt“, berichtet die Pro Wildlife Sprecherin, die seit 16 Jahren die IWC-Verhandlungen hautnah mit verfolgt. „Entsprechend erwarteten viele IWC-Mitgliedsstaaten, dass Grönland vor Jahresende eine Verlängerung der bisherigen Quoten anfragen würde, um nicht ab 2013 mit leeren Händen da zu stehen. Stattdessen überrumpelte Grönland die anderen IWC-Mitgliedsstaaten Anfang Dezember mit seiner unveränderten Frage nach höheren Quoten – und fing sich kurz vor Weihnachten eine erneute Absage der IWC-Mitglieder ein.“

Am 31. Dezember beschloss die semi-autonome Regierung Grönlands kurzerhand die höheren Quoten auf eigene Faust: Für Finnwale soll die Jagd schon im Januar beginnen, für alle anderen Arten ab April.

Machtkampf mit der Walfangkommission

Immer wieder versuchen die Walfangländer, die Vorgaben der IWC zu torpedieren: Island und Norwegen umgehen das kommerzielle Walfangmoratorium mit einem formellen Vorbehalt, Japan fängt unter dem Deckmantel der Wissenschaft. „Diese Länder nutzen die sehr ärgerlichen, aber existierenden Schlupflöcher der IWC. Grönlands Vorstoß wäre jedoch ein Präzedenzfall, denn zum Subsistenzwalfang hat die IWC klare Vorgaben. Wenn Grönland nun seine Drohung ungehindert wahrmachen kann, wird die IWC schwer geschädigt“, befürchtet Altherr.

Pro Wildlife e.V.
Internet: http://www.prowildlife.de

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