Neuer Bericht fordert umfassenden Schutz des Weddell-Meeres

Neuer Bericht fordert umfassenden Schutz des Weddell-Meeres

Berlin: Um die Antarktis soll ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten entstehen. Vor diesem Hintergrund hat die Antarctic Ocean Alliance (AOA) heute ihren neuen Bericht „Vermächtnis des Südlichen Ozeans: Eine Vision für den Schutz des Weddell-Meeres“ (Antarctic Ocean Legacy: Towards Protection of the Weddell Sea Region) veröffentlicht. Dieser Bericht soll einen wichtigen Beitrag leisten zu den aktuellen wissenschaftlichen und politischen Bemühungen, eines der letzten weitgehend intakten Ökosysteme der Erde – dem Weddell-Meer südlich des Atlantischen Ozeans – effektiv zu schützen. Derzeit erarbeiten Deutschland und Russland gemeinsam einen Vorschlag für ein Meeresschutzgebiet in dieser Region. Der Bericht ist ein Teil des Vorschlags der AOA zur Schaffung von Meeresschutzgebieten (MSG) und Fangverbotszonen in 19 Regionen rund um die Antarktis.

„Deutschland hat die ökologische Bedeutung des Weddell-Meeres erkannt und führt gemeinsam mit Russland den Prozess an, der den Schutz dieser überaus wichtigen Region zum Ziel hat. Die AOA unterstützt diese Zusammenarbeit und begrüßt die Zusage Russlands für die Schaffung von Meeresschutzgebieten“, sagt Dr. Onno Groß von der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE.

Durch Schutzmaßnahmen für die im neuen AOA-Bericht besonders hervorgehobenen Regionen und durch Beachtung des Vorsorgeprinzips kann die Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources – CCAMLR) Bereiche schützen, die insgesamt ein breites, repräsentatives Spektrum an Arten, Lebensräumen und Ökosystemen im Weddell-Meer umfassen – von der oberen Zone der Wassersäule bis zum Meeresboden –, darunter wichtige Biodiversitäts-Hotspots.

„Große, vollständig geschützte Fangverbotszonen sind ein unerlässliches Mittel zur Wahrung der unglaublichen Biodiversität des Weddell-Meeres“, betont Andrea Kavanagh, die für The Pew Charitable Trusts die Kampagnenarbeit für Fangverbotszonen koordiniert. „Die Mitgliedsstaaten der Kommission haben die Aufgabe, umfassende Schutzmaßnahmen für die Gewässer rund um die Antarktis zu erlassen, aber bis heute ist es ihnen trotz mehrjähriger Verhandlungen und Diskussionen nicht gelungen, Schutzzonen für das Ross-Meer und die Ostantarktis auszuweisen. Wir begrüßen die Zusammenarbeit Deutschlands und Russlands am Vorschlag zum Weddell-Meer und hoffen, dass hierdurch für die Sitzung der Kommission kommenden Oktober ein Ende des bislang herrschenden Stillstands signalisiert wird.“

Das eisbedeckte, wilde und abgelegene Weddell-Meer ist für Menschen oft unzugänglich. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch mit zunehmender Forschungstätigkeit das vielseitige Bild eines äußerst lebendigen marinen Ökosystems herausgebildet, das von Strömungen, Formationen am Meeresgrund und Eis gezeichnet wird.

„Die Einrichtung eines Netzwerks von Schutzgebieten im Weddell-Meer kann dazu beitragen, dass die Krill-Bestände und Tiere der oberen trophischen Ebene wie Wale, Robben und Kaiserpinguine weiter gedeihen. Zudem dient ein solcher Schutz der Steigerung der Widerstandsfähigkeit dieser Region gegen die Versauerung des Ozeans, den Klimawandel und steigende Fischereiinteressen“, so Tim Packeiser, Meeresschutzexperte beim WWF.

Klimawandel
Der Bericht macht deutlich, dass das Weddell-Meer besonders anfällig ist für Schäden, die durch den Klimawandel und die Versauerung des Ozeans verursacht werden, und führt Beispiele für Veränderungen an, die schon heute zu beobachten sind, darunter ein scharfer Kontrast zwischen dem westlichen und dem östlichen Sektor. Im neben der westlichen Antarktischen Halbinsel gelegenen westlichen Sektor, der zu den sich am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde zählt, geht die Erwärmung mit einem Rückgang des Meereises einher. Im östlichen Sektor dagegen nimmt das Meereis seit Jahrzehnten zu und trägt entscheidend zur allgemeinen Steigerung der Ausdehnung des Meereises im Südlichen Ozean bei.

„Die Schaffung neuer MSG in wichtigen Ökosystemen wie dem Weddell-Meer ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg hin zu einer Steigerung der Widerstandsfähigkeit des Südlichen Ozeans, der der Antarktis angesichts des drohenden Klimawandels wesentliche Unterstützung bieten kann“, so Fabian Ritter von Whale and Dolphin Conservation (WDC).

Der Weg zur CCAMLR
Die AOA ruft alle Staaten, die der Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) angehören, dringend dazu auf, 2014 weiträumige, dauerhafte und durch ökologische Vielfalt gekennzeichnete MSG in der Ostantarktis und dem Ross-Meer zu schaffen. Daneben appelliert die AOA an Russland und Deutschland, einen fundierten Vorschlag für Meeresschutzgebiete im Weddell-Meer im Jahr 2015 vorzulegen. Dies sind unerlässliche, visionäre Schritte zur rechten Zeit auf dem Weg hin zur Schaffung eines Netzwerks von MSG und Fangverbotszonen im Südlichen Ozean, die den bis heute gemachten Zusagen der CCAMLR entsprechen.

„Die AOA hofft, dass das Engagement Russlands für den Schutz des Weddell-Meers bedeutet, dass Russland auch hinsichtlich der Vorschläge zur Ostantarktis und dem Ross-Meer eine Führungsrolle übernehmen wird“, so Onno Groß weiter.

ENDE

Für Medienanfragen oder zur Vereinbarung eines Interviews wenden Sie sich bitte an:

Mona Samari – Antarctic Ocean Alliance
Europe Comms & Advocacy
Tel.: +44 (0) 7515 828 939

Thilo Maack – Greenpeace
Tel.: +49 (0) 171 8780841

Onno Groß – DEEPWAVE
Tel.: +49 (0) 179 598 69 69

Tim Packeiser – WWF
Tel.: +49 (0) 151 188 54 848

* Hinweise für die Redaktion:

Vollständig geschützte Fangverbotszonen sind Gebiete, die von jeglicher extraktiver Nutzung ausgenommen sind, so auch von jeglicher Fischerei. Vollständig geschützte Fangverbotszonen bieten den größtmöglichen Schutz für alle Bestandteile des Meeresökosystems.

Meeresschutzgebiete (MSG) sind Gebiete, in denen bestimmte Aktivitäten nur begrenzt gestattet oder vollständig untersagt sind, um festgelegte Ziele im Bereich Umweltschutz, Schutz von Lebensräumen bzw. Fischereimanagement zu erreichen.

AOA Steering Committee:
Stephen Campbell (Antarctic Ocean Alliance), Mark Epstein (Antarctic and Southern Ocean Coalition), Andrea Kavanagh (Pew Charitable Trusts), Bob Zuur (WWF), Richard Page (Greenpeace International)

Die Antarctic Ocean Alliance (AOA) ist eine internationale Koalition führender Umweltschutzorganisationen und renommierter Einzelpersonen in aller Welt, darunter: Whale and Dolphin Conservation (WDC), World Wide Fund for Nature (WWF), The Pew Charitable Trusts, Greenpeace, Humane Society International, Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC), Blue Marine Foundation (UK), Mission Blue (USA), Oceans 5 (USA), DEEPWAVE (Deutschland), The Last Ocean, Korean Federation for Environmental Movement (KFEM), Greenovation Hub (China), Forest & Bird (NZ), ECO (NZ), Friends of the Earth (Japan) und angeschlossene Partnerorganisationen wie Natural Resources Defense Council (NRDC), Oceana, Internationaler Tierschutz-Fonds (IFAW) und Ocean Planet (Australien). Wir werden außerdem von Einzelpersonen wie Schauspieler Leonardo DiCaprio, Schauspieler und UN-Botschafter für Biodiversität Edward Norton, Ozeanographin Dr. Sylvia Earle und Unternehmer Sir Richard Branson unterstützt.
Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC): Seit 1978 hat die Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC) mehr als 200 Nichtregierungsorganisationen unter ihrem Dach vereint, die allesamt das Ziel verfolgen, den Antarktischen Kontinent und den umliegenden Südlichen Ozean zu schützen.
http://www.asoc.org

Greenpeace ist eine unabhängige Umweltorganisation, die mit friedlichen Protestaktionen und kreativer Kommunikation globale Umweltprobleme aufdeckt. http://www.greenpeace.de

Der World Wide Fund For Nature (WWF) ist eine der größten und erfahrensten Naturschutzorganisationen der Welt und in mehr als 100 Ländern aktiv. Weltweit unterstützen ihn fünf Millionen Förderer. Das globale Netzwerk des WWF unterhält 90 Büros in mehr als 40 Ländern. Rund um den Globus führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuell 1300 Projekte zur Bewahrung der biologischen Vielfalt durch. http://www.wwf.org

DEEPWAVE wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, den Schutz der Ökosysteme der Hoch- und Tiefsee voranzubringen. http://www.deepwave.org

Whale and Dolphin Conservation (WDC): Die gemeinnützige Wal- und Delfinschutzorganisation WDC widmet sich ausschließlich dem Schutz von Walen und Delfinen. Das Ziel ist eine Welt, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben. http://www.whales.org

Die Pew Charitable Trusts engagieren sich auf globaler Ebene für die Einführung pragmatischer, wissenschaftlich fundierter Richtlinien zum Schutz unserer Meere und der Natur und zur Förderung einer klimafreundlichen Wirtschaft. http://www.pewtrusts.org

Link to Report, German
http://antarcticocean.org/wp-content/uploads/2013/03/German-Weddell-Sea-RegionLR.pdf

cover_wedellmeer_report

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