Neuer biogeografischer Atlas des Südlichen Ozeans

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Biogeographic Atlas of the Southern Ocean
Der Atlas beinhaltet etwa 100 Fotos und 800 Karten und mehr als 9000 Arten wurden erfasst. Quelle: SCAR Biogeographic Atlas of the Southern Ocean

Neuer biogeografischer Atlas des Südlichen Ozeans

Mehr als 9000 Spezies leben im Südlichen Ozean, der auch als Südpolarmeer
oder Antarktischer Ozean bekannt ist. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler erforschen zum Teil seit Jahrhunderten ihre Verbreitung und
besonderen Eigenschaften. Heute stellte das Scientific Committee on
Antarctic Research (SCAR) einen Atlas vor, der diese Ergebnisse bündelt und
quasi einen Zensus dieses Meeres darstellt. 147 Autorinnen und Autoren aus
22 Ländern haben Beiträge verfasst. Mit ihrer Forschungsarbeit am
Zoologischen Museum der Universität Hamburg haben Prof. Dr. Angelika Brandt
und Dr. Stefanie Kaiser zu dem Werk beigetragen.

Ziel des Biogeografischen Atlas ist es, den aktuellen Stand der
wissenschaftlichen Forschung zu Verteilungsmustern der Lebewesen, die im
Südlichen Ozean vorkommen, darzustellen und einen veralteten Atlas von 1969
zu ersetzen. Ein besonderer Fokus liegt dabei u. a. auf den Meeresschichten
direkt über dem Grund, der sogenannten Tiefsee, in die kein Licht dringt und
die auf den ersten Blick keine Grundlage für die Ansiedlung von Leben zu
bieten scheinen. Doch tatsächlich hat sich dort eine große Anzahl an
Organismen angesiedelt.

Prof. Dr. Angelika Brandt etwa befasst sich in ihrem Aufsatz „Deep sea
communities“ mit allgemeinen Trends, die in der Verbreitung verschiedener
Organismengruppen unterhalb von 3000 Metern Tiefe zu beobachten sind. Die
Beispiele erstrecken sich dabei durch die häufigsten wirbellosen Tiergruppen
aller Größenklassen – von kleinsten Fadenwürmern über Krebse und
Meeresborstenwürmer bis hin zu Stachelhäutern wie Seesternen, Seeigeln oder
Seegurken.

Eine spezielle Tiergruppe, die Meeresasseln, beschreibt Dr. Stefanie Kaiser
in ihrem Aufsatz „Crustacea: Isopoda“. Während ihrer Promotion am
Zoologischen Museum der Universität Hamburg erforschte Kaiser, die
inzwischen am Senckenberg-Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung in
Wilhelmshaven tätig ist, die Verbreitung der Isopoden, besser bekannt als
Asseln, die im marinen Lebensraum in allen Tiefen vorkommen und sich durch
eine hohe Anpassung und Artenvielfalt auszeichnen. Sie stellt dar, welche
morphologischen Ausprägungen zum evolutionären Erfolg der 440
Isopoda-Spezies, die im Südlichen Ozean bisher beschrieben wurden, geführt
haben.

„Dieser Atlas wird für die Antarktisforschung von großer Bedeutung sein“,
erklärt Prof. Angelika Brandt. Die Informationen darüber, wo welche
Lebewesen vorkommen, seien zudem für andere Bereiche hochinteressant, etwa
beim Erkennen und Verstehen der Auswirkungen von Umweltveränderungen, zur
Überwachung der Biodiversität und zum Erhalt der Ökosysteme. Im Vergleich zu
den Forschungsansätzen vorheriger Jahrzehnte basieren die wissenschaftlichen
Erkenntnisse, die im Atlas zusammengetragen wurden, auf deutlich
umfangreicheren Datensätzen sowie neuen molekularen und genetischen
Untersuchungen. Auch die Methoden der Analyse, Visualisierung, Modellierung
und Vorhersage entsprechen den modernsten Standards.

Anstoß für den Atlas waren zwei große Forschungsprojekte der vergangenen
Jahre, in denen die „Volkszählung der Meeresorganismen“ des Antarktischen
Eismeers umfassend untersucht wurde. Der „Census of Antarctic Marine Life
(CAML)“ untersuchte von 2005 bis 2010 die Eigenschaften, das Vorkommen und
die Häufigkeit aller lebenden Organismen des Südlichen Ozeans. In enger
Verbindung mit diesem Projekt initiierte das SCAR Marine Biodiversity
Information Network (SCAR-MarBIN) ein Netzwerk aus Datenbanken, die
historische und aktuelle Forschungsergebnisse verbinden und ein umfassendes
Register antarktischer Meeresspezies bilden.

Quelle Universität Hamburg

Weitere Quellen

Der Atlas mit dem Titel „Biogeographic Atlas of the Southern Ocean“ beinhaltet
etwa 100 Fotos und 800 Karten. Er wird am Montag, den 25. August 2014 in
Auckland (Neuseeland) auf der SCAR Open Science Conference vorgestellt.

http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/new_atlas_of_southern_ocean_marine_life/?cHash=2b08f3f3b4d856275f9d6e35061a5fc4

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