Walschützer ziehen überwiegend positive Bilanz der Walfangtagung in Portoroz

Walschützer ziehen überwiegend positive Bilanz der Walfangtagung in Portoroz

Alle Versuche Japans, das kommerzielle Walfangverbot zu umgehen, sind auf der internationalen Walfangtagung gescheitert. Der angeblich wissenschaftliche Walfang Japans wird künftig von der Internationalen Walfangkommission (IWC) kontrolliert. Die Organisationen OceanCare und Pro Wildlife sehen dies als das wichtigste und beste Ergebnis der am Donnerstag zu Ende gegangenen Walfangkonferenz. Anträge, Küstenwalfang zu betreiben wurden ebenso abgelehnt wie die Initiative, Walfleisch als Beitrag zur Nahrungssicherung zu etablieren.

Negativ bewerten OceanCare und Pro Wildlife die Entscheidung der Kommission, Grönland eine Fangquote für Wale zu erteilen, die nach Ansicht der Walschützer den tatsächlichen Eigenbedarf der Inuit weit übersteigt. Kritik übten die beiden Organisationen am mangelnden Einsatz der EU. Die deutsche und Schweizer Delegation lobten sie für einen konstruktiven Dialog und ihr Engagement für den Walschutz.

Die wichtigsten Ergebnisse
Künftig muss die IWC neue Forschungsprojekte offiziell genehmigen. Dieser Beschluss setzt das IGH-Urteil vom März um, das Japans angeblich wissenschaftliches Walfangprogramm in der Antarktis wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit verboten hatte. Neuseeland hatte die Resolution bei der IWC-Jahrestagung eingebracht. Bisher hatte Japan dem Wissenschaftsausschuss der IWC seine angeblichen Forschungsprogramme zwar zur Diskussion vorgelegt, doch weder das Fachgremium noch die Vollversammlung der IWC konnten die Walfänger aufhalten. „Mit diesem Schritt stopft die IWC zwar nicht komplett das Schlupfloch des Wissenschaftswalfangs, aber es wird deutlich kleiner“, sagt Sandra Altherr, die für Pro Wildlife die Walfangtagung beobachtet. Japan reagierte auf den Beschluss mit der Ankündigung, sein Wissenschaftsprogramm so zu modifizieren, dass es den Anforderungen des IGH-Urteils entspreche. „Wir fordern Japan auf, diese Entscheidung der Vollversammlung zu akzeptieren und nicht nach anderen Schlupflöchern zu suchen“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin der Schweizer Organisation OceanCare.

Den grönländischen Inuit gestatteten die Delegierten jährlich 178 Zwergwale, 19 Finnwale, 10 Buckelwalen und zwei Grönlandwale zu jagen, allerdings nur zur Selbstversorgung. OceanCare und Pro Wildlife kritisieren diese Fangquote als unverhältnismässig hoch. „Neue wissenschaftliche Studien bestätigen, dass der tatsächliche Verbrauch der Inuit deutlich geringer ist als die Fangquoten“, sagt Altherr.

Ghana zog in letzter Minute eine Resolution zurück, die auf Initiative Japans Walfang als Beitrag zur Welternährungssicherung etablieren sollte.

Ein Antrag Japans auf Küstenwalfang scheiterte mit 19 Ja- zu 39 Nein-Stimmen – eine Dreiviertelmehrheit wäre hierfür notwendig gewesen.

Ein Walschutzgebiet im Südatlantik lehnten die Delegierten in der Vollversammlung mit 40 Ja zu 18 Stimmen ab. Da im Südatlantik keine Wale gefangen werden, werten die Walschützer diese Entscheidung als wenig gravierend.

Eine Resolution Monacos verstärkt die Kooperation zu stark wandernden Wal- und Delfinarten mit anderen internationalen Foren. „Wir erhoffen uns, dass Wale und Delfine durch die verstärkte Zusammenarbeit besser geschützt werden, doch das ist noch ein langer Weg“, so Lüber, die für OceanCare als Sonderberaterin für Meeresschutz an der UNO teilnimmt.

Auf Antrag Chiles wurden die Rechte der Verbände gestärkt.

Ausserdem wurde Bruno Mainini, Delegationsleiter der Schweiz am Donnerstag neu als Vorsitzender der Internationalen Walfangkommission gewählt. Er wird die nächsten zwei Jahre den Vorsitz der IWC innehaben. An seine Seite wird Joji Morishita, Delegationsleiter Japan als Vizepräsident gestellt.

Kommerzieller Walfang ist seit 1986 verboten. Doch Länder wie Japan, Island, Grönland und Norwegen nutzen Schlupflöcher, um dieses Verbot zu umgehen. Auf der Internationalen Walfangtagung treffen Vertreter der Walfanglobby auf Umweltschützer und verhandeln über Fangquoten, Tötungsmethoden und Schutzgebiete.

Weiterführende Links und Informationen

http://www.oceancare.org/walschutz
http://www.prowildlife.de/IWC_Tagebuch

Medienkontakte
Sigrid Lüber nahm für OceanCare als Beobachterin an der IWC-Konferenz teil. Auf OceanCares Blog berichtet sie über die Konferenz.

Sigrid Lüber, Präsidentin OceanCare: Tel: (+41) 79 475 26 87, Skype: sigrid_lueber, slueber@oceancare.org (in Slowenien vom 10.-18. September 2014).

Über OceanCare
Seit 1989 setzt sich OceanCare weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie dem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Im Juli 2011 erhielt die Organisation von den Vereinten Nationen den UN-Sonderberaterstatus zugesprochen. http://www.oceancare.org

Bisheriges Engagement von OceanCare an der IWC
OceanCare setzt sich seit 1992 als einzige Schweizer Nichtregierungsorganisation an den Tagungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) für den Schutz der Wale ein. Als langjährige Beobachterin ist sie mit den Akteuren und Regeln des Gremiums bestens vertraut. In Slowenien setzt sich OceanCare auch dieses Jahr dafür ein, dass die Wale maximalen Schutz erhalten. Bereits 2001 trug die Organisation mit einem Völkerrechtsgutachten zum Stimmenkauf zu einer historische Resolution für politische Transparenz bei, die 2011 zu einem Verbot von sogenannten Motivationsgeschenken führte. Ein von OceanCare eingebrachtes Rechtsgutachten zur Partizipation der Zivilbevölkerung führte dazu, dass seit 2008 neu auch Nichtregierungsorganisationen angehört werden. OceanCare war massgeblich daran beteiligt, dass IWC Mitgliedstaaten sich für eine Zusammenarbeit mit der WHO entschlossen und die Walfangländer neu Konsumenten über Gesundheitsrisiken durch den Verzehr von Walfleisch informieren müssen. http://www.oceancare.org/walschutz

Über Pro Wildlife
Pro Wildlife ist eine gemeinnützige Organisation, die sich global für den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume einsetzt. Weltweit unterstützt Pro Wildlife Artenschutzprojekte vor Ort und leistet Aufklärungsarbeit, um Wildtierhandel und Wilderei einzudämmen. Pro Wildlife nimmt an Konferenzen wie der Internationalen Walfangkommission (IWC) und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, engl. CITES), um den Schutzstatus von Wildtieren weltweit zu verbessern.

OceanCare, Oberdorfstrasse 16, CH-8820 Wädenswil, Tel +41-44-780 66 88. info@oceancare.org. http://www.oceancare.org

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s