125 Organisationen drängen EU-Minister, die Überfischung zu beenden

125 Organisationen fordern die für Fischerei verantwortlichen Minister auf, die Überfischung im Einklang mit der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP)zu beenden.

Die EU-Minister werden sich am 15. und 16. Dezember in Brüssel treffen, um die Fanggrenzen für Fischbestände im Atlantik und den angrenzenden Gewässern im nächsten Jahr festzulegen. Derzeit sind mehr als 40 Prozent der untersuchten Bestände in diesen Gewässern überfischt.

In den letzten Monaten haben die Fischereiminister Fangmöglichkeiten für die Ost- und Tiefsee festgesetzt, die die wissenschaftlichen Empfehlungen ignorierten und so die Überfischung unnötig verlängern.

Die GFP gibt jedoch vor, die Überfischung bis 2015 zu beenden, und diese Frist nur dann zu verschieben, wenn Belege dafür vorliegen, dass die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betroffenen Fischereiflotten massiv durch die 2015 Frist gefährdet wäre. Zudem muss dargelegt werden, wie die fischereiliche Sterblichkeit schrittweise und so schnell wie möglich, spätestens jedoch bis 2020 auf ein nachhaltiges Niveau gesenkt werden kann.

http://www.fundacioent.cat/images/stories/ENT/pdf/20141125_joint_letter_de.pdf

Der Brief im Worlaut:

Berlin, 26. November 2014

An die für Fischerei zuständigen Minister und Ministerinnen der EU-Mitgliedsstaaten,
am 15. und 16. Dezember werden Sie Fanggrenzen für Fischbestände im Atlantik und in angrenzenden Gewässern festlegen. Ihre Entscheidung wird auf der Grundlage der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik getroffen. Diese gibt vor, die Überfischung aller Fischbestände soweit möglich bis 2015 und schrittweise für alle Bestände bis spätestens 2020 zu beenden.

Mehr als 40 Prozent aller untersuchten Bestände im Nordostatlantik und den angrenzenden Gewässer sind überfischt. Zudem hat sich in den vergangenen zwei Jahren die Differenz zwischen den festgelegten Fanggrenzen und den wissenschaftlich empfohlenen Fangmengen signifikant erhöht.

Vor diesem Hintergrund stellen wir mit Bedauern fest, dass es der Ministerrat in seinen jüngsten Entscheidungen versäumt hat, die Überfischung der Bestände in der Ost- und Tiefsee zu beenden, ohne deutlich zu machen, warum die gesetzlich festgelegte Frist nicht eingehalten werden konnte. Wir bitten Sie daher dringend, die für 2015 gesetzte Frist für alle Fischbestände einzuhalten. Jede Verzögerung, die Überfischung zu beenden, führt nur dazu, dass die Umwelt weiter überlastet und das sozioökonomische Gleichgewicht des Fischereisektors noch länger gestört wird. Weniger Fisch bedeutet am Ende weniger Fischerei.

Falls Sie ersuchen, die Frist zur Beendigung der Überfischung bis 2015 zu verlängern, müssen gemäß der Grundverordnung eindeutige Belege dafür vorliegen, dass die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betroffenen Fischereiflotten durch den Beschluss, massiv gefährdet wäre.

Zudem muss dargelegt werden, wie die fischereiliche Sterblichkeit schrittweise sobald wie möglich, spätestens jedoch bis 2020 auf ein nachhaltiges Niveau gesenkt werden kann. Nutzen Sie bitte die Möglichkeit, den Fortbestand gesunder Fischbestände und Meeresökosysteme zum Wohle heutiger und künftiger Generationen zu sichern. Eine große Anzahl von EU-Bürgern hat den Reformprozess der Gemeinsamen Fischereipolitik aktiv verfolgt und die Fischereiminister und Mitglieder des Europäischen Parlaments darin unterstützt, ambitionierte Ziele zur Beendigung der Überfischung zu vereinbaren. Diese Bürger erwarten nun mit Recht, dass sie diese Reform ohne Verzögerung umsetzen. Es ist an der Zeit, die Überfischung in der EU zum Wohle der Meeresumwelt, der Fischereiressourcen und der vom Fischfang abhängigen Regionen zu beenden.

Hochachtungsvoll,

1
Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame
Fischereipolitik, Art. 2.2, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32013R1380&from=EN.
2
Siehe Europäische Kommission, „Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat betreffend einer
Konsultation zu den Fangmöglichkeiten für 2015 im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik“ (COM [2014] 388 final),
http://www.ipex.eu/IPEXL-WEB/dossier/files/download/082dbcc54653729e0146d86489d74f83.do.
3
Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 Präambel 7.

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