EU-Fischereirat handelt wieder einmal jenseits der Wissenschaft

EU-Fischereirat handelt wieder einmal jenseits der Wissenschaft

EU-Fischereirat beschließt Fanggrenzen jenseits wissenschaftlicher Empfehlungen

NGOS rufen den neuen Fischereikommissar auf, die Beendigung der Überfischung voranzutreiben

Am 17. Dezember hat der Rat der Fischereiminister der Europäischen Union die Fanggrenzen für 2015 für Fischbestände im Nordostatlantik und angrenzenden Gewässern festgesetzt.

Die für die Fischerei zuständigen Minister der 28 Mitgliedsstaaten trafen sich diese Woche, um über die zulässigen Gesamtfangmengen für das kommende Jahr für EU-Fischereifangflotten zu entscheiden. In einer Vielzahl von Fällen hat der Rat Fanggrenzen festgesetzt, die oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen liegen und im Widerspruch zur Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) stehen.

In den vergangenen zwei Jahren haben die Minister signifikante Anhebungen von Fanggrenzen beschlossen, oft oberhalb der wissenschaftlich empfohlenen Mengen. Gleichzeitig haben sie eine GFP-Reform verabschiedet, die eindeutige Ziele für eine Beendigung der Überfischung festlegt.

„Fischbestände und Fischer sind gefährdet, wenn die Minister die vereinbarten Richtlinien ignorieren und die Überfischung weiterhin zulassen“, warnt Uta Bellion, Direktorin des Europäischen Meeresprogramms der Pew Charitable Trusts. „Zwar sieht die GFP einen Aufschub der Frist über 2015 hinaus vor, dies allerdings nur dort, wo ihre Einhaltung die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betreffenden Fangflotten ernsthaft gefährden würde. Bisher wurden der Öffentlichkeit sehr wenige Belege hierfür vorgelegt.“

„Pew fordert Karmenu Vella, den neuen EU-Kommissar für Umwelt, Fischerei und maritime Angelegenheiten, auf, als Hüter der reformierten GFP sein Bestmögliches zu tun, damit die Überfischung innerhalb der vereinbarten Fristen beendet wird,“ so Bellion weiter.

Im Oktober hatte die Europäische Kommission Fanggrenzen vorgeschlagen die größtenteils den vorliegenden wissenschaftlichen Empfehlungen und der reformierten GFP entsprachen. Wo dies nicht der Fall war, hätten die Minister die Möglichkeit gehabt, eine Führungsrolle zu übernehmen und Vorsorge walten zu lassen durch Festlegung niedrigerer Fanggrenzen. Stattdessen sind sie einem nunmehr 30 Jahre alten Verhaltensmuster gefolgt, eine noch stärkere Überfischung gesetzlich zu vereinbaren.
In diesem Jahr haben die Minister bereits zweimal eine Fortsetzung der Überfischung beschlossen. Im Oktober wurden fünf von zehn Fanggrenzen für die Ostsee oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen festgesetzt. Im November beschlossen die Minister Fanggrenzen für Tiefseebestände, welche die in den wissenschaftlichen empfohlenen Fanggrenzen in 14 von 18 Fällen überstiegen.

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1. Die Anfang 2014 in Kraft getretene reformierte GFP fordert, wo immer möglich die Überfischung im Jahr 2015, schrittweise jedoch spätestens bis 2020 zu beenden. [http://ec.europa.eu/fisheries/reform/index_de.htm]

2. Mehr als 40 Prozent der untersuchten Bestände im Nordostatlantik und den angrenzenden Gewässern sind überfischt. [http://ec.europa.eu/dgs/maritimeaffairs_fisheries/consultations/fishing-opportunities-2015/doc/com-2014-388_de.pdf]

3. Studien belegen den potenziellen Nutzen, die Überfischung zu beenden. Laut einer Analyse der New Economics Foundation (NEF) könnten durch eine Erholung der europäischen Fischbestände pro Jahr auf dem gesamten Kontinent zusätzliche Einnahmen in Höhe von EUR 3,2 Milliarden erzielt und bis zu 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. [http://www.neweconomics.org/publications/entry/jobs-lost-at-sea]

http://advocacy.pewenvironment.org/ea-action/action?ea.tracking.id=Web&ea.campaign.id=29326&ea.client.id=1793

2 Gedanken zu „EU-Fischereirat handelt wieder einmal jenseits der Wissenschaft

  1. EU fisheries ministers fail to end overfishing
    Press release – December 16, 2014

    Brussels – Commenting on the outcome of the fisheries Council today, Greenpeace EU fisheries policy director Saskia Richartz said: “It is unacceptable that many of the fishing quotas agreed today fail to end overfishing. Ministers gave no justification for postponing action to recover fish stocks, despite new laws requiring that any delay is justified with appropriate evidence.”

    Fishing Quota Protest in Brussels © Greenpeace

    Only last year, ministers committed to put an end to overfishing by the end of 2014 under the newly reformed Common Fisheries Policy (CFP), but today they failed to respect the new rules. While some fishing quotas were reduced in line with scientific advice (herring and horse mackerel), ministers have maintained existing fishing quotas or accepted weaker cuts than scientists recommended for crucial stocks, including cod in most areas and sole in the Eastern Channel and Irish Sea.

    Saskia Richartz added: “Ministers are mistaken if they think they can enforce new European fisheries laws from behind their desks. Many of Europe’s industrial fishing vessels have an appalling track record and must be monitored closely. Many catch far more fish than they can sell, killing and discarding unwanted catches at sea. Our governments must change course and come out in favour of low-impact fishing, and stop supporting destructive monster boats.”

    Hundreds of thousands of people, including fishermen, fishmongers and ocean lovers, want to see an end to overfishing. In recent weeks, over 300,000 individuals signed a Greenpeace petition, adding their voice to many more people around the world who want to stop overfishing and who oppose the environmental havoc caused by destructive fishing practices.

    Contacts:

    Saskia Richartz, Greenpeace EU fisheries policy director: +32 (0)495 290028, saskia.richartz@greenpeace.org
    Luisa Colasimone, Greenpeace EU communication manager: +32 (0)476 988584, luisa.colasimone@greenpeace.org

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  2. http://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2014/334-SC-EU-Agrarrat-Fangquoten.html

    Erfolgreiche Verhandlungen in Brüssel – Schmidt: „Mit den Beschlüssen können die deutschen Fischer optimistisch ins nächste Jahr blicken.“

    Die europäischen Fischereiminister haben sich auf die Fangquoten für das kommende Jahr verständigt. Nach Abschluss der Verhandlungen am gestrigen Abend in Brüssel lobt der für die Fischerei zuständige Bundesminister Christian Schmidt die Ergebnisse als wichtigen Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit.

    „Mit den Beschlüssen über die Fangquoten für 2015 haben wir die Weichen dafür gestellt, dass wir spätestens bis 2020 für alle Bestände das Nachhaltigkeitsziel erreichen. Wir haben uns erneut mit unserer Auffassung durchsetzen können, dass wir an dem Kurs einer nachhaltigen Fischerei konsequent festhalten müssen, ohne dabei die Belastungen der Fischer aus dem Blick zu verlieren. Nur mit einer verantwortungsvollen Fischereipolitik können wir den Fischern auch dauerhaft eine wirtschaftliche Grundlage sichern.“ Bereits heute werden 60 Prozent der Fischbestände im Nordostatlantik nachhaltig bewirtschaftet. Dieser Anteil wird sich schon in den nächsten beiden Jahren durch die grundlegende Reform der EU-Fischereipolitik deutlich erhöhen.

    Die Fangmengen für 2015 wurden auf Basis der wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) festgelegt. Die am Kriterium der Nachhaltigkeit ausgerichteten Fangquoten haben dazu geführt, dass sich die für die deutsche Fischerei wichtigen Bestände von Hering, Makrele und Scholle auf einem historisch hohen Niveau befinden. Auch der Nordseekabeljau erholt sich inzwischen, allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Stand. Um dieses Niveau auch in den nächsten Jahren halten zu können, wurden leichte Kürzungen der Quoten beim Hering (minus 5 Prozent) und bei der Makrele (minus 15 Prozent) vereinbart, bei der Scholle wurden die zulässigen Fangmengen um 15 Prozent angehoben.

    Beim Seelachs wurden Kürzungen um 15 Prozent vorgenommen, um dem seit 2006 rückläufigen Trend beim Seelachs-Nachwuchs Rechnung zu tragen. Der sogenannte Fangaufwand wurde im Rahmen des Wiederauffüllungsplans für Kabeljau nach drastischen Kürzungen in der Vergangenheit auf Vorjahresniveau fortgeschrieben. Er gibt an, an wie vielen Tagen die Fangschiffe unter Berücksichtigung ihrer Motorleistung fischen dürfen.

    „Mit den aktuellen Beschlüssen zu den Fangquoten können die deutschen Fischer insgesamt optimistisch ins nächste Jahr blicken. Vor allem gibt es durch den frühzeitigen Abschluss der Norwegen-Verhandlungen Planungssicherheit für die kommende Fangsaison“, betonte der Minister und fügte hinzu: „Trotz anders lautender Meldungen können Verbraucherinnen und Verbraucher guten Gewissens Fisch aus dem Nordostatlantik genießen. Die Bestände werden dadurch nicht gefährdet.“

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