"So unbekannt wie die Mond-Rückseite" – Meeresschützer warnen vor Folgen des Tiefseebergbaus

„So unbekannt wie die Mond-Rückseite“ – Meeresschützer warnen vor Folgen des Tiefseebergbaus – (epd-Gespräch)
epd-Gespräch: Dieter Sell

Bremerhaven, Hamburg (epd). Meeresschützer haben am Wochenende auf der Jahrestagung des deutschen Pazifiknetzwerkes im Klimahaus Bremerhaven vor den Gefahren des Tiefseebergbaus gewarnt. Mögliche Auswirkungen seien noch gar nicht umfassend erforscht, sagte Onno Groß von der Hamburger Meeresschutzorganisation „Deepwave“ am Rande der Tagung dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Tiefseebiologe beteiligte sich als Experte an dem Treffen, das am Sonntag gegen Mittag zu Ende gehen sollte.

Mineralische Rohstoffe aus der Tiefsee gewännen aufgrund der starken Nachfrage und des Anstiegs der Metallpreise an Bedeutung, erläuterte Groß. Besonders wichtig seien Manganknollen, kobaltreiche Eisen- und Mangankrusten sowie Massivsulfide, Erzschlämme und Seltene Erden. Doch so lange nicht genügend Daten zur Abschätzung der Risiken vorlägen, sollten keine Schürflizensen vergeben werden, mahnte Groß. „Zuvor sollte die Wiederverwertung von Metallen wie Kupfer intensiviert werden – dann wäre ein solcher Schritt in die Tiefe gar nicht nötig.“

Die Technik und die Erkundung der Vorkommen seien so weit entwickelt, dass nun der Abbau bevorstehe. Doch die Lebensformen in der Tiefsee und die Folgen des Bergbaus in diesem Bereich seien „in etwa so unbekannt wie die Mond-Rückseite – die Forschung weiß noch viel zu wenig“. Ein kleiner Eingriff des Menschen könne Tierarten zum Aussterben verurteilen, die noch nicht einmal entdeckt worden seien.

Das treffe auch auf Unterwasser-Geysire zu, sogenannte „Schwarze Raucher“, in deren Umfeld besonders viele Metallsulfide lagerten. Sie seien aber gleichzeitig „Hotspots der Artenvielfalt“, die der Tiefseebergbau bedrohe. Zu den Gefahren zählten die Verwüstungen der Abbau-Geräte, aber auch aufgewirbelte Sedimente und Abraum-Wolken im Wasser, die Organismen zudeckten und abtöteten – „sogar weit entfernt vom Abbaugebiet, weil sie mit der Strömung weitergetragen werden“.

Die Internationale Meeresboden-Behörde mit Sitz in Kingston/Jamaika hat Groß zufolge weltweit bisher 26 Lizenzen zur Exploration und zwei weitere für den Abbau Tausende Meter unter dem Meeresspiegel vergeben. So wolle die kanadische Bergbaufirma Nautilus Minerals noch in diesem Jahr vor Papua-Neuguinea in 1.600 Meter Tiefe Kupfer und Gold schürfen, obwohl die Folgen noch gar nicht klar seien. Dabei könnten ganze Lebensgemeinschaften in der See vernichtet werden.

Auch Deutschland beteilige sich am Tiefseebergbau und halte zwei Explorationslizensen für Manganknollen im Pazifik westlich von Peru und ein Gebiet mit Massivsulfiden im Indischen Ozean östlich von Madagaskar. Doch auch da müsse noch umfassend geforscht werden, um die Folgen des Abbaus einschätzen zu können. So sei das neue deutsche Forschungsschiff „Sonne“ jetzt im Frühjahr zu deutschen, belgischen und französischen Lizenzgebieten unterwegs.

# epd-Service
## Internet
Meeresschutzorganisation „Deepwave“: http://www.deepwave-blog.de
Internationale Meeresboden-Behörde mit Sitz in Kingston/Jamaika: http://www.isa.org.jm
Informationen von Nautilus Minerals zum „Solwara 1 Project“ vor Papua-Neuguinea: http://u.epd.de/a8r
http://www.pazifik-infostelle.org

## Orte
Jahrestagung des deutschen Pazifiknetzwerks im Klimahaus Bremerhaven, Am Längengrad 8, 27568 Bremerhaven

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