Internationalen Tag gegen Lärm: Meere zunehmend bedroht

Lärm im Unterwasserparadies Malediven: OceanCare warnt vor bedrohlichen Folgen

Genf/Wädenswil, 29. April 2015 – Den Internationalen Tag gegen Lärm vom 29. April nimmt OceanCare zum Anlass, Vertretern der maledivischen Regierung über 10 000 Protestunterschriften gegen die Offshore-Suche nach Ölressourcen zu überreichen. Im Autrag der Regierung will die staatliche Ölfirma Maldives National Oil Company (MNOC) vor den heimischen Korallenriffen die Suche nach Rohöl verstärken und mit Druckluftkanonen weitere seismische Tests durchführen. Die Meeresschutzorganisation OceanCare kritisiert aus Sicht des Umwelt-, Tier- und Artenschutzes das höchst bedenkliche Vorhaben und warnt vor weitreichenden, unumkehrbaren Folgen von Unterwasserlärm für das marine Ökosystem. Eine Kritik, die aufgrund der aktuellen politischen Lage auf den Malediven an Brisanz und Dringlichkeit gewinnt.

„Die maledivische Regierung hält an ihren Ölexplorationsplänen fest. Mit der Übergabe von über 10 000 Protestunterschriften machen wir deutlich, dass der Druck der Öffentlichkeit wächst. Wir fordern, dass die Regierung ihre Pläne überdenkt“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. Sie besucht heute die Ständige Vertretung der maledivischen Regierung an der UNO in Genf. Die international agierende Meeresschutzorganisation, die seit 2011 UN-Sonderberaterin für Meeresfragen ist, hat die Vertreter der maledivischen Regierung in Genf bereits drei Mal um ein Treffen gebeten – die Anfragen blieben unbeantwortet. So nahm OceanCare den Internationalen Tag gegen Lärm zum Anlass und ersuchte während der offiziellen Öffnungszeiten um 10 Uhr bei der Mission der Malediven an der UNO persönlich um Gehör. Wiederum wurde das Gespräch verweigert, worauf OceanCare die Protestunterschriften dem Sekretariat übergab, welches versprach, die Unterschriften an die verantwortliche Person weiterzureichen.

„Internationaler Druck ist in Anbetracht der aktuellen politischen Lage auf den Malediven besonders wichtig. Wir müssen Präsident Abdulla Yameens Regierung auffordern, zur Vernunft zu kommen und die Schallkanonen zu stoppen, bevor es zu spät ist“, sagt Lüber. „Den Umweltschutzorganisationen vor Ort scheinen die Hände gebunden zu sein“, interpretiert die Präsidentin von OceanCare. Auf Anfrage von OceanCare konstatieren lokale NGOs: „Wir haben keine Neuigkeiten, was die Ölexplorationspläne der Regierung angeht. Das Land ist aufgrund der Verhaftung von Ex-Präsident Nasheed zu einem kompletten Stillstand gekommen“.

Lärmattacke im Urlaubsparadies
Anlass des internationalen Protests sind die Bestrebungen von Präsident Yameen, fossile Brennstoffe vor dem Inselstaat zu fördern. Dies in einem fragilen Ökosystem von unschätzbarem ökologischem Wert. Vor den Gewässern der Malediven hat das deutsche Forschungsschiff „Sonne“ im August 2014 bereits seismische 3D-Voruntersuchungen gemacht und ist 100 Seemeilen östlich der Region von Laamu und des Thaa-Atolls auf Gestein gestossen, das Kohlenwasserstoffe enthält. Weitere seismische Tests und Probebohrungen sollen folgen.

Vor rund einer Woche fragte ein lokaler Journalist den Präsidenten, was er von der internationalen Protestunterschriftensammlung halte. Yameens Sprecher antwortete, der Präsident begrüsse zwar konstruktive Kritik, würde die Ölexplorationspläne aber wie geplant fortsetzen, da die Erschliessung von Ölressourcen ein Wahlversprechen der Regierungspartei gewesen sei.

Lüber will die Vertreter der maledivischen Regierung auf die nicht beachtete Gefahr des Unterwasserlärms hinweisen. Ausserdem will sie deutlich machen, dass die Erschliessung sensibler Gebiete, wie jener vor den Atollen nicht nur für die Umwelt, sondern auch wichtige Wirtschaftssektoren, wie Tourismus und Fischerei äusserst gefährlich ist. Das Vorhaben kann massive Konsequenzen für die maledivische Bevölkerung haben.

Run auf Öl in Schutzzonen und Tourismus-Hotspots
Ungeachtet der Deepwater-Horizon-Katastrophe im Golf von Mexiko von 2010 und zahlreicher weiterer Vorfälle, die eine Hilflosigkeit der Ölindustrie im Ernstfall demonstriert haben, führt die Suche nach dem schwarzen Gold in immer tiefere Gewässer, in Schutzzonen und Tourismus-Hotspots, darunter die Adria, die Gewässer der Balearen sowie die Malediven, die nahezu ausschliesslich vom Tourismus leben.

Bürgerproteste und Kampagne Silent Oceans zeigen Wirkung
Die zwei jüngsten Ereignisse in Spanien geben den Meeresschützern jedoch Grund zur Hoffnung. Bürgerproteste und die klare Ablehnung der Ölerschliessung in den Gewässern der Kanarischen Inseln führten dazu, dass sich der spanische Ölkonzern Repsol aus der Region zurückzog. Im Herbst 2014 erteilte das spanische Umweltministerium dem Ansuchen eines Ölkonzerns, südlich von Malaga nach Öl zu suchen, eine Absage mit der Begründung, es handle sich um ein wichtiges Gebiet unter anderem für gefährdete Schnabelwale.

Auch in den Gewässern vor den Balearen hat das Engagement der Öffentlichkeit Wirkung gezeigt. Ergänzend zum Widerstand der lokalen Bevölkerung, bewegte OceanCare mit den Koalitionspartnern von „Silent Oceans“ und der Alianza Mar Blava die spanische Regierung dazu, Ölkonzernen die Erlaubnis zur Ölsuche vorerst nicht zu genehmigen.

„Die Suche nach Öl ist zum Testfall für die Glaubwürdigkeit internationaler Artenschutzbestimmungen und der Bürgerpartizipation geworden“, sagt Lüber. „Es bleibt zu hoffen, dass Bürgerproteste zunehmen und auch in einem Land wie den Malediven ernst genommen werden, in dem der ehemalige Präsident und international geschätzte und respektierte Umwelt- und Menschenrechtsschützer Mohamed Nasheed unter Berufung auf das Anti-Terror-Gesetz zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, wobei ihm bis zum heutigen Tag rechtlicher Beistand verwehrt wird“, so die Präsidentin von OceanCare abschliessend.

Weiterführende Links und Informationen

Informationen zur Kampagne Silent Oceans: http://www.silentoceans.org
Video „Unterwasserlärm – Die übersehene Katastrophe“ (ca. 3.45 Min.): https://vimeo.com/oceancare/unterwasserlaerm
Link zum Blog von Sigrid Lüber, Präsidentin OceanCare: http://blog.oceancare.org/2015/04/29/laerm-um-eines-der-letzten-urlaubsparadiese.html
Link zum Kampagnenvideo: https://vimeo.com/oceancare/malediven
Link zur Broschüre „Im Lärm ertrinken“: https://assets.oceancare.org/downloads/13_drowninginsound_germanpressready.pdf

Bilder und Grafiken (Anhang)

Grafik Ölsuche
Bild Übergabeplakat
Foto Übergabe Unterschriften durch Sigrid Lüber
Protestbild Malediven mit Schildkröte
Bild zur Malediven Kampagne mit Fischen
Drei Fotovirals mit Forderungen

Medienkontakt
Sigrid Lüber, Präsidentin OceanCare, Wädenswil. T: (+41) 44 780 66 88, M: (+41) 79 475 26 87, slueber@oceancare.org (erreichbar in Genf am 29. April 2015 bis ca. 14.30 Uhr)

29. April: Internationaler Tag gegen Lärm
Der diesjährige Internationale Tag gegen Lärm steht im Zeichen des Respekts und der Toleranz. So sollen Nachtschwärmer das Ruhebedürfnis der Anwohner respektieren und die Daheimgebliebenen dem Partyvolk gegenüber toleranter sein. Anders als wir, können Meerestiere dem menschengemachten Lärm nicht ausweichen. Eine Woche nach dem Jahrestag der Deepwater-Horizon-Katastrophe ist der Tag gegen Lärm auch Anlass, die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen von Lärm auf Meeresbewohner zu richten und ihren Lebensraum zu respektieren.

Unterwasserlärm durch Erdölsuche: Tödliche Gefahr für Meerestiere
Intensiver Explosionsschall zählt zu den gefährlichsten Lärmquellen in den Weltmeeren. Bei der Suche nach Ölvorkommen unter dem Meeresgrund wird der Meeresboden wochen- oder monatelang alle 10 bis 15 Sekunden mit bis zu 260 dB beschallt. Die Wissenschaft hat längst einen Zusammenhang festgestellt zwischen Lärm und atypischen Massenstrandungen von Meeressäugern, Änderungen im Verhalten und bei Wanderungen von Meeressäugern sowie bedenklichen Auswirkungen auf kommerzielle Fischbestände, Krustentieren und andere Meereslebewesen.

OceanCare
OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Seit Juli 2011 ist OceanCare von den Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt. http://www.oceancare.org

Silent Oceans
Unter dem Namen „Silent Oceans“ fordert ein von OceanCare initiierter Zusammenschluss 25 internationaler Organisationen unabhängige Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) und das Anwenden des Vorsichtsprinzips, eine weltweit verbindliche Obergrenze für Unterwasserlärm, eine global koordinierte Strategie zur Lärmreduktion, ein Verbot der Beschallung sensibler Meeresgebiete, lärmdämmende Verfahren an den Emissionsquellen, die Überwachung der Auswirkungen von Lärm in den Ozeanen und die Übernahme von Verantwortung von Lärmverursachern für die Auswirkungen ihres Handelns. http://www.silentoceans.org

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