Weltozeantag: Unser Verpackungswahn wird zur Bedrohung für die Meere

Ein Fluch für die Meere

Unser tagtäglicher Verpackungswahn wird zur Bedrohung für die Meere und ihre sensiblen Bewohner. Heute erinnert uns der Weltozeantag daran, dass dringend ein Umdenken nötig ist.

Gastbeitrag im Enorm-Magazin von Dr. Onno Groß, Vorsitzender von Deepwave

Unsere Meere sind zur Müllkippe geworden. Heute am 8. Juni, dem Welttag der Ozeane der Vereinten Nationen, ist es Zeit darauf dringend hinzuweisen. Etwa neun Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Ozeanen. Vermutlich ist es viel mehr, denn keiner kann die unzähligen Eintragswege wirklich überwachen. Ein Drittel des produzierten Plastiks gelangt heute in die Umwelt und wird weder recycelt noch anständig entsorgt. Und machen wir weiter so wie bisher, wird die Menschheit im Jahr 2050 dreimal mehr Plastik verbrauchen als heute. Dann wird 20 Prozent des kostbaren Erdöls für Verpackungen verschwendet, so das Ergebnis einer Hochrechnung des Weltwirtschaftsforums.

Wenn alles in Erdöl verpackt ist, hat dies nicht nur aus Klimagründen Folgen für die Erde: Gerade der ins Meer gelangte Müll verbleibt dort Jahrhunderte, da das Plastik im Meerwasser sich sehr schlecht abbaut. Schon heute ist es überall: In so genannten „Müllstrudeln“ im offenen Ozean, an den Küsten und Traumstränden, in der Tiefsee und sogar im Eis am Nordpol. Und es findet sich in allen Seevögeln, bei 50 Prozent aller Meeresschildkröten, in Speisefischen und 600 weiteren Tierarten. In den kürzlich gestrandeten Pottwalen entdeckten die Forscher im Magen Fischernetze, Autoteile, Folien und Kaffeekapseln aus Plastik. Etwa 19000 Plastikteile schwimmen im Durchschnitt pro Quadratkilometer an der Meeresoberfläche. Die Todesrate für Tiere geht in die Hunderttausende.

Durch Wellenschlag und UV-Sonnenlicht vervielfacht sich das Problem: aus einem schwimmenden Stück Plastik werden tausende kleinere Mikroteile. Jedes davon reichert Schadstoffe an und bringt diese in die Nahrungsnetze, wenn Plankton und Fischlarven sie aufnehmen. Es ist eine tickende Zeitbombe für die Gesundheit von Tieren und Menschen.

Was Meeresforscher und Bürger schon seit langem auf die Barrikaden bringt, ist endlich auch in der internationalen Politik angekommen. Heute findet sich kein Meeresschutzprogramm mehr ohne entsprechende Appelle. Das Bundesforschungsministerium setzt gerade Geld frei für neues Wissen, das Umweltministerium setzt auf die Umsetzung der EU-Meeresrahmenrichtlinie. An den Küsten erfolgen Strandsäuberungen und Touristenhotels verzichten öfter auf den Plastikwahn beim Frühstück. Auch der Unsinn von Plastikkügelchen in Kosmetikprodukten ist in den USA bald verboten – wann hier? – und aus dem Meer abgefischtes Material werden neue blaue Strümpfe oder hippe Schuhe hergestellt. Übereifrige Techniker überlegen sich große Sammelgeräte für den schwimmenden Müll auch wenn das meiste Plastik auf den Meeresboden sinkt.

Wir sollten nicht darauf hoffen, dass jemand anderes für uns mitdenkt oder nach uns aufräumt. Die Verantwortung der Plastikproduzenten ist gleich Null und die Politik zögert noch, die Wirtschaft in die notwendigen Kreislaufstandards zu weisen. So bleibt der Konsument der Entscheider. Denn er kann ja Einwegplastik durch Produkte ohne Kunststoff ersetzen. Und er sollte Druck machen, damit alle sich am Schutz der Meere mehr beteiligen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s