Plastik: Gefährliches Fressen im Ozean. Im ARTE-TV und im Web.

Fotos: © mobydok / atelier hurra
Fotos: © mobydok / atelier hurra

Mit ARTE können Sie das Meer entdecken! Unter dem Motto #MeereUndOzeane – Entdecken. Nutzen. Schützen laden wir Sie zu einem Web-Projekt ein: Fragen und Probleme, aber auch viel Wissenswertes zu unseren Sieben Weltmeeren stehen dabei im Fokus. In Kooperation mit dem Wissenschaftsjahr 2016*17 informieren wir auf ARTE Future über unsere Weltmeere.

Alle aktuellen Programme finden Sie hier: http://future.arte.tv/de/meer-entdecken

Ab 17. September steht das Thema „MIKROPLASTIK“ im Mittelpunkt: Jedes Jahr landen über 10 Mio Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Wie reagieren die Meeresbewohner auf die künstlichen Stoffe? Welche toxischen Effekte haben sie am Ende auf den Menschen? Immerhin finden sich schon heute in fast 60% aller Heringsmägen Plastikpartikel! Und wer 500 Gramm Garnelen im Jahr isst, verzehrt laut Meeresbiologen 175 Mikroplastik-Teilchen!

Im Film „Mikroplastik im Meer“ und in der Scroll-Doku „Plastik. Gefährliches Fressen im Ozean“ entdecken Sie, wie tief die Plastikpartikel bereits in das Nahrungsnetzwerk unserer Ozeane eingedrungen sind:

„Mikroplastik im Meer“
Dokumentarfilm von Vincent Perazio
Im TV: am 17. September um 21.45 Uhr auf ARTE
In der ARTE-Mediathek: ab 17.09. bis 24.09.2016

„Plastik. Gefährliches Fressen im Ozean“
Scroll-Doku, Produktion von  ARTE / MOBYDOK
Ab sofort hier abrufbar: Plastik. Gefährliches Fressen im Ozean

Hamburg Elbe Beach Clean Up 17.9.2016

Elbstrand Clean Up
Hamburg Beach Clean Up 2016

Am 17.9.2016 ist der diesjährige internationale Coastal Clean Up Day. Als deutscher Partner will DEEPWAVE sich auch diesmal wieder beteiligen und einen Teil des Elbestrands reinigen. Seien Sie auch dabei und sammeln Sie mit uns!

Flaschen, Dosen, Kippen, Tüten, Grillreste – viele Besucher lassen ihren Müll am Strand zurück. Von dort ist der Weg ins Meer dann nicht mehr weit. Laut einer Studie des Umweltprogramms der UN befinden sich heute bis zu 18.000 Plastikteile auf einem Quadratkilometer Meeresfläche. Das birgt Verletzungsgefahren für Mensch und Tier und bedroht die Ökosysteme der Meere.

Treffpunkt wird wie im vorherigen Jahr der Övelgönner Museumshafen sein (Gut zu erreichen mit dem Bus 112 von Altona oder Fähren von Landungsbrücken sowie von Finkenwerder). Um 15 Uhr beginnen wir hier und arbeiten uns weiter vor zur „Strandperle“ und evtl. weiter bis Teufelsbrück.

Nehmen Sie am Coastal Clean Up Day teil, helfen Sie uns den Elbstrand von Plastik und anderem Müll zu befreien, damit ein Zeichen zu setzen und auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen.

Mehr Informationen über die Problematik von Plastikmüll in den Meeren und was DEEPWAVE dem entgegensetzen will haben wir  für Sie bereitgestellt:

Kurz:

Elbe Beach Clean Up, Samstag, 17. September 15:00 – 18:00

Start Museumshafen Oevelgönne, Neumühlen, 22763 Hamburg


Mehr Schutz für die Meere – wir tun was dafür! Unterstützen Sie die Arbeit von Deepwave e.V., bitte auch finanziell! Spendenkonto: Deepwave e.V., Konto: 1208 116 713, HASPA, BLZ: 20050550. Als gemeinnütziger Verein sind Spenden an DEEPWAVE e.V. voll steuerlich abzugsfähig und Sie erhalten von uns eine Spendenbescheinigung.

 

Schadstoffbelastung durch Mikroplastik im Sediment höher als erwartet

Zu alarmierenden Ergebnissen kommt die Untersuchung von Mikroplastik im Sediment von Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee: Mikroplastik bindet deutlich mehr Schad- und Giftstoffe im Sediment als bisher vermutet. Die kleinen Plastikteilchen sind um das Drei- bis Vierfache stärker belastet als das ohnehin schon kontaminierte Sediment. Die größte Schadstoffbelastung wurde nahe der Kläranlage Lübeck gemessen. „Schadstoffbelastung durch Mikroplastik im Sediment höher als erwartet“ weiterlesen

Bakterien reisen per Mikroplastik als Anhalter durch Nord- und Ostsee

Wasserprobe aus der Nordsee mit verschiedenen Vibrionen-Spezies Foto: Alfred-Wegener-Institut / A. Wichels
Wasserprobe aus der Nordsee mit verschiedenen Vibrionen-Spezies
Foto: Alfred-Wegener-Institut / A. Wichels

Krankheitserregende Bakterien per Anhalter durch Nord- und Ostsee?

AWI-Forscher weisen erstmalig lebende, potentiell krankheitserregende Vibrionen auf Mikroplastikpartikeln nach

Mit steigender Wassertemperatur nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass in Nord- und Ostsee potentiell krankheitserregende Bakterien auftreten. AWI-Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass eine Gruppe dieser Bakterien, sogenannte Vibrionen, auch auf Mikroplastikpartikeln leben können. Sie wollen zukünftig die Rolle der Partikel für die Anreicherung und mögliche Verbreitung dieser Bakterien genauer untersuchen. „Bakterien reisen per Mikroplastik als Anhalter durch Nord- und Ostsee“ weiterlesen

Forschung, Bildung und Kommunikation gegen den Plastikmüll

Im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane geht das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) neue Wege, um Ursachen und Wirkung der Plastikvermüllung zu erforschen. Mit einem großangelegten Forschungsprogramm mit 28 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre soll erstmals das Problem des Plastikmülls in seiner Gesamtheit wissenschaftlich erfasst werden. „Forschung, Bildung und Kommunikation gegen den Plastikmüll“ weiterlesen

Weltozeantag: Unser Verpackungswahn wird zur Bedrohung für die Meere

Ein Fluch für die Meere

Unser tagtäglicher Verpackungswahn wird zur Bedrohung für die Meere und ihre sensiblen Bewohner. Heute erinnert uns der Weltozeantag daran, dass dringend ein Umdenken nötig ist.

Gastbeitrag im Enorm-Magazin von Dr. Onno Groß, Vorsitzender von Deepwave

Unsere Meere sind zur Müllkippe geworden. Heute am 8. Juni, dem Welttag der Ozeane der Vereinten Nationen, ist es Zeit darauf dringend hinzuweisen. Etwa neun Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Ozeanen. Vermutlich ist es viel mehr, denn keiner kann die unzähligen Eintragswege wirklich überwachen. Ein Drittel des produzierten Plastiks gelangt heute in die Umwelt und wird weder recycelt noch anständig entsorgt. Und machen wir weiter so wie bisher, wird die Menschheit im Jahr 2050 dreimal mehr Plastik verbrauchen als heute. Dann wird 20 Prozent des kostbaren Erdöls für Verpackungen verschwendet, so das Ergebnis einer Hochrechnung des Weltwirtschaftsforums.

Wenn alles in Erdöl verpackt ist, hat dies nicht nur aus Klimagründen Folgen für die Erde: Gerade der ins Meer gelangte Müll verbleibt dort Jahrhunderte, da das Plastik im Meerwasser sich sehr schlecht abbaut. Schon heute ist es überall: In so genannten „Müllstrudeln“ im offenen Ozean, an den Küsten und Traumstränden, in der Tiefsee und sogar im Eis am Nordpol. Und es findet sich in allen Seevögeln, bei 50 Prozent aller Meeresschildkröten, in Speisefischen und 600 weiteren Tierarten. In den kürzlich gestrandeten Pottwalen entdeckten die Forscher im Magen Fischernetze, Autoteile, Folien und Kaffeekapseln aus Plastik. Etwa 19000 Plastikteile schwimmen im Durchschnitt pro Quadratkilometer an der Meeresoberfläche. Die Todesrate für Tiere geht in die Hunderttausende.

Durch Wellenschlag und UV-Sonnenlicht vervielfacht sich das Problem: aus einem schwimmenden Stück Plastik werden tausende kleinere Mikroteile. Jedes davon reichert Schadstoffe an und bringt diese in die Nahrungsnetze, wenn Plankton und Fischlarven sie aufnehmen. Es ist eine tickende Zeitbombe für die Gesundheit von Tieren und Menschen.

Was Meeresforscher und Bürger schon seit langem auf die Barrikaden bringt, ist endlich auch in der internationalen Politik angekommen. Heute findet sich kein Meeresschutzprogramm mehr ohne entsprechende Appelle. Das Bundesforschungsministerium setzt gerade Geld frei für neues Wissen, das Umweltministerium setzt auf die Umsetzung der EU-Meeresrahmenrichtlinie. An den Küsten erfolgen Strandsäuberungen und Touristenhotels verzichten öfter auf den Plastikwahn beim Frühstück. Auch der Unsinn von Plastikkügelchen in Kosmetikprodukten ist in den USA bald verboten – wann hier? – und aus dem Meer abgefischtes Material werden neue blaue Strümpfe oder hippe Schuhe hergestellt. Übereifrige Techniker überlegen sich große Sammelgeräte für den schwimmenden Müll auch wenn das meiste Plastik auf den Meeresboden sinkt.

Wir sollten nicht darauf hoffen, dass jemand anderes für uns mitdenkt oder nach uns aufräumt. Die Verantwortung der Plastikproduzenten ist gleich Null und die Politik zögert noch, die Wirtschaft in die notwendigen Kreislaufstandards zu weisen. So bleibt der Konsument der Entscheider. Denn er kann ja Einwegplastik durch Produkte ohne Kunststoff ersetzen. Und er sollte Druck machen, damit alle sich am Schutz der Meere mehr beteiligen.

Plastiktüten: Erstmal Verzicht auf eine gesetzliche Regelung

BMBU: Vereinbarung zur Verringerung des Verbrauchs von Kunststofftragetaschen

Der Verbrauch an Plastiktüten soll in den kommenden zehn Jahren fast halbiert werden. Das ist das Ziel einer freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Die teilnehmenden Unternehmen sagen darin zu, Kunststofftragetaschen zukünftig nur noch gegen ein Entgelt abzugeben. Weitere Handelsverbände und Unternehmen haben bereits erklärt, sich an der Vereinbarung zu beteiligen.

Weitere Informationen:
Häufig gestellt Fragen und Antworten
http://www.bmub.bund.de/service/buergerforum/haeufige-fragen-faq/faq-detailansicht/?no_cache=1&tx_irfaq_pi1[cat]=24
Originaltext der Vereinbarung www.bmub.bund.de/N53021

Eine kritische Sichtweise dieser freiwilligen Vereinbarung hier von der DUH.

Das Fazit: für >40 % der Plastiktüten gibt es weiterhin keine verbindliche Regelung.

Mikroplastik in Wasserflöhen

Im Experiment mindern Mikroplastikteilchen die Mobilität von Wasserflöhen stark

Forscher untersuchen, welche Auswirkungen die zunehmende Verschmutzung mit Kunststoffen im Süßwasser haben kann

Das Wasser in Flüssen und Teichen wird nicht nur durch Chemikalien verschmutzt, sondern auch durch sogenanntes Mikroplastik, unter fünf Millimeter großen Kunststoffteilchen. Sie stammen unter anderem aus Kosmetikprodukten, wo sie für Peelingeffekte eingesetzt werden, oder werden zum Beispiel auch aus Synthetiktextilien ausgewaschen. Bisher wurden Menge und Effekte von Mikroplastik vor allem im Meer untersucht. Professorin Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen hat gemeinsam mit den Berliner Wissenschaftlern Saskia Rehse und Werner Kloas vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Experimenten geprüft, wie sich hohe Konzentrationen an genormten Plastikteilchen auf Wasserflöhe auswirken.

Es zeigte sich, dass die typischen Süßwasserbewohner winzige Teilchen von einem Mikrometer – einem Tausendstel Millimeter – aufnahmen, was ihre Bewegungen deutlich verminderte und dadurch die Nahrungsaufnahme verhindern würde. Größere Teilchen hatten keinen messbaren Effekt. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Chemosphere veröffentlicht. Die Forscherinnen und Forscher sehen dies als Beginn vieler weiterer notwendiger Untersuchungen zur Auswirkung von Mikroplastikverschmutzung im Süßwasser. Zum einen gehen sie davon aus, dass der Kunststoff mit verschiedenen Chemikalien Wechselwirkungen eingeht, zum anderen müssten die Tests auf ganze Ökosysteme ausgeweitet werden.

Bisher wurden vor allem Meere auf Mikroplastik untersucht; zu finden waren die Kunststoffteilchen praktisch überall: auf der Wasseroberfläche der Ozeane, in Flussmündungsgebieten, an Küsten und sogar in den Sedimenten der Tiefsee. Erst seit kurzem richten Forscher ihre Aufmerksamkeit nun auch auf Seen und Flüsse. „Messungen zufolge lassen sich in Europa, Süd- und Nordamerika, Afrika und Asien pro Quadratkilometer Wasseroberfläche bis zu mehreren Hunderttausend Mikroplastikteilchen finden“, sagt Christiane Zarfl. Besonders hoch seien die Werte bei hoher Besiedlungsdichte, intensiver Landnutzung und in der Nähe von Industriegebieten. In den Kläranlagen wird Mikroplastik bisher nicht herausgefiltert. „Je nach Art der Kunststoffe schwimmen die Teilchen im Wasser oder setzen sich als Sedimente am Boden ab“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Bisher gebe es wenig geeignete Analysemethoden, um die ganze Vielfalt zu erfassen. „Wir wollten mit unserer systematischen Untersuchung einen Grundstein legen, um Auswirkungen von Mikroplastik auf Süßwasserorganismen besser zu verstehen.“ In ihren Versuchen mit dem Großen Wasserfloh hatten die Forscher Plastikteilchen einheitlichen Materials, einheitlicher Größe und Form verwendet, um solide Ergebnisse zu den physikalischen Effekten zu erhalten. „Wir haben auch hohe Konzentrationen an Plastikteilchen getestet, um kritische Grenzen für Schäden bei den Wasserflöhen zu bestimmen. Dies ist erst einmal unabhängig davon, wie hoch die Belastung mit Mikroplastik in den Süßgewässern tatsächlich ist“, sagt Zarfl.

Kunststoffprodukte etwa aus Polyethylen oder Polystyren werden in der Regel für eine lange Haltbarkeit hergestellt und enthalten selbst häufig Farbstoffe und Lösungsmittel. Außerdem treffen die Mikroplastikteilchen in der Umwelt auf weitere Chemikalien. Ob und in welchem Umfang es zu Wechselwirkungen kommt, sei noch weitgehend unbekannt, sagt die Wissenschaftlerin. „Zu testen bleibt auch, ob und wie sich Mikroplastikteilchen in der Nahrungskette in Flüssen und Seen anreichern. Solche Untersuchungen sind bisher vor allem an Meerestieren gemacht worden, wo sich Kunststoffteilchen zum Beispiel auch in Robben und Walen fanden.“

Publikation:
Saskia Rehse, Werner Kloas, Christiane Zarfl: Short-term exposure with high concentrations of pristine microplastic particles leads to immobilisation of Daphnia magna. Chemosphere, 153, 91-99; DOI: 10.1016/j.chemosphere.2016.02.133.

https://idw-online.de/de/news649174

Pottwalstrandung: Große Mengen Plastikmüll in den Mägen gefunden

Um die tonnenschweren Pottwale zu untersuchen, war schweres Gerät erforderlich. Foto: Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung
Um die tonnenschweren Pottwale zu untersuchen, war schweres Gerät erforderlich. Foto: Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

Untersuchung der gestrandeten Pottwale

Große Mengen Plastikmüll in den Mägen gefunden

Bei der Untersuchung der in Schleswig-Holstein gestrandeten Pottwale sind große Mengen Müll entdeckt worden. Vier der 13 Wale hatten teils große Mengen Plastikmüll in ihren Mägen. Dies war zwar nicht der Grund für die Strandung und den Tod der Tiere, spiegelt aber die Situation auf dem offenen Meer wider. Tierärzte und Biologen vermuten, dass die besonders betroffenen Tiere große gesundheitliche Probleme durch die Reste des Mülls bekommen hätten. Das wurde bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse heute (23. März) im Multimar Wattforum in Tönning deutlich.

Zu den auffälligsten Müllteilen gehören Reste eines 13 Meter langen und 1,2 Meter breiten Schutznetzes, das in der Krabbenfischerei eingesetzt wird, eine 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und die scharfkantigen Reste eines Kunststoffeimers. „Diese Funde zeigen uns die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft: Tiere nehmen unbeabsichtigt Plastik und anderen Kunststoffmüll auf, leiden darunter, im schlimmsten Fall verhungern einige bei vollen Mägen. Das ist eine dringende Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen. Schleswig-Holstein wird seine Anstrengungen hierzu intensiv fortsetzen“, sagte Umweltminister Robert Habeck.

Die 13 Wale waren im Januar und Februar an Schleswig-Holsteins Nordseeküste gestrandet. Professor Ursula Siebert, Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztlichen Hochschule Hannover, hatte die Pottwale anschließend mit ihrem Team eingehend untersucht. Alle Tiere waren junge, noch nicht geschlechtsreife Bullen, 10 bis 15 Jahre alt und 12 bis 18 Tonnen schwer. Sie waren allesamt in einem guten Gesundheits- und Ernährungszustand. Das zur Orientierung wichtige Gehör der Tiere zeigte keine Anzeichen für ein schweres akustisches Trauma und der Befall in den verschiedenen Organen mit Parasiten war altersentsprechend normal.

Alle Tiere waren ins Flachwasser des Wattenmeeres geraten. Dort bei ablaufendem Wasser auf dem Grund liegend, drückte das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße, die Lunge und anderen Organe zusammen, so dass die Tiere an akutem Herz-Kreislauf-Versagen starben.

In ihren Mägen fand Dr. Uwe Piatkowski, Meeresbiologe vom Kieler GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, mit seinen Studenten insgesamt über 110.000 Tintenfischschnäbel, wie die unverdaulichen Ober- und Unterkiefer von Tintenfischen genannt werden. 95 Prozent stammen vom Nordischen Köderkalmar und vom Europäischen Flugkalmar. Diese Arten kommen vor allem in der Norwegischen See, der Barentssee und den Gewässern um Island vor, den Hauptüberwinterungsgebieten der Pottwalbullen. In einem Magen wurden die Schnäbel von 21.000 der bis zu 35 Zentimeter langen Köderkalmare gefunden, was einem Lebendgewicht von etwa 4,2 Tonnen entspricht.

Letzte Nahrungsaufnahme vermutlich in der Norwegischen See

Siebert und Piatkowski vermuten, dass die verendeten Wale in der Norwegischen See letztmals gefressen hatten. Die erste Gruppe mit drei Tieren hatte sich vermutlich nur kurz in der Nordsee aufgehalten, die zweite mit zehn Tieren wohl etwas länger. In einigen ihrer Mägen wurden Knochen und andere Überreste von Nordseefischen wie Seeteufel, Kabeljau, Wittling und Seehase gefunden.

Seit Beginn des Jahres waren an der Nordseeküste in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Dänemark und Deutschland 30 Pottwale lebend oder tot gestrandet. Zudem strandeten an der Nord- und Ostseeküste Dänemarks und Deutschlands Schwertwale, Finnwale und Zwergwale. Schweinswale und ein Blau-Weißer Delfin wurden im Februar lebend an den Küsten Schleswig-Holstein aufgefunden, konnten aber bis auf einen Schweinswal wieder in tiefe Gewässer gebracht werden.

Die Ursachen dieses gehäuften Vorkommens sind nach Aussagen der beiden Wissenschaftler unbekannt. Ungewöhnlich hohe Temperaturen und besonders starke Stürme, die in den vergangenen Wochen im nördlichen Nordost-Atlantik registriert wurden, könnten Wassermassen aus der Norwegischen See südwärts in die Nordsee gedrückt haben – und die Tintenfische mit ihnen. Möglicherweise sind die Pottwale ihrer Hauptnahrung gefolgt und gelangten so, ebenso wie andere Walarten, in die Nordsee. Eine plausible Erklärung, die allerdings nicht bewiesen ist, da derartige ökologische Zusammenhänge nur mit großem Aufwand nachzuweisen sind.

Siebert und Piatkowski machen allerdings deutlich, dass das Vorkommen von Pottwalen in der Nordsee keiner außergewöhnlichen Erklärungen bedarf. Alle wandernden Tierarten kommen gelegentlich außerhalb ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes vor. So erschließen sie sich immer wieder neue Lebensräume und können sich an neue Bedingungen anpassen. Pottwalstrandungen seien zudem kein neues Phänomen. Seit dem 16. Jahrhundert sind mehr als 200 Funde an der Nordseeküste dokumentiert, darunter 21 Tiere, die 1723 in der Elbmündung bei Neuwerk strandeten.

Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Pottwale werden dem Azorenbestand zugerechnet. Die Männchen dieser Population verbringen den Winter im Nordatlantik. Auf ihrer Wanderungen gelangen einzelne Tiere irrtümlich in die für sie zu flache und nahrungsarme Nordsee. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sie sich dort schlecht orientieren.

Sonderausstellung zu den gestrandeten Pottwalen im Multimar Wattforum

Die spektakulären Funde der Wale, ihre Bergung, Zerlegung und Untersuchung werden von heute an in einer Sonderausstellung im Multimar Wattforum präsentiert. Gerd Meurs, Leiter des Multimar und an der Bergung und Zerlegung der Tiere beteiligt, will das Thema zudem in einer Vortragsreihe aufbereiten. Ausgewiesene Walexperten werden einzelne Aspekte der Walstrandungen ab Mai detailliert vorstellen. Umweltminister Habeck wird am 11. August auf die literarische Seite der Beziehung zwischen Wal und Mensch eingehen.

Habeck: „Bergung der Wale war eine logistische Meisterleistung“

Im Januar waren drei Pottwale bei Helgoland und im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer bei Dithmarschen angetrieben. Da sie ein gefährliches Hindernis für die Schifffahrt bildeten, wurden sie von Schiffen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) geborgen. Am Holmer Siel auf Nordstrand waren die Tiere von Mitarbeitern des ITAW, der Nationalparkverwaltung des LKN.SH und weiteren Beteiligten untersucht und zerlegt worden.

 

Anfang Februar wurden acht Pottwale im Wattenmeer-Nationalpark beim Kaiser-Wilhelm Koog sowie zwei Tiere auf Sandbänken vor Büsum angespült. Sie waren in der Nähe des Meldorfer Hafens von denselben Walexperten untersucht und zerlegt worden.

„So viele Pottwale wie zu Jahresbeginn sind noch nie in Schleswig-Holstein angetrieben worden. Die Bergung war eine logistische Meisterleitung, allen Beteiligten gilt mein großer Dank“, sagte Minister Habeck.

Die Skelette von fünf Tieren gingen an die Universität Gießen und Rostock, das Meeresmuseums Stralsund, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie an den Naturschutzverein Öömrang Ferian auf Amrum und sollen dort ausgestellt werden.

Bergung, Zerlegung und Untersuchung der Wale haben etwa 250.000 Euro Kosten gegenüber Dritten verursacht. Die Kosten werden anteilig von Bund (70 Prozent) und Land getragen. Hinzu kommen beim LKN.SH rund 2.200 Stunden Arbeit, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet wurden sowie der Einsatz der LKN-Schiffe und anderer Geräte. Damit sind für den LKN rund 160.000 Euro interne Kosten entstanden.

Hintergrund zum Müll im Meer

In Schleswig-Holstein war das Thema „Müll im Meer“ in 2015 ein Schwerpunktthema der Landesregierung und wurde über eine intensive Aufklärungskampagne und Öffentlichkeitsarbeit begleitet. „Unsere gemeinsame „Fishing for Litter“-Initiative mit dem NABU, die Unterstützung von plastikfreien Modellregionen und Müllsammelaktionen tragen bereits dazu bei, auf das real existierende Problem aufmerksam zu machen und ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken. Nur lösen können wir das Problem damit noch lange nicht“ sagte Habeck. Das Kabinett hat daher gerade erst einem umfänglichen Maßnahmenkatalog zum Meeresschutz zugestimmt, bei dem auch an der Quelle des Mülls, bei der herstellenden Industrie, angesetzt werden soll. Die Umsetzung dieser Maßnahmen soll zukünftig auf Bundesebene durch einen Runden Tisch aus verschiedenen Interessensvertretern koordiniert werden. „Schleswig-Holstein wird sich für notwendige rechtliche Regelungen auf Bundes- oder EU-Ebene einsetzen, auch für ein Verbot von Mikroplastik“, sagte Habeck.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

http://www.tiho-hannover.de/aktuelles-presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2016/pressemitteilungen-2016/article/untersuchung-der-gestrandeten/

Aktionswelle für den Meeresschutz

Greenpeace-Gruppen machen Welle für den Meeresschutz / Umweltaktivisten organisieren in 62 Städten Aufräumaktion an Ufern

Plastikmüll treibt in riesigen Müllstrudeln durch die Meere und sammelt sich selbst an entlegenen Stellen wie Tiefseegräben oder der Arktis. Der meiste Plastikabfall gelangt aus China, Indonesien und weiteren asiatischen Ländern ins Meer. Doch auch Deutschland ist Teil des Problems: Deutsche verbrauchen mit Abstand das meiste Plastik in der EU – ein Viertel der Gesamtmenge. Laut offiziellen Angaben werden 57 Prozent des deutschen Plastikmülls verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert. „Zwischen unserem Plastikverbrauch und dem Plastikmüll klafft eine verdächtige Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr“, so Schöttner. „Wo landet dieses Plastik, wenn es nicht verbrannt oder recycelt wird? Bestimmt auch in der Umwelt, wo es zum Problem wird.“

Ozeane verkommen zum Plastikendlager

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Plastik macht mittlerweile über die Hälfte des Mülls an den Stränden der Nord- und Ostsee aus.

Der Wellengang und die UV-Strahlung zerkleinern den schwimmenden Plastikmüll in mikroskopisch kleine Teilchen – sogenanntes Mikroplastik. Doch auch in Kosmetika steckt Mikroplastik in Form von winzigen Perlen oder Granulaten. Zu klein, um aus unseren Abwässern gefiltert zu werden, gelangen diese über die Flüsse ins Meer. Dort sammeln sich an den Partikeln Umweltschadstoffe, teils in hoher Konzentration. Forscher haben längst Mikroplastik in Plankton, Muscheln und Garnelen nachgewiesen – auch in Nordseefischen wie Makrele, Hering oder Flunder. So landen giftige Plastikabfälle über die Nahrungskette unter Umständen wieder auf unserem Teller.

Verbraucher und Politik können ihren Teil beitragen, denn vielerlei Plastik lässt sich aus unserem Alltag verbannen: an erster Stelle Mikroplastik in Kosmetika, aber auch typisches Wegwerfplastik wie Einwegflaschen, To-Go-Kaffeebecher, Verpackungen oder Einwegtüten. Die Deutschen verwenden beispielsweise pro Jahr 76 Plastiktüten, nicht eingerechnet die dünnen Obst- und Gemüsebeutel. „Viel zu viele“, sagt Schöttner. „Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung gegen Einwegtüten – sowie ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie und Händler reichen nicht.“

www.greenpeace.de/wellemachen