Offenes Wasser um den Nordpol: Arktisches Meereis auf dem Rückzug

In diesem September ist die Fläche des Arktischen Meereises auf eine Größe von knapp 4,1 Millionen Quadratkilometern (Mio km2) abgeschmolzen. Dies ist die zweitkleinste Fläche seit Beginn der Satellitenmessungen. Weniger Meereis gab es nur im Negativ-Rekord-Jahr 2012 mit 3,4 Mio km2. „Dies ist erneut ein massiver Eisverlust in der Arktis“, so Prof. Lars Kaleschke von der Universität Hamburg. Prof. Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) bestätigt: „Der Trend setzt sich fort.“ Nordost- und Nordwestpassage sind jetzt gleichzeitig für Schiffe befahrbar. „Offenes Wasser um den Nordpol: Arktisches Meereis auf dem Rückzug“ weiterlesen

Aktuelle Meereis-Situation: Anhaltender Rückgang in der Arktis, neues Maximum in der Antarktis

Aktuelle Meereis-Situation: Anhaltender Rückgang in der Arktis, neues Maximum in der Antarktis

Die Meereisfläche in der Arktis ist in diesem Jahr auf ein Sommerminimum von etwa 5,0 Millionen Quadratkilometern zurückgegangen. Dieser Wert liegt rund 1,6 Millionen Quadratkilometer über dem Negativrekord aus dem Jahr 2012, bestätigt aber nach Einschätzung der Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) und Lars Kaleschke vom Hamburger Exzellenzcluster für Klimaforschung (CliSAP) den langfristigen Abwärtstrend in der Arktis. Die Winter-Eisdecke des Südpolarmeeres dagegen ist auf eine Fläche von 20,0 Millionen Quadratkilometern angewachsen, berichten die Wissenschaftler. Sie übertrifft damit das 30-Jahre-Maximum aus dem vergangenen Jahr. Marcel Nicolaus, Lars Kaleschke und andere führende Meereis-Experten stehen am kommenden Donnerstag, den 18. September 2014, während eines internationalen Meereis-Symposiums in Hamburg für Hintergrundgespräche und Interviews zur Verfügung.

„Das aktuelle Meereisminimum in der Arktis stellt eine Fortsetzung des langjährigen Abwärtstrends dar, denn mit einer Fläche von 5,0 Millionen Quadratkilometern liegt das Minimum 2014 in etwa gleichauf mit dem Minimum des vergangenen Jahres. Von einer Trendumkehr in der Meereisentwicklung der Arktis kann daher keine Rede sein – auch wenn die verbleibende Eisfläche in diesem Jahr die Werte aus den beiden Extremjahren 2007 und 2012 übertrifft“, sagt Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

In den Negativrekordjahren hatten Wetterphänomene zu einem besonders starken Rückgang der Meereisdecke geführt. „Im Jahr 2007 waren infolge einer stabilen Hochdrucklage im Frühsommer viele Schmelztümpel auf dem Eis entstanden. Sie hatten Sonnenenergie aufgenommen und das Schmelzen vorangetrieben. Im Sommer 2012 ist das Meereis vor allem an seiner Unterseite außergewöhnlich stark geschmolzen. Im August 2012 kam dann noch ein starker Sturm hinzu, der das Eis durcheinander wirbelte. Solche Wetterextreme sind im Sommer 2014 weitgehend ausgeblieben“, erklärt Lars Kaleschke vom Hamburger Exzellenzcluster für Klimaforschung CliSAP.

Große regionale Unterschiede

Außergewöhnlich deutlich zeigten sich in den zurückliegenden Sommerwochen allerdings die regionalen Unterschiede in der Eisentwicklung. Ein Beispiel: Während es dem deutschen Forschungseisbrecher Polarstern in der zweiten Augusthälfte nicht gelang, sich auf seinem Weg in das Gebiet des Unterseegebirges Alpha-Rücken durch das Packeis nördlich des kanadischen Archipels zu brechen, zog sich das Eis in der russischen Laptewsee weiter nach Norden zurück als jemals zuvor von Satelliten beobachtet worden war. „An den ersten Septembertagen befand sich die Eiskante in der Laptewsee nördlich von 85 Grad Nord. Das heißt, sie lag nur noch rund 500 Kilometer vom Nordpol entfernt. Im Jahr 2006 war in dieser Region die Distanz zwischen Nordpol und offenem Wasser noch mehr als doppelt so groߓ, sagt Lars Kaleschke.

Wachsende Meereisdecke in der Antarktis

Ausgesprochen große Meereisflächen gibt es derzeit in der Antarktis, wo die Meereisdecke in der Regel im September oder Oktober ihr jährliches Frühjahrsmaximum erreicht. „Das Eis bedeckt derzeit eine Meeresfläche von rund 20 Millionen Quadratkilometern und übertrifft damit das 30-Jahre-Maximum von 19,65 Millionen Quadratkilometern aus dem vergangenen Jahr. Diese Daten bekräftigen unsere Beobachtungen, wonach die Meereisbedeckung in der Antarktis in den letzten Jahren zugenommen hat. Das gilt besonders für das Weddellmeer, in dem ein Großteil unserer Forschung stattfindet“, sagt Marcel Nicolaus.

Nach Auffassung der Wissenschaftler lässt sich die Meereis-Situation in der Antarktis jedoch nicht mit den Bedingungen in der Arktis vergleichen, da sich die geographischen und meteorologischen Gegebenheiten unterscheiden. „Während der Arktische Ozean ein Mittelmeer darstellt, das von Landmassen umgeben ist, treffen wir in der Antarktis auf einen von Eis bedeckten Kontinent, der vom Südlichen Ozean umschlossen wird. Hier begrenzt der Antarktische Zirkumpolarstrom die maximale Meereis-Ausdehnung. Wind und Wellen beeinflussen maßgeblich die Lage der Eiskante – und die Menge an Niederschlägen und Gletscher-Schmelzwasser bestimmt den Süßwasseranteil, welcher mitentscheidet, wie viel Meereis sich im Winter bildet“, sagt Lars Kaleschke.

Als mögliche Erklärungen für die große Ausdehnung des antarktischen Meereises diskutiert die internationale Wissenschaftsgemeinde derzeit verschiedene Ursachen. So könnten veränderte Windströmungen und aufsteigendes Schmelzwasser die Flächenzunahme ausgelöst haben. (Mehr zu dieser Diskussion im Meereisportal unter:
http://bit.ly/1rtLX44 )

http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/current_sea_ice_situation_ongoing_retreat_in_the_arctic_record_area_in_the_antarctic/?cHash=2b76adf8b6b7bf00d9bf0e470349da09

Rekordrückgang der Eisschilde

Rekordrückgang der Eisschilde: Wissenschaftler kartieren erstmals die Höhenveränderungen der Gletscher auf Grönland und in der Antarktis

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), haben mit Hilfe des ESA-Satelliten CryoSat-2 erstmals flächendeckende Karten der Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis erstellt und dabei nachweisen können, dass die Eispanzer beider Regionen derzeit in einem Rekordtempo schrumpfen. Insgesamt verlieren die Eisschilde pro Jahr rund 500 Kubikkilometer Eis. Diese Menge entspricht einer Eisschicht, die rund 600 Meter dick ist und sich über das gesamte Stadtgebiet Hamburgs erstreckt. Die Karten und Ergebnisse dieser Studie erscheinen heute in The Cryosphere, dem frei zugänglichen Onlinemagazin der European Geoscience Union (EGU).

„Die neuen Karten sind Momentaufnahmen, die uns den aktuellen Zustand der Eisschilde zeigen. Ihre Höhenangaben sind bis auf wenige Meter genau und decken eine Eisfläche von insgesamt 16 Millionen Quadratkilometer ab. Das sind 500.000 Quadratkilometer mehr als in vorhergehenden Darstellungen, die auf Höhenmessungen basieren“, sagt Leitautor Dr. Veit Helm, Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Für die neuen digitalen Karten hatten die AWI-Wissenschaftler sämtliche Daten des CryoSat-2-Radar-Altimeters SIRAL ausgewertet. Altimeter messen die Höhe eines Eisschildes, in dem sie Radar- oder Laserimpulse Richtung Erde aussenden. Diese Signale werden von der Oberfläche des Gletschers oder von den umliegenden Wasserflächen reflektiert und anschließend wieder vom Satelliten erfasst. Den Wissenschaftlern ist es auf diese Weise gelungen, auch die Höhenverteilung einzelner Gletscher genau zu bestimmen und aussagekräftige Karten zu erstellen.

Zusätzlich zu den flächendeckenden Karten der Eisschilde dokumentierten die Forscher auf Basis weiterer CryoSat-2-Daten, wie sich die Dicke der Eisschilde im Zeitraum der Jahre 2011 bis 2014 verändert hat. Eisschilde wachsen, wenn Schnee auf ihre Oberfläche fällt, dort liegen bleibt und zu Eis wird. Sie verlieren Volumen und Masse, indem Eis schmilzt oder Gletscher die Eismassen Richtung Meer abtransportieren. „Wir müssen verstehen, wo und in welchem Ausmaß sich die Höhenverteilung der Gletscher verändert. Nur so können wir die Ursache dieser Veränderungen untersuchen und herausfinden, wie stark der Rückgang der Eisschilde zum Anstieg des globalen Meeresspiegels beiträgt“, sagt Veit Helm.

Für die Darstellung der Höhenveränderungen hatte das AWI-Wissenschaftlerteam über 200 Millionen SIRAL-Messpunkte für die Antarktis und rund 14,3 Millionen Messpunkte für Grönland ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass allein der grönländische Eispanzer pro Jahr rund 375 Kubikkilometer Eis einbüßt. „Wenn wir diese aktuellen Daten mit jenen des ICESat-Satelliten aus dem Jahr 2009 vergleichen, hat sich der Massenverlust des grönländischen Eisschildes seit jener Zeit verdoppelt. Die Verlustrate des Westantarktischen Eisschildes ist im gleichen Zeitraum um das Dreifache gestiegen. Rechnet man beides zusammen, nimmt das Volumen beider Eisschilde derzeit um 500 Kubikkilometern pro Jahr ab. Das ist die höchste Verlustrate seit Beginn der Satelliten-Höhenmessungen vor rund 20 Jahren“, sagt Prof. Dr. Angelika Humbert, Glaziologin am Alfred-Wegener-Institut und Co-Autorin der aktuellen Studie.

Die schnellsten Höhenveränderungen beobachten die Wissenschaftler am westgrönländischen Jakobshavn Isbræ-Gletscher sowie am Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis. Über den Jakobshavn Isbræ wissen Forscher seit Februar 2014, dass er mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 46 Metern am Tag ins Meer fliesst. Der Pine-Island-Gletscher machte u.a. im Juli 2013 Schlagzeilen. Damals berichteten AWI-Forscher, dass ein Tafeleisberg so groß wie die Fläche Hamburgs von seiner Schelfeisspitze abgebrochen war.

Aber: Während die Gletscher der Westantarktis und auf der Antarktischen Halbinsel schrumpfen, wächst der Eispanzer der Ostantarktis – allerdings in einem so geringen Maße, dass die Zuwächse die Verluste auf der anderen Seite des Kontinents nicht ausgleichen können.

Studie: Veit Helm / Angelika Humbert/ Heinrich Miller: Elevation and elevation change of Greenland and Antarctica derived from CryoSat-2, The Cryosphere

http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/record_decline_of_ice_sheets_for_the_first_time_scientists_map_elevation_changes_of_greenlandic_and/?cHash=5d6e3e15d60514ebeea080218982ed6a

Support an International Arctic Fisheries Agreement

Support an International Arctic Fisheries Agreement

Please join scientists across the globe in signing a letter urging Arctic governments to develop an international agreement to address fisheries in the central Arctic Ocean, based on sound scientific and precautionary principles.

An Open Letter from International Scientists

The Arctic Ocean is encircled by five coastal states, but there is a significant portion of the central Arctic Ocean that lies outside the Exclusive Economic Zones (EEZs) of the Arctic rim nations. These international waters are not at present governed by any specific international fisheries agreements or regulations. Until recently, the region has been covered with sea ice throughout the year, creating a physical barrier to fisheries.

In recent summers, however, the loss of permanent sea ice has left open water in as much as 40% of these international waters. This region is no more remote from major fishing ports and fishing fleets than many areas of the world to which pelagic fleets travel already. A commercial fishery in the central Arctic Ocean is now possible and feasible.

The ability to fish is not the same as having the scientific information and management regimes needed for a well-managed fishery. The science community currently does not have sufficient biological information to understand the presence, abundance, structure, movements, and health of fish stocks and the role they play in the broader ecosystem of the central Arctic Ocean. Absent this scientific data and a robust management system, depletion of fishery resources and damage to other components of the ecosystem are likely to result if fisheries commence.

Although scientific research, observations, and modeling provide persuasive evidence of continued decrease of summer sea ice, far less is known about the present and future fisheries biology of these waters. Research is needed to develop a basic model of the central Arctic ecosystem, including estimates of abundance and distribution of potential target fish stocks and other key species in the food web.

Data and analysis also will be required to understand the effects of fishing removals on other components of the Arctic Ocean such as seals, whales and polar bears and the effect this may have on the peoples of the Arctic who rely on those resources for their subsistence and way of life. Time and effort will be required before scientific knowledge improves to the level required to support sound fisheries management in this remote region.

The central Arctic Ocean provides both a challenge and an opportunity. The challenge is that exploratory fisheries, and subsequent claims of access to these international waters could commence in the next few years. The opportunity is that the international community can take action now to protect these waters until we have the science and governance in place to ensure sustainable development of fisheries.

Now is the time for the international community to create a precautionary management system for central Arctic Ocean fisheries. Such a system should postpone fishing activity until such time as the biology and ecology of the region is understood sufficiently well to allow for setting scientifically sound catch levels. Such a system should also require that a robust management, monitoring, and enforcement regime be established before fishing is allowed. This system should be put in place before sea ice retreats further, before fishing begins and political pressure increases, and before precautionary management is no longer an option.

…

We, the undersigned scientists, call on Arctic governments to take a lead in developing an international agreement to address fisheries in the central Arctic Ocean, based on sound scientific and precautionary principles, and starting with a catch level of zero as a reflection of the state of understanding of the fisheries ecology of the region.

…

(The scientists who have signed this letter have done so in their personal capacities. Institutional affiliations are provided only for identification purposes, and do not imply any institutional position on Arctic Ocean fisheries.)

David Barber, Ph.D.
Centre for Earth Observation Science, University of Manitoba, Canada

Stanislav Ye. Belikov, Ph.D.
All-Russian Research Institute for Nature Protection, Moscow, Russia

M.V. Flint, Ph.D.
Shirshov Institute of Oceanology, Russian Academy of Sciences, Moscow, Russia

Jackie Grebmeier, Ph.D.
Chesapeake Biological Laboratory, University of Maryland Center for Environmental Science, USA

Henry P. Huntington, Ph.D.
Pew Environment Group, Eagle River, Alaska, USA

Peter Rask Møller, Ph.D.
Natural History Museum of Denmark, University of Copenhagen, Denmark

Daniel Pauly, Ph.D.
Fisheries Centre & Zoology Department, University of British Columbia, Canada

Alan Springer, Ph.D.
School of Fisheries and Ocean Sciences, University of Fairbanks Alaska, USA

Paul Wassmann, Ph.D.
Faculty of Biosciences, Fisheries and Economics, University of Tromsø, Norway

Klimadiplomatie in Durban

ZEIT.de
Klimadiplomatie vor der Konferenz in Durban

Aufschub mit Ansage

Zum Stand der Klimadiplomatie vor der Konferenz in Durban: Die Sünder mauern

Rio, Kyoto, Bali, Kopenhagen, Cancún – zählt noch jemand mit? Die Erwartungen an die 17. Klimakonferenz der Vereinten Nationen sind minimal. Eines der wichtigsten, man könnte auch sagen: der anmaßendsten, Projekte der Menschheit steht vor dem Scheitern. Nämlich der Versuch, die menschgemachte Klimaerwärmung in einem halbwegs verträglichen Rahmen zu halten.

Wieso anmaßend? Weil es hier nicht um Handelsschranken oder Grenzkonflikte geht, die sich durch Regierungshandeln leicht regeln lassen, sondern darum, den Lebensstil von Milliarden Menschen zu ändern. Weniger Benzin und weniger Fleisch, weniger Wachstum und weniger Wohlstand, jedenfalls für eine lange Übergangszeit auf dem Weg in die schöne neue Welt voller grüner Technik.

Weieterlesen
http://www.zeit.de/2011/48/Klimakonferenz-Durban

Tödlicher Eisfinger

bbc_icefinger

Tödlicher Eisfinger: Kamerateam der BBC filmt erstmals Entstehung eines Solezapfens unter Wasser

Hier ist das Video: http://www.bbc.co.uk/nature/15835014

Wenn die Salz-Wasser-Lösung des Meereswassers gefriert, so entsteht dabei kein gewöhnliches Eis, wie man es aus dem eigenen Gefrierfach oder auf Süßwasser-Gewässern kennt, sondern ein dichter Klumpen, der eher einem mit Meerwasser getränkten Schwamm gleicht, aus dem die gelösten Salze in Form der sogenannten Sole durch unzählige Kanäle austreten und so den Zapfen stetig anwachsen lassen. Jetzt ist es Naturfilmern der BBC erstmals gelungen, die Entstehung dieses erstaunlichen Phänomens auf Film zu dokumentieren.

Die Zeitraffer-Aufnahmen gelangen dem Team um Kameramann Hugh Miller, das für die Doku-Serie „Frozen Planet“ (Gefrorener Planet) unter der Eisdecke vor Little Razorback Island im antarktischen Ross-Archipel drehte. „Als wir die Gegend um die Insel tauchend erkundeten, entdeckten wir drei oder vier breites vorhandene Solezapfen und einer davon war gerade dabei neu zu entstehen“, berichtet Miller gegenüber BBC News. „Der ganze Prozess dauerte kaum sechs Stunden und alles passierte direkt vor unseren Augen.“

„Im Winter sinken die Temperaturen an der Eisoberfläche auf bis zu minus 20 Grad Celsius, während das Meerwasser selbst nur minus 1,9 Grad kalt ist“, erläutert der Polar-Ozeanograf Dr. Mark Brandon gegenüber der BBC die Entstehung derartiger Solezapfen. „Wärme aus der wärmeren See fließt also in Richtung der deutlich kälteren Luft und lässt dabei von unten her Eis entstehen. Das Salz, bzw. die Sole in der auf diese Weise neu entstanden Eisschicht konzentriert sich und wird durch winzige Kanäle und Öffnungen im Eis herausgepresst. Da diese Sole sehr viel kälter und salziger ist als das sie umgebende Wasser, ist sie auch deutlich dichter, und sinkt im Wasser nach unten. Beim Austritt aus dem Eis kommt die Sole nun jedoch in Kontakt mit dem kälteren Meerwasser und gefiert selbst zu dem sich immer weiter Richtung Meeresboden fortsetzenden Zapfen. Wo dieser in Kontakt mit der Oberfläche kommt, umschließt er auch das dortige Leben mit einem tödlichen Eispanzer.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bbc.co.uk

Ökosysteme im Klimawandel – Wie Eis und Eisen das Leben bestimmen

Vortrag INTERNATIONALES MARITIMES MUSEUM HAMBURG
WISSENSSPEICHER FORUM DECK 7

Donnerstag, 24.11.2011 um 19 Uhr
Antarktis: Ökosysteme im Klimawandel – Wie Eis und Eisen das Leben bestimmen
Referent: Prof. Dr. Ulrich Bathmann
Moderation: Udo Röbel

Antarktis: Ökosysteme im Klimawandel – Wie Eis und Eisen das Leben bestimmen

Weite Teile der Antarktis sind – im Gegensatz zur Arktis – noch nicht sichtbar vom Klimawandel beeinflusst. Die antarktische Halbinsel jedoch, ein Gebiet höchster Krilldichte, gehört zu den sich am schnellsten erwärmenden Regionen unseres Planeten. Langzeitstudien zeigen: Der Bestand an Krill, Hauptnahrung vieler Wale und Robben im Südozean, ist in den letzten 40 Jahren erheblich zurückgegangen. Eine Ursache: Die winterliche Meereisbedeckung schwindet und der antarktische Krill verliert seinen Schutz- und Nahrungsraum. Es übernehmen sogenannte Salpen, das sind im Meerwasser freischwimmende Manteltierchen, den Lebensraum des Krills. Werden Wale, Robben und Seevögel in Zukunft noch genug zu fressen haben?

Der international renommierte Polarforscher Prof. Dr. Ulrich Bathmann erläutert im Forum Deck 7 wie der Klimawandel die marinen Ökosysteme in der Antarktis beeinflusst. Wie viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre kann der Südozean noch aufnehmen? Wie verändert sich die biologische Pumpe? Welche Rolle spielt das Spurenelement Eisen für die Algenproduktion?

Über elf Jahre leitete Ulrich Bathmann die Sektion Polare Biologische Ozeanographie und drei Jahre den Fachbereich Biowissenschaften im Alfred-Wegener-Institut. Er ist zudem in zahlreichen internationalen wissenschafts-politischen Forschungsgremien tätig. Von seinen über 20 Expeditionen auf Forschungsschiffen führten ihn 12 in die Antarktis. Als wissenschaftlicher Fahrtleiter trug er bei acht Expeditionen die Verantwortung. Als neuer Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde werden sich seine Forschungsschwerpunkte künftig auf die Randmeere der Erde konzentrieren.

Wissen speichern, Forscher treffen und mit Ihnen ins Gespräch kommen. Neue Einsichten in die faszinierende Welt der Meere gewinnen. Einmal im Monat laden wir international renommierte Meeres- und Polarforscher in den Wissensspeicher ein. Im Forum Deck 7 berichten sie von ihrer Arbeit und nehmen Stellung zu aktuellen Fragen der Klima- und Meeresforschung. Der bekannte Hamburger Autor und Journalist Udo Röbel führt als Moderator durch den Abend. Wir würden uns freuen, Sie als unsere Gäste im Wissensspeicher Forum Deck 7 zu begrüßen. Um Anmeldung wird gebeten per Email an wissensspeicher@peter-tamm-sen.de oder telefonisch unter Tel. 040 3009230-24.

Sommerliches Meereis-Minimum in der Arktis

Sommerliches Meereis-Minimum in der Arktis: Ein neuer Minusrekord kündigt sich an

Die sommerliche Meereis-Bedeckung der Arktis wird in diesem Jahr höchstwahrscheinlich auf das Rekordniveau aus dem Jahr 2007 zurückgehen oder eventuell sogar noch darunter liegen. Prof. Dr. Rüdiger Gerdes, Meereis-Physiker am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gesellschaft, sagte am Montag im Rahmen eines Arktis-Workshops in Bremen, alles deute auf ein sehr niedriges September-Minimum hin.

„Wenn wir uns die aktuellen Satellitenkarten ansehen, wird deutlich, wie viel Eis noch bis zur Monatsmitte tauen wird. Die Eisdecke ist derzeit an den Rändern so stark aufgebrochen, dass die Sonneneinstrahlung die oberste Wasserschicht erwärmen kann und infolgedessen noch viele Schollen schmelzen werden“, sagt Rüdiger Gerdes.

Von einem Fotofinish spricht auch Prof. Dr. Lars Kaleschke, Wissenschaftler am KlimaCampus der Universität Hamburg. „Unsere Vorhersage auf statistischer Basis deutet auf einen fast genau so großen Eisverlust wie im Jahr 2007 hin, nur verteilen sich die Eismassen in diesem Jahr räumlich anders“, sagt Lars Kaleschke. So gebe es in diesem Sommer auffällig große eisfreie Flächen innerhalb der Packeis-Zone, zum Beispiel in der Laptev-See im Norden Russlands. „Dieses Loch erweckt den Eindruck, als sei das Eis hier von unten geschmolzen. Es tat sich Anfang August auf, wurde immer größer und hat inzwischen die Größe Hollands erreicht“, erklärt Lars Kaleschke.

Zwei Faktoren scheinen in diesem Sommer eine wichtige Rolle zu spielen. Zum einen berichten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, die erst vor kurzem an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern bis zum Nordpol vorgedrungen waren, von einer sehr geringen Dicke des Meereises. Messungen hatten einen Durchschnittswert von 90 Zentimetern ergeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 hatte die Meereisdicke im Durchschnitt zwei Meter betragen. Zum anderen gibt es einen steten Transport von Meereis in eisfreie Regionen des Nordpolarmeeres. „Dort sind die Wassertemperaturen wegen der Einstrahlung und Absorption hoch, sodass Schollen, die in dieses Gebiet driften, schnell abschmelzen“, erklärt Rüdiger Gerdes.

Ob das diesjährige Meereis-Minimum am Ende tatsächlich unter der Rekordmarke aus dem Jahr 2007 liegen wird, entscheidet sich aber erst am Ende des Monats. Vor vier Jahren wurde der bisherige Tiefstwert erreicht. Die Eisausdehnung war damals auf eine Fläche von 4,3 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen.
http://www.awi.de

Eisdecke der Arktis erholt sich nicht

Eis der Arktis erholt sich nicht
Forscher von Alfred-Wegener-Institut und KlimaCampus legen Prognosen zum Septemberminimum vor

Auch für den Spätsommer 2010 ist wieder ein kritisches Minimum des arktischen Meereises zu erwarten. Dies veröffentlichten jetzt Wissenschaftler vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) und vom KlimaCampus der Universität Hamburg im jährlich erscheinenden Seaice-Outlook. Die Online-Publikation stellt in einem wissenschaftlichen „Wettstreit“ die Prognosen zur Eisbedeckung für September 2010 von rund einem Dutzend internationaler Forschungsinstitute gegenüber. Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Eisfläche jedes Jahr ihre minimale Ausdehnung.

Die Prognose des Teams vom KlimaCampus der Universität Hamburg fällt mit 4,7 Millionen Quadratkilometern (km2) negativer aus als die der AWI-Forscher mit 5,2 Millionen km2. Trotzdem erwarten beide Forschungsgruppen nicht, dass das Rekord-Minimum von 2007 mit 4,3 Millionen km2 erreicht wird.

Obwohl das Arktiseis zurzeit mit zehn Millionen km2 Fläche sogar noch etwa eine halbe Million km2 kleiner ist als im Jahr 2007, kann man nicht direkt auf ein neues Rekordminimum im Spätsommer schließen. Die derzeitige Eisbedeckung ist vergleichbar mit der vom Juni 2006, ein Jahr, in dem im September mehr Eisfläche als 2007 verblieb. Entscheidende Faktoren für die Situation im Spätsommer, wie die Eisdicke der zentralen Arktis und die weitere Wetterentwicklung im Sommer, sind aber jetzt noch nicht bekannt.

Entwarnung ist nicht angesagt: Die Wissenschaftler gehen grundsätzlich von einer langfristigen Abnahme der Meereisbedeckung für das Nordpolargebiet in den Sommern der kommenden Jahrzehnte aus. Auch wenn der Flächentrend gering nach oben weist (2007: 4,30 Mio km2, 2008: 4,68 Mio km2, 2009: 5,36 Mio km2), betrug die Arktiseisfläche von 1980 bis 1990 stets mehr als sieben Millionen km2.

Die beiden Wissenschaftlerteams haben die Prognosen mit unterschiedlichen Verfahren erstellt. Prof. Rüdiger Gerdes und sein Team vom Alfred-Wegener-Institut erarbeiteten gemeinsam mit den wissenschaftlichen Firmen OASys und FastOpt ein Modell, in das Beobachtungsdaten aus ozeanischen Driftbojen und Satellitendaten zu Eismessung und Eisbewegung einfließen. Im Laufe des Sommers wird die vorgelegte Prognose monatlich wiederholt, wobei jeweils aktuelle Wetterdaten einbezogen werden. „Derzeit berechnen wir, dass mit 80prozentiger Wahrscheinlichkeit die Eisbedeckung im September zwischen 4,7 und 5,7 km2 liegen wird. Die Voraussage wird aber immer präziser werden“, sagt Prof. Rüdiger Gerdes.

Die Prognose vom KlimaCampus-Team um Prof. Lars Kaleschke vergleicht stattdessen anhand von Satellitenbildern die Eisfläche für jeden Tag des Jahres 2010 mit der des entsprechenden Tages von 2009 bis 2003. Zahl und Größe der eisfreien Flächen, der so genannten Polynyen, sind Indikatoren für die spätere Eisentwicklung. Diese dunklen Ozeanflächen speichern die Sonnenenergie schon im Frühsommer und verstärken so zusätzlich das weitere Abschmelzen während des Polarsommers, in dem die Sonne nicht mehr verschwindet, bis zum September.

Sea Ice Outlook
http://www.arcus.org/search/seaiceoutlook/index.php

Wie dick ist das Eis wirklich

Wie dick ist das Eis wirklich

CryoSat soll den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Eisdicke messen

Beim zweiten Mal klappte es. Die europäische Weltraumbehörde ESA schickte fünf Jahre nach dem durch einen Programmfehler verursachten Fehlstart von CryoSat 1[1] den Neubau CryoSat 2, an Bord einer russischen Trägerrakete, in seine Umlaufbahn in 720km Höhe. CryoSat-2[2] umkreist die Erde alle 90 Minuten und ermittelt die Höhe des Eises an den Erdpolen.

Die eingebauten Mikrowellenaltimeter[3] sollen unabhängig vom Wetter die Höhe des Eises mit zwei Zentimeter Genauigkeit messen. Um die Höhenangaben zu eichen, verfügt der Satellit über einen „Star-Tracker“. Außenkameras nehmen die Stellung von Markersternen auf und vergleichen die Daten für die Positionsbestimmung mit der internen Sternenkarte des Satelliten.

Zwei unabhängige Einheiten senden und empfangen die Radarimpulse, aus deren Reflektionsrichtung und Laufzeit Höhe und indirekt das Eisvolumen sowie saisonale und jahreszeitliche Effekte auch über mehrere Jahreszyklen hinweg dokumentiert werden. Bisher fehlten großflächige Messungen zur Eisdicke an den Polen, Satelliten konnten nur Aufnahmen zur Fläche des Eises liefern. Jetzt erhofft sich die ESA Aussagen, wie die Eismasse mit Klimaveränderungen[4] zusammenhängt und beides zusammenwirkt.

Matthias Brake, 09.04.2010

http://www.heise.de/tp/blogs/2/147396

Telepolis – 09.04.2010