Plastik: Gefährliches Fressen im Ozean. Im ARTE-TV und im Web.

Fotos: © mobydok / atelier hurra
Fotos: © mobydok / atelier hurra

Mit ARTE können Sie das Meer entdecken! Unter dem Motto #MeereUndOzeane – Entdecken. Nutzen. Schützen laden wir Sie zu einem Web-Projekt ein: Fragen und Probleme, aber auch viel Wissenswertes zu unseren Sieben Weltmeeren stehen dabei im Fokus. In Kooperation mit dem Wissenschaftsjahr 2016*17 informieren wir auf ARTE Future über unsere Weltmeere.

Alle aktuellen Programme finden Sie hier: http://future.arte.tv/de/meer-entdecken

Ab 17. September steht das Thema „MIKROPLASTIK“ im Mittelpunkt: Jedes Jahr landen über 10 Mio Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Wie reagieren die Meeresbewohner auf die künstlichen Stoffe? Welche toxischen Effekte haben sie am Ende auf den Menschen? Immerhin finden sich schon heute in fast 60% aller Heringsmägen Plastikpartikel! Und wer 500 Gramm Garnelen im Jahr isst, verzehrt laut Meeresbiologen 175 Mikroplastik-Teilchen!

Im Film „Mikroplastik im Meer“ und in der Scroll-Doku „Plastik. Gefährliches Fressen im Ozean“ entdecken Sie, wie tief die Plastikpartikel bereits in das Nahrungsnetzwerk unserer Ozeane eingedrungen sind:

„Mikroplastik im Meer“
Dokumentarfilm von Vincent Perazio
Im TV: am 17. September um 21.45 Uhr auf ARTE
In der ARTE-Mediathek: ab 17.09. bis 24.09.2016

„Plastik. Gefährliches Fressen im Ozean“
Scroll-Doku, Produktion von  ARTE / MOBYDOK
Ab sofort hier abrufbar: Plastik. Gefährliches Fressen im Ozean

Schadstoffbelastung durch Mikroplastik im Sediment höher als erwartet

Zu alarmierenden Ergebnissen kommt die Untersuchung von Mikroplastik im Sediment von Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee: Mikroplastik bindet deutlich mehr Schad- und Giftstoffe im Sediment als bisher vermutet. Die kleinen Plastikteilchen sind um das Drei- bis Vierfache stärker belastet als das ohnehin schon kontaminierte Sediment. Die größte Schadstoffbelastung wurde nahe der Kläranlage Lübeck gemessen. „Schadstoffbelastung durch Mikroplastik im Sediment höher als erwartet“ weiterlesen

Bakterien reisen per Mikroplastik als Anhalter durch Nord- und Ostsee

Wasserprobe aus der Nordsee mit verschiedenen Vibrionen-Spezies Foto: Alfred-Wegener-Institut / A. Wichels
Wasserprobe aus der Nordsee mit verschiedenen Vibrionen-Spezies
Foto: Alfred-Wegener-Institut / A. Wichels

Krankheitserregende Bakterien per Anhalter durch Nord- und Ostsee?

AWI-Forscher weisen erstmalig lebende, potentiell krankheitserregende Vibrionen auf Mikroplastikpartikeln nach

Mit steigender Wassertemperatur nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass in Nord- und Ostsee potentiell krankheitserregende Bakterien auftreten. AWI-Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass eine Gruppe dieser Bakterien, sogenannte Vibrionen, auch auf Mikroplastikpartikeln leben können. Sie wollen zukünftig die Rolle der Partikel für die Anreicherung und mögliche Verbreitung dieser Bakterien genauer untersuchen. „Bakterien reisen per Mikroplastik als Anhalter durch Nord- und Ostsee“ weiterlesen

Mikroplastik in Wasserflöhen

Im Experiment mindern Mikroplastikteilchen die Mobilität von Wasserflöhen stark

Forscher untersuchen, welche Auswirkungen die zunehmende Verschmutzung mit Kunststoffen im Süßwasser haben kann

Das Wasser in Flüssen und Teichen wird nicht nur durch Chemikalien verschmutzt, sondern auch durch sogenanntes Mikroplastik, unter fünf Millimeter großen Kunststoffteilchen. Sie stammen unter anderem aus Kosmetikprodukten, wo sie für Peelingeffekte eingesetzt werden, oder werden zum Beispiel auch aus Synthetiktextilien ausgewaschen. Bisher wurden Menge und Effekte von Mikroplastik vor allem im Meer untersucht. Professorin Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen hat gemeinsam mit den Berliner Wissenschaftlern Saskia Rehse und Werner Kloas vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Experimenten geprüft, wie sich hohe Konzentrationen an genormten Plastikteilchen auf Wasserflöhe auswirken.

Es zeigte sich, dass die typischen Süßwasserbewohner winzige Teilchen von einem Mikrometer – einem Tausendstel Millimeter – aufnahmen, was ihre Bewegungen deutlich verminderte und dadurch die Nahrungsaufnahme verhindern würde. Größere Teilchen hatten keinen messbaren Effekt. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Chemosphere veröffentlicht. Die Forscherinnen und Forscher sehen dies als Beginn vieler weiterer notwendiger Untersuchungen zur Auswirkung von Mikroplastikverschmutzung im Süßwasser. Zum einen gehen sie davon aus, dass der Kunststoff mit verschiedenen Chemikalien Wechselwirkungen eingeht, zum anderen müssten die Tests auf ganze Ökosysteme ausgeweitet werden.

Bisher wurden vor allem Meere auf Mikroplastik untersucht; zu finden waren die Kunststoffteilchen praktisch überall: auf der Wasseroberfläche der Ozeane, in Flussmündungsgebieten, an Küsten und sogar in den Sedimenten der Tiefsee. Erst seit kurzem richten Forscher ihre Aufmerksamkeit nun auch auf Seen und Flüsse. „Messungen zufolge lassen sich in Europa, Süd- und Nordamerika, Afrika und Asien pro Quadratkilometer Wasseroberfläche bis zu mehreren Hunderttausend Mikroplastikteilchen finden“, sagt Christiane Zarfl. Besonders hoch seien die Werte bei hoher Besiedlungsdichte, intensiver Landnutzung und in der Nähe von Industriegebieten. In den Kläranlagen wird Mikroplastik bisher nicht herausgefiltert. „Je nach Art der Kunststoffe schwimmen die Teilchen im Wasser oder setzen sich als Sedimente am Boden ab“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Bisher gebe es wenig geeignete Analysemethoden, um die ganze Vielfalt zu erfassen. „Wir wollten mit unserer systematischen Untersuchung einen Grundstein legen, um Auswirkungen von Mikroplastik auf Süßwasserorganismen besser zu verstehen.“ In ihren Versuchen mit dem Großen Wasserfloh hatten die Forscher Plastikteilchen einheitlichen Materials, einheitlicher Größe und Form verwendet, um solide Ergebnisse zu den physikalischen Effekten zu erhalten. „Wir haben auch hohe Konzentrationen an Plastikteilchen getestet, um kritische Grenzen für Schäden bei den Wasserflöhen zu bestimmen. Dies ist erst einmal unabhängig davon, wie hoch die Belastung mit Mikroplastik in den Süßgewässern tatsächlich ist“, sagt Zarfl.

Kunststoffprodukte etwa aus Polyethylen oder Polystyren werden in der Regel für eine lange Haltbarkeit hergestellt und enthalten selbst häufig Farbstoffe und Lösungsmittel. Außerdem treffen die Mikroplastikteilchen in der Umwelt auf weitere Chemikalien. Ob und in welchem Umfang es zu Wechselwirkungen kommt, sei noch weitgehend unbekannt, sagt die Wissenschaftlerin. „Zu testen bleibt auch, ob und wie sich Mikroplastikteilchen in der Nahrungskette in Flüssen und Seen anreichern. Solche Untersuchungen sind bisher vor allem an Meerestieren gemacht worden, wo sich Kunststoffteilchen zum Beispiel auch in Robben und Walen fanden.“

Publikation:
Saskia Rehse, Werner Kloas, Christiane Zarfl: Short-term exposure with high concentrations of pristine microplastic particles leads to immobilisation of Daphnia magna. Chemosphere, 153, 91-99; DOI: 10.1016/j.chemosphere.2016.02.133.

https://idw-online.de/de/news649174

Mikroplastik im Meer: Biologen untersuchen Effekte auf Meerestiere

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Eine Meeresassel der Gattung Idotea (hier die Art I. baltica) mit Futter. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Hämer

Mikroplastik im Meer: Biologen untersuchen Effekte auf Meerestiere

Meeresasseln scheiden gefressene Mikroplastik-Partikel unverdaut wieder aus. Das ergab eine Studie von Biologen des Nordseebüros am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), die kürzlich in der Fachzeitschrift „Environmental Science and Technology“ erschienen ist. Die Studie bildet den Auftakt einer Reihe von Untersuchungen, um eine Gefährdungsmatrix zur Sensibilität verschiedenartiger Meereslebewesen gegenüber Mikroplastik-Verschmutzung zu erstellen.

Fressen manche Vögel oder Fische große Plastikteile, so kann das durch Verstopfungen des Magen-Darm Traktes letztlich dazu führen, dass die Tiere verhungern. „Wir haben uns gefragt, ob kleine Plastikteilchen einen vergleichbaren Effekt auf kleinere Tiere haben“, sagt Dr. Lars Gutow vom AWI-Nordseebüro. „Die Effekte von Mikroplastik auf die Lebewelt sind weitgehend unerforscht, so dass es eine große Unsicherheit gibt, welche Schäden entstehen können“, erläutert der Biologe die Motivation für die Studie.

Lars Gutow und seine Kollegen haben die Meeresassel Idotea emarginata als Modellorganismus für eine erste Fallstudie ausgewählt. In Fütterungsexperimenten boten die Forscher den Asseln künstliches Algenfutter an, das mit Kunststoffpartikeln angereichert war. Das Futter enthielt drei verschiedene Sorten von Mikroplastik in unterschiedlichen Konzentrationen. Dabei wurden industriell hergestellte Partikel aus Polystyrol mit einem Durchmesser von zehn Mikrometern sowie selbst hergestellte Fragmente und Fasern aus Polyethylen bzw. Polyacryl verwendet.

Unter dem Lichtmikroskop, mithilfe eines Fluoreszenzmikroskops und unter dem Elektronenmikroskop haben die Forscher die verschiedenen Gewebe untersucht. So konnten sie den Weg der Mikroplastik-Partikel durch die Asseln nachvollziehen und die Konzentrationen der Partikel in den Organen bestimmen. Ihr Ergebnis: Die Konzentration von Mikroplastik im Futter war ebenso hoch wie in den Ausscheidungen der Asseln. Sowohl im Magen als auch im Darm der Tiere fanden sie geringe Mengen Mikroplastik. In den Verdauungsdrüsen der Asseln konnten sie keine Mikropartikel nachweisen. „Die Meeresasseln haben das künstliche Futter mit den Mikroplastik-Partikeln gefressen und wieder ausgeschieden, ohne die Partikel zu resorbieren beziehungsweise zu akkumulieren,“ fasst Gutow die Ergebnisse zusammen. Die Plastik-Partikel in der untersuchten Größenordnung stellen demnach keine unmittelbare mechanische Gefahr für Meeresasseln und wahrscheinlich auch nicht für andere Krebsarten dar. „Bei Idotea emarginata geraten die von uns untersuchten Mikroplastik-Partikel nicht in die Verdauungsdrüse. In diesem sensiblen Organ findet bei Krebstieren hauptsächlich die Aufnahme von Nährstoffen statt“, so der Biologe vom AWI-Nordseebüro.

In einem länger angelegten Experiment fanden die Wissenschaftler zusätzlich heraus, dass die Asseln auch nach sechs bis sieben Wochen keine Langzeiteffekte zeigten. Fitnessparameter wie Überlebensrate oder Wachstum unterschieden sich nicht zwischen Tieren, die mit beziehungsweise ohne Mikroplastik in der Nahrung gefüttert wurden.
In einer früheren Studie hatte jedoch die AWI-Biologin Prof. Dr. Angela Köhler nachgewiesen, dass Miesmuscheln Mikroplastik-Partikel aufnehmen, resorbieren und Entzündungsreaktionen zeigen, wenn sie im Experiment hohen Partikelkonzentrationen ausgesetzt sind. Das zeigt eindeutig, dass die verschiedenen Tierarten ganz unterschiedlich auf Mikroplastik reagieren. „Anders als die filtrierenden Muscheln nehmen Meeresasseln der Gattung Idotea wahrscheinlich in ihrem natürlichen Lebensraum viel häufiger unverdauliche Partikel mit der Nahrung auf und sind entsprechend daran angepasst,“ erläutert Gutow.

Aber nicht nur der Ernährungstyp interessiert die Biologen bei ihren langfristigen Betrachtungen: „Wir wollen systematisch untersuchen, wie Lebensweise, Lebensraum, Physiologie und Anatomie von verschiedenen Meeresbewohnern die Aufnahme und Verwertung von Mikroplastik-Partikeln beeinflussen, um darauf aufbauend eine Gefährdungsmatrix für verschiedenste Organismentypen zu erstellen,“ sagt Lars Gutow. „Außerdem ist es wichtig, neben den von uns betrachteten physikalischen Effekten auch mögliche chemische (toxische) und biochemische Effekte zu überprüfen“, so sein Ausblick auf zukünftige Aufgaben.

Originalpublikationen:
Julia Hämer, Lars Gutow, Angela Köhler und Reinhard Saborowski, Environmental Science and Technology (2014): Fate of Microplastics in the Marine Isopod Idotea emarginata (DOI: 10.1021/es501385y)

Nadia von Moos, Patricia Burkhardt-Holm und Angela Köhler, Environmental Science and Technology (2012): Uptake and Effects of Microplastics on Cells and Tissue of the Blue Mussel Mytilus edulis L. after an Experimental Exposure (DOI: 10.1021/ es5302332w)

http://www.awi.de/de/

Kosmetikprodukte: Biowachspartikel als Alternative zu Mikroplastik

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Primäres und sekundäres Mikroplastik landet über die Nahrungskette wieder auf unserem Teller. Fraunhofer UMSICHT/Matthias Holländer

Kosmetikprodukte: Biowachspartikel als Alternative zu Mikroplastik

Mikroplastik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Abrasionspartikel in der Zahnpasta sind nur ein Beispiel für die unterschiedlichsten Anwendungen von Mikroplastik in der Kosmetikindustrie. Doch das Material steht seit einiger Zeit in der Kritik, da es sich in der Umwelt ansammelt und häufig Schadstoffe aufnimmt, die über Umwege auch in den menschlichen Körper gelangen können. Laut IKW, dem Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V., möchte die Kosmetikindustrie schon in naher Zukunft auf den Einsatz von Mikroplastik verzichten. Fraunhofer UMSICHT stellt mit einem innovativen Verfahren marktfähige Alternativen her, die Forscher setzen dabei auf natürliche Materialien.

Als Mikroplastik werden kleine Plastikteilchen bezeichnet, die zwischen fünf Mikrometer und maximal fünf Millimeter groß sind. Sie begegnen uns in unserem täglichen Leben in den verschiedensten Kosmetikprodukten – vom Duschgel über Gesichtscreme bis zur Zahnpasta. Dabei werden die Gefahren, die von Mikroplastik ausgehen, seit längerem diskutiert: Über das Abwasser gelangt es in die Umwelt, wo sich an den Teilchen Schadstoffe, etwa Insektizide wie beispielsweise Dichlordiphenyltrichlorethan DDT, anlagern. Wird das Mikroplastik von Muscheln, Krebsen und anderen Meeresbewohnern gefressen, werden die Schadstoffe vom Tier aufgenommen, wo sie Entzündungen und Krankheiten hervorrufen können. Letztlich geraten die Schadstoffe so auch wieder in unsere Nahrungskette. Mikroplastik wurde schon in Honig, Trinkwasser und Bier nachgewiesen.

Mikroplastik in Kosmetik muss nicht sein

Mikroplastik gelangt auf zwei Wegen in die Umwelt: Zum einen zerfallen größere Plastikgegenstände wie Tüten oder Flaschen durch Sonneneinstrahlung und mechanische Einwirkungen. Das Mikroplastik entsteht also erst mit der Zeit, weswegen es auch als »sekundäres Mikroplastik« bezeichnet wird. Eine andere Quelle sind Produkte, in denen von vornherein Mikroplastik enthalten ist. Hier spricht man von »primärem Mikroplastik«. Die für den Peeling-Effekt in Zahnpasta, Duschgels etc. verwendeten Kleinst-Plastikpartikel aus Polyethylen PE oder Polypropylen PP werden über das Abwasser in die Meere gespült, da sie in Kläranlagen nur schwer herausgefiltert werden können.

Gegen Mikroplastik, das bei der Zersetzung von größeren Kunststoffteilen entsteht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nur wenig unternommen werden. »Mikroplastik in Kosmetikprodukten muss jedoch nicht sein«, so der Wissenschaftler Dr. Sebastian Pörschke, der bei Fraunhofer UMSICHT zum Thema Biowachspulver und dessen Anwendungsmöglichkeiten forscht, und fügt hinzu: »Hier könnten auch alternative Werkstoffe eingesetzt werden. Sand und Nussschalen zum Beispiel oder Salze. Sand und Nussschalen wirken jedoch sehr abrasiv in den Verarbeitungsanlagen und lassen diese schnell verschleißen; und Salze sind wasserlöslich, weshalb sie nicht für alle Produkte geeignet sind.«

An einer besonders vielversprechenden Alternative auf Basis von Biowachsen wird zurzeit bei Fraunhofer UMSICHT gearbeitet. Bienenwachs, Karnaubawachs oder Candelillawachs sind nachwachsende Rohstoffe und – im Gegensatz zu Kunststoffen und Biokunststoffen – in Wasser relativ schnell biologisch abbaubar. Wir nehmen solche Wachse übrigens als Bestandteil vieler Lebensmittel, beispielsweise in Form von Überzügen von Süßigkeiten, nahezu täglich auf.

Biowachspartikel nach Kundenwunsch

Fraunhofer UMSICHT kann mit der vorhandenen Verfahrenstechnik sowohl kaltgemahlene Biowachspulver als auch Pulver mit einem Hochdruckverfahren (PGSS, Particles from Gas Saturated Solutions) herstellen. Die kaltgemahlenen Partikel entsprechen in Größe und Form dem klassischen Mikroplastik. Es handelt sich um kubisch gebrochene Partikelformen, also kompakte Partikel mit geschlossenen Oberflächen.

Die Untersuchung von unterschiedlichen Kosmetikprodukten hat ergeben, dass das enthaltene Mikroplastik häufig eine Partikelgröße von etwa 100 bis 500 Mikrometer aufweist. Für die Herstellung dieser Partikelgröße eignet sich auch das Hochdruckverfahren. Das Wachs wird aufgeschmolzen und mit überkritischem Kohlenstoffdioxid bei hohen Drücken vermischt. Fraunhofer UMSICHT verwendet Kohlenstoffdioxid, das als Abgas bei der Düngemittelherstellung entsteht. Anstatt direkt in die Atmosphäre zu gelangen, wird das Abgas auf diese Weise noch einmal sinnvoll genutzt. Die Mischung wird anschließend durch eine Düse auf Umgebungsdruck entspannt, wobei das Wachspulver entsteht – bei Fraunhofer UMSICHT bis zu 300 kg Pulver pro Stunde. Im Gegensatz zum bisher gängigen Mahlverfahren können so speziell konfektionierte Partikel produziert werden. »Je nach Kundenwunsch sind Kugeln, poröse Partikel, Mikroschwämmchen oder unterschiedliche Fasern möglich, um nur einige Beispiele zu nennen«, erklärt Pörschke.

Zurzeit wird in Oberhausen an weiteren Biowachsen wie Beerenwachs, Reiswachs oder auch Sonnenblumenwachs geforscht. Man ist sich einig, mit den pulverisierten Biowachsen zur Lösung des Mikroplastik-Problems beitragen zu können.

Die Biowachspartikel, die mit dem Hochdruckverfahren hergestellt werden, sind nicht nur auf ihre abrasive Wirkung beschränkt, sondern könnten mit einer zusätzlichen Funktion ausgestattet werden. Pörschke: »Mikroschwämme etwa könnten neben ihrer Peeling-Eigenschaft zusätzlich auch als Transportpartikel für flüssige Wirkstoffe dienen.« Denkbar sind auch Partikel, in denen eine Flüssigkeit oder ein Feststoff verkapselt sind, die bei Gebrauch gezielt freigesetzt werden.

Die Diskussion um das Thema Mikroplastik und seine vielversprechenden Alternativen bleibt spannend.
Weitere Informationen:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/biuz.201310497/full – Weitere Informationen über Mikroplastik

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749113004387 – Mikroplastik in der Tiefsee (engl.)

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749113001140 – Körperliche Auswirkungen von Mikroplastik auf marine Organismen (engl.)

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Mikroplastik aus Peeling-Produkten (li.) und gemahlenes Karnaubawachs (re.) haben ähnliche Eigenschaften. Fraunhofer UMSICHT

Kampagne zum Verbot von Mikroplastikpartikeln

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Bitte Petition unterschreiben hier
http://www.avaaz.org/en/petition/BEAT_THE_MICRO_BEAD_BAN_all_Cosmetics_with_micro_beads_Polyethylene_PE_plastics_inside/?cngprdb

Kampagne zum Verbot von Mikroplastikpartikeln in Körperpflegeprodukten findet Gehör in Berlin

Mikroplastikkügelchen aus Duschpeelings, Zahncremes etc. gelangen nach ihrem einmaligen Gebrauch in die Kanalisation und werden auf ihrem Weg ins Meer auch von Kläranlagen nicht aufgehalten. Dort angekommen werden die Partikel von Meereslebewesen aufgenommen und geraten somit in die Nahrungskette. Dies hat verheerende Langzeitfolgen…

„Heute erreichte uns eine Nachricht der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / die Grünen, die sich dafür bedankt, dass wir sie auf das wichtige Problem der Gewässerverschmutzung und des Eindringens von Mikroplastik in die maritime Nahrungskette aufmerksam gemacht haben“, berichtet Sascha Regmann von Project Blue Sea e.V. „Unsere Anschreiben wurden nun zum Anlass genommen, um eine Kleine Anfrage mit der Überschrift „Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln, Gift- und Kunststoffen in Kosmetikprodukten und Kleidung auf Umwelt und Gesundheit“ an die Bundesregierung zu stellen. Wir sind sehr froh, dass sich nun endlich die Politik diesem komplexen und ernsthaftem Thema annimmt.“

Seit vielen Monaten arbeitet Project Blue Sea gemeinsam mit einer Koalition europäischer Tier- und Umweltschutzorganisationen darauf hin, die bewusste und völlig unnütze Einleitung von Mikroplastik aus Körperpflegeprodukten durch ein Verbot dieser Produkte zu stoppen.

„In Kürze wird es eine App in deutscher Sprache geben, die dem Endverbraucher direkt beim Einkauf anzeigt, ob sein ausgewähltes Körperpflegeprodukt Mikrokunststoffe beinhaltet oder nicht“, so Regmann weiter.

Einige Firmen haben bereits zugesichert, zukünftig auf Mikroplastik in ihren Produkten zu verzichten. Da es jedoch eindeutig um wirtschaftliche Interessen geht, ist es nicht verwunderlich, dass ein Gros der Kosmetikindustriebetriebe nur zögerlich, ausweichend oder gar nicht auf die Kampagne für ein Verbot von Mikroplastikpartikeln in Körperpflegeprodukten reagiert, so lange kein politischer Druck herrscht…

Weitere Hintergründe zu diesem Thema, sowie eine Liste aller in Deutschland verfügbaren Körperpflegemittel in denen sich Mikrokunststoffpartikel befinden stehen auf der Webseite von Project Blue Sea unter http://projectbluesea.de/media/files/downloads/Micro-Beads.pdf zum Download bereit.

Project Blue Sea e.V.
Postfach 15 01 15
44613 Herne
Tel.: +49.2323.9640960
Mobil +49.163.3702230
http://www.projectbluesea.de

Tatort: Badezimmer- Mikrokunststoffe gelangen so ins Meer

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Mikroplastik versteckt sich in Duschpeelings – und landet evtl. später im Meer. Foto: Project Blue Sea e.V.

Tatort: Badezimmer- Mikrokunststoffe gelangen so ins Meer

Herne, 30.Oktober 2012 – Es ist ein allmorgendliches Ritual. Nach dem Aufstehen führt der erste Gang meist ins Badezimmer, um sich die Zähne zu putzen und dann eine schöne heiße Dusche zu genießen! Doch wussten Sie schon, dass zahlreichen Körperpflegeprodukten wie beispielsweise Dusch-Peelings oder Zahncremes kleine Kunststoffkügelchen für eine bessere Reinigungswirkung beigemischt werden?

Neben der Tatsache, dass es schon seltsam klingt, sich mit Plastik den Körper zu waschen oder die Zähne zu reinigen, haben die kleinen Kunststoffpartikel noch einen weiteren, sehr negativen Effekt. Nach ihrem einmaligen Gebrauch verschwinden sie im Abfluss um später wieder im Meer aufzutauchen. Mikrokunststoffe gelangen über die Kanalisation und über Kläranlagen in die natürliche Meeresumwelt. Dort angekommen werden sie von Meerestieren wie Muscheln, Fischen oder Krebsen mit Nahrung verwechselt und gefressen. Die direkten Auswirkungen auf die Meeresbewohner können bis zum Tod führen. Deshalb sollte sich jeder Konsument von Meeresspeisen bewusst sein, dass die von den Tieren aufgenommenen Kunststoffe aus „Wohlfühl“- oder „Massage- Perlen“ genauso ungefiltert beim Verzehr in den menschlichen Körper aufgenommen werden, womit sich der Kreis wieder schließt.

Die Oberflächenbeschaffenheit der Kunststoff-Partikel hat zudem die Eigenschaft, Schadstoffe und im Wasser befindliche Umweltgifte an sich zu binden. Diese werden von den Meerestieren mit aufgenommen und reichern sich in ihnen an. Plastikmüll in den Gewässern hat verschiedene Quellen, doch es sollte ein Gebot der Vernunft sein, den bewussten Eintrag solcher Stoffe in die Umwelt schnellstmöglich zu stoppen. Daher fordert eine internationale Koalition verschiedener Umweltschutzorganisationen ein Verbot von Mikro-Kunststoffpartikeln in Körperpflegeprodukten. Erste Firmen haben bereits signalisiert, zukünftig auf diese Inhaltsstoffe zu verzichten, doch ein Gros der Unternehmen ignoriert trotz fundierten wissenschaftlichen Informationen das Problem oder spielt auf Zeit. „Hier ist nun auch die Politik gefordert, um ein Verbot von Mikro-Kunststoff in Körperpflegeprodukten zu erwirken“, fordert Sascha Regmann von der deutschen Meeresschutzorganisation „Project Blue Sea“. „Es gibt zudem zahlreiche umweltunschädliche Alternativen, um einen vergleichbaren Reinigungseffekt in den Pflegeprodukten zu erzielen. Es wird Zeit, dass der gesunde Menschenverstand siegt und dieser bewusst hervorgerufenen Verschmutzung unserer Meere ein Ende bereitet wird.“

Hinweis für die Redaktion:
Weitere Informationen finden Sie unter:
projectbluesea.de/muell-im-meer.html
Kostenfreies Fotomaterial finden Sie unter: projectbluesea.de/pressebereich.html
Project Blue Sea e.V.
Ansprechpartner: Sascha Regmann
Postfach 15 01 15
D-44613 Herne
E-Mail: info@projectbluesea.de
Telefon: 0 23 23 / 96 40 96 0

Müllhalde Meer

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Diese Sammlung kleiner Plastikreste gibt einen ersten Überblick über die Formenvielfalt des Mikromülls. Im Vergleich zu den allerkleinsten Partikeln (Größe 0,001 Millimeter) sind die hier abgebildeten Beispiele jedoch noch wahre Riesen. Foto: Stefanie Meyer, Alfred-Wegener-Institut

Müllhalde Meer: Biologen erstellen Leitfaden für eine genauere Untersuchung der Meeresverschmutzung durch Mikroplastikpartikel

Bremerhaven, 16. April 2012. Große Mengen der weltweit produzierten Kunststoffe enden in den Ozeanen. Dort stellen sie eine zunehmende Bedrohung dar. Vor allem sehr kleine Objekte, sogenannte Mikroplastikpartikel, gefährden das Leben vieler Meeresbewohner. Eine Einschätzung, wie stark die Ozeane mit Mikroplastikpartikeln belastet sind, scheiterte bisher, weil weltweit vergleichbare Untersuchungsmethoden und Daten fehlen. Gemeinsam mit britischen und chilenischen Kollegen haben Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft nun alle veröffentlichten Studien zu diesem Thema ausgewertet und standardisierte Richtlinien für die Erfassung und Charakterisierung der Mikroplastik-Partikel im Meer vorgeschlagen.

Angespülte Plastikflaschen gehören heutzutage ebenso zu einem Strandspaziergang wie das Kreischen der Möwen. Was dem menschlichen Auge jedoch verborgen bleibt, sind die unzähligen Kleinstobjekte aus Kunststoff, die im Wasser schwimmen, an den Strand gespült werden oder den Meeresboden bedecken. Wissenschaftler bezeichnen diese Plastikteilchen als „Mikroplastikpartikel“ und verstehen darunter Kunststoffobjekte, deren Durchmesser weniger als fünf Millimeter betragen – wobei die meisten Mikroplastikpartikel kleiner als ein Sandkorn oder eine Nadelspitze sind. Diese Eigenschaft macht sie auch so gefährlich für Meeresbewohner. „Mikroplastikpartikel werden von Organismen verschluckt und über den Verdauungstrakt aufgenommen. So konnten sie zum Beispiel bereits im Gewebe von Miesmuscheln oder anderen Tieren nachgewiesen werden“, sagt Dr. Lars Gutow, Biologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. Im Meer lagern sich an den kleinen Partikeln zudem toxische Stoffe an, die auf diese Weise in die Nahrungskette gelangen und so schließlich auch dem Menschen gefährlich werden können.

Lars Gutow und Kollegen von der Universidad Católica del Norte in Chile und der School of Marine Science and Engineering in Plymouth sind nun gemeinsam der Frage nachgegangen, wie stark die Weltmeere mit Mikroplastikpartikeln belastet sind. Dazu haben die Biologen 68 wissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesem Thema analysiert und festgestellt, dass sich deren Ergebnisse nur schwer miteinander vergleichen lassen. „In diesen Studien wurde mit ganz unterschiedlichen Methoden gearbeitet, weshalb nicht nachvollziehbar war, ob die beobachteten regionalen Verteilungsunterschiede der Plastikpartikel real sind oder ob sie auf die Erfassungsmethoden zurückzuführen sind“, sagt Prof. Martin Thiel, Initiator der nun veröffentlichten Vergleichsuntersuchung und Wissenschaftler an der Universidad Católica del Norte. So habe sich unter anderem gezeigt, dass 100.000-mal mehr Mikroplastikpartikel aus der Wassersäule gefischt werden konnten, wenn anstelle eines Netzes mit Maschenweite 450 Mikrometer ein Modell mit 85 Mikrometern eingesetzt wurde.

Basierend auf diesen Erkenntnissen hat das internationale Forscherteam nun erstmals Richtlinien für die Erfassung und Charakterisierung der Mikroplastikpartikel erstellt und diese im Fachmagazin Environmental Science & Technology veröffentlicht. Darin erläutern die Wissenschaftler auch mögliche Herkunftsquellen des Plastikabfalls. „Mikroplastikpartikel gelangen auf unterschiedlichen Wegen in die Meere. Ein Großteil sind sogenannte Plastikpellets, die als Rohstoff für die Herstellung von Kunststoffprodukten wie Computergehäusen oder andere Gebrauchsartikeln dienen. Geht man mit diesen Pellets, beispielsweise beim Verladen auf Schiffe, sorglos um, können viele davon durch den Wind verweht werden und ins Meer gelangen“, erklärt Lars Gutow.

Mikroplastikpartikel stecken aber auch in Kosmetik- und Reinigungsmittel. „In so manchem Peeling-Produkt werden kleinste Plastikpartikel als ‚Scheuermittel’ verwendet. Über das Abwasser und die Flüsse gelangen sie dann ins Meer“, sagt der Biologe. Und schließlich zerfalle jede Plastikflasche, jede Plastiktüte, die im Meer schwimme, eines Tages in zahllose Mikropartikel. „Der Abbau größerer Plastikteile kann Jahrhunderte dauern und erfolgt vor allem durch physikalische Prozesse. Die UV-Strahlung der Sonne lässt den Kunststoff brüchig werden. Durch den Wellenschlag und Abriebprozesse werden sie dann in immer kleinere Teile zerbrochen“, so Lars Gutow.

Die kleinsten bisher nachgewiesenen Partikel besaßen einen Durchmesser von einem Mikrometer – das entspricht einem tausendstel Millimeter. Um solch winzige Kunststoffobjekte genau zu bestimmen und ihre Herkunft zu klären, sind aufwendige Untersuchungen nötig. „Wir empfehlen jedem Wissenschaftler, sehr kleine Mikroplastikpartikel mithilfe einer Infrarot-Spektroskopie zu analysieren. Dieses Verfahren entlarvt die Inhaltsstoffe und ermöglicht so eine genaue Identifizierung als Kunststoff“, sagt Lars Gutow.

In ihrem Forschungsleitfaden weisen die Wissenschaftler zudem auf Wissenslücken hin. „Das Thema ‚Plastik im Meer’ hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Es wird sehr viel geforscht. Trotzdem wissen wir zum Beispiel noch nicht, ob und wenn ja, in welcher Menge Mikroplastikpartikel an Felsküsten und in Salzwiesen abgelagert werden. Vor allem letztere sind bekannt dafür, dass sie ein hohes Rückhaltepotenzial für Partikel ausweisen. Ob dies auch für Mikroplastikpartikel gilt, ist bisher nicht bekannt“, sagt Martin Thiel, der die Belastung der chilenischen Küste durch Mikroplastikpartikel untersucht.

Wenn zukünftig, basierend auf den Empfehlungen dieser Vergleichsstudie, alle Meeresforscher standardisierte Methoden zur Erfassung der Mikroplastikpartikel anwenden, dürfte nicht nur die Aussagekraft ihrer Ergebnisse deutlich steigen. Es bestünde zudem die Chance, realistische Aussagen darüber zu machen, wo und wie stark die Weltmeere wirklich mit Mikroplastikpartikeln belastet sind und welche Konsequenzen diese Verschmutzung für die Ökosysteme und somit auch für den Menschen hat.

Der Titel der Originalveröffentlichung lautet:
Hidalgo-Ruz, Valeria / Gutow, Lars / Thompson, Richard C. / Thiel, Martin (2012): Microplastics in the Marine Environment: A Review of the Methods Used for Identification and Quantification, Environmental Science & Technology, 46, 3060-3075,

http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/microplastics_in_the_marine_environment/?cHash=afbb249f9740724fb96cdcbec9c38f34