Rekordwärme im September hinterlässt Spuren in der Nordsee

Die Meerestemperatur der Deutschen Bucht war mit 19,1° C im September erheblich wärmer als im August (18,4° C) oder Juli (17,4° C). Sie lag um 3,4° C über dem Klimanormalwert. Ursache für die außergewöhnlich hohe Temperatur des Septembers war eine stabile, sonnenscheinreiche Hochdruckwetterlage, welche die durchwachsenen, unbeständigen Wetterbedingungen des Hochsommers ab Mitte August abgelöst hat. „Rekordwärme im September hinterlässt Spuren in der Nordsee“ weiterlesen

Nordsee 2099: Klimawandel vertreibt „Ökosystem-Dienstleister“

 

Wandert in der Zukunft weit in den Norden: Der Seestern Ophiotrix fragilis. © Senckenberg
Wandert in der Zukunft weit in den Norden: Der Seestern Ophiotrix fragilis. © Senckenberg

Nordsee 2099: Verlust der heimischen Fauna – Modellierungen zeigen Artenschwund durch Klimawandel

Im Jahr 2099 wird es in der Nordsee deutlich weniger heimische Arten geben – dies prognostizieren Senckenberg-Wissenschaftler in einer kürzlich im Fachjournal „Estuarine, Coastal and Shelf Science“ erschienenen Studie. Durch die Erhöhung der Wassertemperatur und des Salzgehaltes werden laut den Modellierungen der Forscher über 60 Prozent der bodenlebenden heimischen Fauna ihren Lebensraum in der Nordsee verlieren. Etwa zwei Drittel der untersuchten Tiere zieht es nach Norden, ein Drittel südwärts. Das deutsch-norwegische Wissenschaftlerteam geht davon aus, dass die freiwerdenden Lebensräume zukünftig von einwandernden Arten besetzt werden. „Nordsee 2099: Klimawandel vertreibt „Ökosystem-Dienstleister““ weiterlesen

Bakteriengemeinschaft der Nordsee entschlüsselt

Darstellung des Algenabbaus Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Manfred Schlösser
Darstellung des Algenabbaus Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Manfred Schlösser

 

Jedes Frühjahr blühen in der Nordsee die Algen. Dabei können von Jahr zu Jahr unterschiedliche Algenarten die Überhand gewinnen. Bei den Bakterien, welche die Algen wieder abbauen, herrschen dennoch alljährlich dieselben spezialisierten Gruppen vor.

Kleine Algen, die zu Abertausenden in jedem Milliliter Meerwasser leben, haben große Auswirkungen. Zusammen sind sie ebenso wichtig wie die Landpflanzen, um Sauerstoff zu produzieren und Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. Doch die Algen sind kurzlebig. Nach ihrem Tod werden sie von Bakterien zersetzt. Dadurch wird das aufgenommene Kohlendioxid zum Großteil wieder frei.

Über 5 Millionen Bakteriengene erlauben einen Einblick in mikrobielle Prozesse in der Deutschen Bucht

Um diesen Teil des marinen Kohlenstoffkreislaufs zu verstehen, muss man also erforschen, wie genau die Bakteriengemeinschaft des Meeres die Algen abbaut. Deshalb haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Zusammenarbeit mit der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred-Wegener-Instituts in einer umfassenden Studie die Dynamik von Bakterien und Algen vor der Insel Helgoland während der alljährlichen Frühjahrsblüte untersucht. Die Forscher um Hanno Teeling, Bernhard Fuchs und Rudolf Amann vom Bremer Max-Planck-Institut analysierten über einen Zeitraum von vier Jahren mehr als 11.000 Datenpunkte. Sie sequenzierten fast 450 Milliarden Basenpaare aus dem Erbgut der ansässigen bakteriellen Gemeinschaften. So erhielten sie Informationen über mehr als 5 Millionen Bakteriengene – das entspricht etwa dem 200-fachen der Gene des menschlichen Erbguts. Es sind so viele Daten, dass die online frei zugängliche Veröffentlichung anstelle herkömmlicher Abbildungen ganze Poster enthält.

Spezialisierte Bakterien zersetzen Algenbiomasse

„Aus einer früheren Studie wissen wir, dass sich die Bakteriengemeinschaft verändert, während sie die Algen einer Frühjahrsblüte abbaut “, sagt Hanno Teeling. Spezialisierte Bakteriengruppen begleiten verschiedene Phasen der Blüte und bauen nach und nach einen Großteil der Algenbiomasse ab. „Die nun vorliegende Studie zeigt: Es scheint dabei weit weniger bedeutsam zu sein als wir dachten, welche Algen gerade ihre Blütezeit haben. In verschiedenen Jahren können unterschiedliche Algenarten die Frühjahrsblüte dominieren“, erklärt Bernhard Fuchs. „Aber trotzdem haben wir stets eine ähnliche Abfolge der vorherrschenden Bakteriengruppen beobachtet.“

Offensichtlich sind also nicht die Algen selbst, sondern vor allem deren Bestandteile – allen voran die sogenannten Mehrfachzucker oder Polysaccharide – entscheidend dafür, welche Bakterien sich vorrangig vermehren. „So ist es möglich, dass Jahr für Jahr die gleichen Bakterien auftauchen, auch wenn die Frühjahrsblüte der Algen ganz unterschiedlich ausfällt“, so Fuchs. Ein Beispiel: Zwischen 2009 und 2011 waren Kieselalgen die häufigsten Algen in der Frühjahrsblüte, während 2012 Silikoflagellaten der Gattung Chattonella vorherrschten. Trotzdem war die während der Blüten auftretende Bakteriengemeinschaft sehr ähnlich, insbesondere innerhalb der Gruppe der sogenannten Flavobakterien, denen vermutlich eine Schlüsselrolle beim Abbau von Algenpolysacchariden zukommt. So dominierten beispielsweise während aller vier Studienjahre Flavobakterien der Gattungen Polaribacter und Formosa.

Und nicht nur die Bakteriengruppen zeigen immer gleiche Muster. „Als wir einen genauen Blick darauf warfen, wofür die untersuchen Gene eigentlich verantwortlich sind, wurde deutlich: Es ist immer eine ähnliche zeitliche Abfolge von Genen, die den Abbau bestimmter Polysaccharide regeln“, sagt Hanno Teeling. „Das deutet darauf hin, dass unterschiedliche Algen in der Frühjahrsblüte ähnliche oder sogar die gleichen Polysaccharide haben.“

Neue Teile im Kohlenstoffpuzzle

Im nächsten Schritt wollen die Bremer Forscher denjenigen bakteriellen Enzymen auf den Zahn fühlen, die diese Polysaccharide abbauen. Welche Enzyme greifen welche Algenpolysaccharide an? Wie machen sie das? „Daraus können wir ableiten, welche die wichtigsten Algenpolysaccharide sind“, erläutert Rudolf Amann. „Und mit dieser Information können wir dann einen weiteren Puzzlestein in unserem Verständnis des Kohlenstoffkreislaufs des Meeres ergänzen.“

Originalveröffentlichung (open access)

Recurring patterns in bacterioplankton dynamics during coastal spring algae blooms
Hanno Teeling, Bernhard Fuchs, Christin Bennke, Karen Krüger, Meghan Chafee, Lennart Kappelmann, Greta Reintjes, Jost Waldmann, Christian Quast, Frank Oliver Glöckner, Judith Lucas, Antje Wichels, Gunnar Gerdts, Karen Wiltshire, Rudolf Amann

http://www.mpi-bremen.de

Endlich Schutz für deutsche Meeresschutzgebiete gefordert

Umweltverbände fordern Schutz für deutsche Meeresschutzgebiete

Stellungnahme für strengere Fischereiregeln in Schutzgebieten eingereicht

Hamburg/Berlin, 16. 3. 2016 – Wirksameren Meeresschutz fordern deutsche Umweltverbände von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Für die deutschen Natura-2000-Schutzgebiete in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) müssen künftig deutliche strengere Regeln für die Fischerei gelten, so die Forderung der Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme. Noch bis zum 22. März läuft das offizielle Beteiligungsverfahren zu den von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium vorgeschlagenen Fischereimaßnahmen. „Die Vorschläge im aktuellen Maßnahmenkatalog reichen nicht aus, um etwa die einzige deutsche Walart, den Schweinswal, oder die seltenen Steinriffe und Sandbänke zu schützen. In mindestens der Hälfte der Schutzgebiete müssen menschliche Eingriffe verboten werden. Zerstörerische Fischerei hat in Schutzgebieten gar nichts zu suchen“, sind sich die Umweltverbände BUND, Deepwave, DNR, DUH, Greenpeace, NABU, Schutzstation Wattenmeer, Whale & Dolphin Conservation und WWF einig.

Besonders kritisieren die Verbände in ihrer Stellungnahme das komplette Fehlen von Maßnahmen für die Ostsee-Schutzgebiete und die vorgeschlagenen Maßnahmen für das Sylter Außenriff mit der Amrumbank – der Kinderstube des Schweinswals. Die Verbände fordern striktere Fischereimaßnahmen in Schutzgebieten, wie etwa das Verbot von Meeresboden schädigenden Grundschleppnetzen oder Stellnetzen, in denen Seevögel und Schweinswale als ungewollter Beifang verenden. „Nur mit der Einrichtung von fischereifreien Zonen können die Schutzgebiete ihrer Funktion als Refugien für bedrohte Arten und als natürliche Lebensräume gerecht werden“, so die Verbandsvertreter.

Nein zu umweltschädlichen Fangmethoden im Schutzgebiet

Ebenfalls im Fokus der Kritik: Die Vorschläge der Bundesministerien, das östliche Sylter Außenriff für die Krabbenfischerei geöffnet zu lassen, obwohl diese mit zerstörerischen Fanggeräten arbeitet. „Diese Ausnahme für die Krabbenfischerei konterkariert das Wort Schutzgebiet. Die eingesetzten Grundschleppnetze schädigen den Meeresboden“, argumentieren die Umweltschützer. Dabei hätte eine Schließung des Gebiets für die heimischen Krabbenfischer kaum Fangeinbußen zur Folge – mit unter drei Prozent ist ihr Jahresfanganteil dort verschwindend gering.

Der von der deutschen Regierung erarbeitete Katalog der Fischereimaßnahmen wird an die EU-Kommission und jene EU-Mitgliedsländer verschickt, die in der deutschen Nordsee fischen. Dazu gehören Dänemark, die Niederlande, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Auch diese Länder müssen den Vorschlägen zustimmen. Erst dann können die Maßnahmen in Deutschland umgesetzt werden. Die Umweltverbände befürchten ein weiteres Aufweichen der Maßnahmen in dem bevorstehenden europäischen Prozess. „Zu oft haben sich auf EU-Ebene die Fischereiinteressen gegen geltendes Naturschutzrecht durchgesetzt – diesmal darf die Bundesregierung in den Verhandlungen keinem politischen Minimalkonsens zustimmen“, fordern die Sprecher der Verbände.

Die vollständige Stellungnahme der Umweltverbände finden Sie unter http://gpurl.de/glB2q; ; Bildmaterial auf Anfrage unter 040 30618-376.

Für Rückfragen erreichbar:

Deepwave 1. Vorsitzender Dr. Onno Groß (0179-5986969),

BUND-Meeresschutzreferentin Nadja Ziebarth (0174-3191424); DNR-Generalsekretär Florian Schöne (030-678177599); DUH-Leiter Naturschutz Ulrich Stöcker (0160-8950556); Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack (0171- 8780841); NABU-Meeresschutzexperte Dr. Kim Detloff (0152-09202205); Schutzstation Wattenmeer: Katharina Weinberg (04841-668544); Whale & Dolphin Conservation-Pressesprecherin Michaela Harfst (089-61002395); WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter (0151-18854925).

Der Ocean Sampling Day – auf den Spuren der Mikroorganismen

Der Ocean Sampling Day – auf den Spuren der Mikroorganismen

Der Ocean Sampling Day (OSD) geht in die zweite Runde. Zur Sommersonnwende am 21. Juni 2015 ist es wieder soweit: das EU Projekt Micro B3 (Marine Microbial Biodiversity, Bioinformatics, Biotechnology) ruft zur globalen Beprobung des Meeres auf. „Der Enthusiasmus der Forscher und Bürger, die am ersten OSD teilgenommen haben, hat uns so motiviert, dass wir OSD einfach wiederholen mussten“, sagt Frank Oliver Glöckner, Professor für Bioinformatik an der Jacobs University Bremen und Koordinator des Micro B3 Projektes.

150 Wasserproben von allen Kontinenten, aus subtropischen Gewässern in Hawaii bis zu extremen Orten wie die Framstraße im Nordpolarmeer, haben am Ocean Sampling Day im letzten Jahr den umfassendsten, jemals an einem einzigen Tag genommenen, marinen Datensatz erzeugt. Auch in diesem Jahr werden am 21. Juni wieder weltweit Proben genommen mit dem Ziel die so entstandene Datenbasis zu erweitern.

Ein Novum in der Erforschung der marinen Mikroorganismen ist dabei das Bürgerwissenschaftsprojekt MyOSD. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Wasserproben zu nehmen und Umweltdaten zu erfassen und sich somit aktiv am OSD zu beteiligen. Dafür stellt MyOSD kostenlos Ausrüstung zur Probennahme sowie eine Smartphone App zur Verfügung. Mehr als 20 internationale Forschungsstationen koordinieren die Aktion, verteilen die Probe-Sets und schulen die Bürgerwissenschaftler für ihren Einsatz.

Um die größtmögliche Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, werden alle gesammelten Proben zur DNA Extraktion und Sequenzierung an das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen geschickt. Sobald erste qualitätsgeprüfte Ergebnisse vorliegen, werden diese umgehend veröffentlicht, so dass jeder mitforschen kann. Die enge Vernetzung von Wissenschaft mit Bürgerinnen und Bürgern ist dabei von unschätzbarem Wert.

Ziel des Ocean Sampling Days und des Projekts MyOSD ist es, die Vielfalt und die Funktion der im Meer enthaltenen Mikroorganismen zu erforschen, diese zu vergleichen und mittels neuer biotechnologischer Anwendungen zur „Blue Economy“ beizutragen. Der Ocean Sampling Day und MyOSD werden von der Jacobs University Bremen (Deutschland) zusammen mit der Universität Oxford (Großbritannien) koordiniert und sind Teil des von der EU geförderten wissenschaftlichen „Ocean of Tomorrow“ Forschungsprojektes Micro B3.

Der Koordinator des EU Projektes Micro B3, Prof. Dr. Frank Oliver Glöckner von der Jacobs University Bremen erklärt: „Der OSD 2014 war bereits eine außergewöhnliche Erfahrung. Die länderübergreifende Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch haben ein neues Kapitel in der Erforschung der Meere eröffnet. Mit den Bürgerwissenschaftlern brechen wir jetzt in eine neue Dimension auf.“

Die OSD Koordinatorin, Dr. Mesude Bicak von der Universität Oxford ergänzt: „Mehr als 150 Forscherteams aus allen Kontinenten haben im Juni 2014 nach standardisierten Protokollen Wasserproben genommen. Damit ist das OSD Konsortium das derzeit größte marine Netzwerk weltweit. An diesen Erfolg werden wir zusammen mit den Bürgerwissenschaftlern und Bürgerwissenschaftlerinnen anknüpfen!“

Julia Schnetzer, MyOSD Koordinatorin vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, sagt: „OSD und MyOSD machen es möglich, dass Bürgerinnen- und Bürger zusammen mit Wissenschaftlern die Geheimnisse unserer Ozeane entdecken.“

Supporting Audio-Visual Material:

Videos on OSD & MyOSD:
• OSD Teaser (1 minute): http://youtu.be/FEw5AS1qo-o
• OSD 2014 Trailer( 1:30 minutes) https://youtu.be/hBGOkB-EImc?list=PLgacjRIHqvMC39eKYdGH0HAM68YszmbuJ
• OSD Movie “The Ocean Sampling Day 2014 – a global scientific effort to study our ocean” (9 minutes) : http://youtu.be/yUm7SsSe-cw?list=PLgacjRIHqvMC39eKYdGH0HAM68YszmbuJ
• Tutorial for citizen scientists (MyOSD, 7:30 minutes): https://youtu.be/Mtmp4Ltr4xo
• Video promoting OSD by NOAA (3minutes): http://youtu.be/7whot0vBTUQ
• Máire Geoghegan-Quinn, Member of the EC in charge of Research, Innovation and Science, and Maria Damanaki, Member of the EC in charge of Maritime Affairs and Fisheries, in a joint press conference presenting the an Action Plan for Innovation in the ‚Blue Economy‘ to help use ocean resources sustainably and drive growth and jobs in Europe: http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I088957&videolang=INT&am…;

Further material:
• A map of all stations participating in the OSD: https://mb3is.megx.net/osd-registry/list
• Background on OSD: http://www.oceansamplingday.org
• Background on MyOSD – Initiative for Citizen Scientists : http://www.my-osd.org
• A map of all MyOSD samples provided with the App: https://mb3is.megx.net/osd-app/samples
• MyOSD Dissemination material & guides:
https://zarafa.mpi-bremen.de/owncloud/public.php?service=files&t=cc452ab3301…

Anmerkung für Herausgeber:
Ocean Sampling Day und MyOSD sind Teil des von der EU finanzierten Forschungsprojektes Micro B3, welches von der Jacobs University Bremen koordiniert wird. Eine komplette Liste des Micro B3 Konsortiums finden Sie hier: http://www.microb3.eu/partners/scientific

Umweltausschuss: Kritik an Maßnahmen zum Meeresschutz

Kritik an Maßnahmen zum Meeresschutz
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit – 20.05.2015

Berlin: (hib/JOH) Der von der Bundesregierung im März vorgelegte Maßnahmenkatalog zur Umsetzung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) wird von Umweltexperten als unzureichend bewertet. In einem öffentlichen Fachgespräch am Mittwoch im Umweltausschuss forderten sie zum Teil erhebliche Nachbesserungen.

Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der Europäischen Union trat im Juli 2008 in Kraft und zielt darauf ab, bis 2020 einen guten ökologischen Zustand der europäischen Meere herzustellen beziehungsweise zu erhalten. Die EU-Mitgliedstaaten werden darin verpflichtet, bis Ende 2015 konkrete Maßnahmen für den Meeresschutz zu beschließen. Ende 2016 sollen die Maßnahmen operationalisiert werden. Die Bundesregierung hatte vor wenigen Wochen gemeinsam mit den Landesregierungen der fünf Küstenbundesländer einen ersten Entwurf eines Maßnahmenkatalogs veröffentlicht.

Nadja Ziebarth vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) forderte die Überarbeitung dieses Kataloges im Sinne eines effektiven Meeresschutzes. Besonders im Bereich Biodiversität und Ressourcenschutz weise er „massive Lücken“ auf. So fehlten Maßnahmen zur Beschränkung der Fischerei, zur Öl- und Gasförderung im Meer sowie zur Reduzierung des Nähr- und Schadstoffeinträge. Vernachlässigt werde vor allem der Schutz der Ostsee: „Hierfür gibt es keine Fischereimaßnahmen, kein Lärmschutzkonzept und kein Konzept gegen die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft“, kritisierte Ziebarth. Sie forderte unter anderem ein Verbot von bodenberührenden Fanggeräten sowie Stellnetzen in den Schutzgebieten.

Auch Jochen Krause vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) bezeichnete die bisherigen Pläne als „nicht ausreichend“. Zum Beispiel fehlten bislang Maßnahmen zur Schaffung von Ruheräumen im Meer, in denen sich die Natur erholen könne. Darüber hinaus wertete er die Fristen zur Herstellung eines guten ökologischen Zustandes als „sehr knapp“. Ein Bericht über den Zustand der Meere aus dem Jahr 2012 habe gezeigt, dass bisher in keinem europäischen Meer ein guter Umweltzustand erreicht worden sei. Nicht zuletzt gebe es auch in Deutschland teilweise erhebliche Umsetzungsdefizite bei wichtigen Umweltzielen. Als Beispiel nannte Krause die Reduzierung von Nähr- und Schadstoffeinträgen und den Kampf gegen den Verlust der Biodiversität.

Christian Buschbaum vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) urteilte, mit der MSRL sei ein Instrument geschaffen worden, das nationale Bemühungen zum Schutz der Meeresumwelt in einem europaweit abgestimmten Verfahren zusammenführe. „Das begrüßen wir ausdrücklich“, betonte Buschbaum. Jedoch sei dies mit enormen Herausforderungen verbunden, da Indikatoren für die Beschreibung eines guten Umweltzustandes größtenteils noch am Anfang ihrer Entwicklung stünden. Um mit ihrer Hilfe verlässliche Aussagen über den Zustand der Meeresumwelt ableiten zu können, sei noch viel Forschungsarbeit notwendig. Außerdem bezeichnete Buschbaum das Verständnis der nationalen Küstengewässer und der Hohen See als „noch immer lückenhaft“. Der Umsetzungsprozess der Richtlinie müsse daher durch wissenschaftliche Meeresforschung begleitet werden.

Gerd Kraus vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut (TI) lobte die MSRL als „meerespolitisch wichtigste Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte“. Doch auch er sieht die Staaten vor „extremen Herausforderungen“ stehen, gerade angesichts der komplexen Probleme in den Meeren und der großen Wissensdefizite in diesem Bereich. „Im Meer ist alles vernetzt“, erklärte Kraus, viele Zusammenhänge seien bisher nicht geklärt. Er forderte „mehr Ressourcen“, um die Richtlinie erfolgreich umsetzen zu können.

Die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen kritisierte Kraus wie seine Vorredner als unzureichend und „oft windelweich“. Außerdem bleibt aus seiner Sicht zu wenig Zeit „für eine vollwertige und zielführende Umsetzung“. Bis 2020 werde es daher zwar Verbesserungen in den europäischen Meeren geben, „aber keine substanziellen Änderungen“.

http://www.bundestag.de/presse/hib/2015_05/-/375370

Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben – Erforschung der Schadstoffbelastung

Meeresforschung im Museum

Förderung: 420.000 Euro für ein Kooperationsprojekt über den Gesundheitszustand von Schweinswalen, Kegelrobben und Seehunden.

Schweinswale (Phocoena phocoena), Seehunde (Phoca vitulina) und Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind in der Nordsee und in geringerer Zahl auch in der Ostsee heimisch. Alle drei Arten sind zunehmend gefährdet. Zwar gehören sie zu den Spitzenräubern (Topprädatoren) im Ökosystem Meer – stehen also an der Spitze der Nahrungspyramide und haben in ihrem Lebensraum keine natürlichen Feinde, aber verschiedene Faktoren wie beispielsweise die Schadstoffbelastung, die Befischung der Meere, die globale Erwärmung und die zunehmende Nutzung des Ökosystems durch den Menschen, beispielsweise durch die Schifffahrt oder durch Offshore-Windkraftanlagen, können die Tiere beeinträchtigen. Diese Faktoren können ernste Folgen für die Gesundheit der Säugetiere haben.

Die VolkswagenStiftung fördert jetzt mit etwa 420.000 Euro ein Kooperationsprojekt, das zum Ziel hat, Veränderungen im Gesundheitszustand der marinen Säugetiere über die vergangenen Jahrzehnte zu untersuchen. Dafür werden die Wissenschaftlerinnen Professorin Dr. Ursula Siebert und Dr. Kristina Lehnert aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (Außenstelle in Büsum) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) mit Forschern aus Universitäten und Museen in Dänemark, Schweden und Deutschland zusammenarbeiten. Die TiHo-Forscherinnen haben gemeinsam mit Wissenschaftlern des Zoologischen Museums Hamburg die Federführung in dem Projekt.

Institutsleiterin Ursula Siebert berichtet: „Die deutschen Museen und Universitäten und die kooperierenden Museen in Schweden und Dänemark verfügen über einzigartige Sammlungen. Dazu gehören Skelette, gefrorene und in Formalin archivierte Materialien und Parasitenproben der marinen Säugerspezies aus der Nord- und Ostsee.“ Das Material wurde über Jahrzehnte gesammelt und ermöglicht den Wissenschaftlern jetzt verschiedene Parameter zu analysieren, um zu erfassen, ob sich die Gesundheit und die Populationen über längere Zeitspannen und in verschiedenen Gebieten verändert haben. Dr. Kristina Lehnert erklärt: „Wir werden in dem Projekt neue Untersuchungsmethoden und das jeweilige Fachwissen der beteiligten Partner kombinieren, um Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben zu untersuchen.“ Sie möchten herausarbeiten, wie sich der Gesundheitsstatus, die Nahrungszusammensetzung und die Schadstoffbelastung zwischen den drei Säugetierarten in Nord- und Ostsee unterscheiden. Die Ergebnisse sollen unter anderem in einer Wanderausstellung in den verschiedenen beteiligten Museen präsentiert werden.

Konkret werden die Wissenschaftler an Präparaten aus mehreren Jahrzehnten die Knochendichte und die Knochenstruktur vergleichen und Knochen und Fell auf Spurenelemente und Schwermetalle, wie Quecksilber, Blei, und Selenium untersuchen. Weiter werden sie Veränderungen im Nahrungsspektrum analysieren und nach Stressmarkern suchen, um zu sehen, ob sich die Umweltbedingungen im Laufe der Zeit geändert haben. Auch auf Krankheitserreger werden die Projektpartner die Präparate untersuchen: Sie werden versuchen, Viren nachzuweisen und die Parasiten der drei Säugetierarten zu kategorisieren. Ursula Siebert fasst zusammen: „Am Ende des Projektes werden wir hoffentlich Parameter herausgearbeitet haben, die sich gut eignen, um den Gesundheitszustand unserer marinen Säugetiere über eine lange Zeitspanne zu beschreiben.“

„Wir Projektpartner ergänzen uns gegenseitig. Für die Untersuchungen benötigen wir neben den Präparaten aus den Sammlungen viel Fachwissen und neueste Techniken. Jeder trägt sein ganz spezielles Know-how bei“, sagt Kristina Lehnert. Dazu gehören Erfahrungen mit molekularbiologischen und morphologischen Techniken, um Krankheitserreger zu analysieren sowie Wissen zur Bedeutung chemischer Schadstoffe für den Gesundheitszustand mariner Säuger. Hinzu kommen Experten, die in der Lage sind anhand von Knochen und Zahnmaterial Rückschlüsse auf die Umwelteinflüsse und das Nahrungsangebot zu ziehen und morphologische Stressmarker im Zahnschmelz zu analysieren. Weiter sind Kenntnisse erforderlich, um Viren in den Präparaten nachzuweisen und die Effekte von Schadstoffen auf marine Säuger zu beurteilen.

Neben der TiHo sind das Zoologische Institut und das Zoologische Museum der Universität Hamburg, das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, das Zoologische Institut und Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Universität Hildesheim sowie das Natural History Museum in Dänemark und das Swedish Museum of Natural History beteiligt.

Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Kristina Lehnert
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung
Tel.: +49 431 3947097
kristina.lehnert@tiho-hannover.de

https://idw-online.de/de/news629295

Meeresschutzpläne in der Kritik

Meeresschutzpläne in der Kritik

Interview mit Dr. Onno Groß vom Verein Deepwave über den Entwurf der Meeresschutzpläne von Bund und Ländern.

Deutschland hat nicht viele Küsten, aber dennoch trägt die Bundes-Regierung eine große Verantwortung im Meeresschutz. Dieser Verantwortung soll sie jetzt nachkommen und hat einen Entwurf vorgelegt. Wir sprachen mit Dr. Onno Groß vom Verein Deepwave, was das für ein Entwurf ist und was er taugt.

Das war Dr. Onno Groß vom Verein Deepwave über den Entwurf der Meeresschutzpläne von Bund und Ländern. Mehr Informationen unter: http://www.deepwave-blog.de/

Zum Interview
https://www.freie-radios.net/69881

siehe auch
http://www.deepwave-blog.de/2015/04/09/regierung-beim-schutz-meere-nachbessern-verbaende-kritisieren-massnahmenplan-legen-schattenliste-20228369/

Regierung muss beim Schutz der Meere nachbessern – Verbände kritisieren Maßnahmenplan und legen Schattenliste vor

Regierung muss beim Schutz der Meere nachbessern – Verbände kritisieren Maßnahmenplan und legen Schattenliste vor

Gemeinsame Pressemitteilung von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), DEEPWAVE, Deutsche Umwelthilfe (DUH), Greenpeace, NABU, Schutzstation Wattenmeer, Whale and Dolphin Conservation (WDC) und WWF vom 9. April 2015

Berlin/Hamburg: Mit scharfer Kritik reagieren acht deutsche Umweltverbände auf die aktuellen Meeresschutzpläne von Bund und Ländern. „Der vorliegende Entwurf enttäuscht. In dieser Form wird er kaum verhindern, dass Düngemittel, Pestizide und andere Gifte aus der Landwirtschaft oder der Industrie in die Meere gelangen. Maßnahmen zur Beschränkung der Fischerei fehlen, obwohl in Stellnetzen unzählige Schweinswale und Seevögel als Beifang verenden. Selbst in Schutzgebieten dürfte somit weiterhin der Meeresboden mit Grundschleppnetzen umgepflügt werden“, kritisieren die Verbände. Den ersten Entwurf eines Maßnahmenkatalogs hatte die Bundesregierung gemeinsam mit den Landesregierungen der fünf Küstenbundesländer Ende März 2015 veröffentlicht. Hintergrund ist die Umsetzung der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL).

Bereits 2011 hatte ein regierungseigener Bericht den heimischen Meeren einen schlechten Gesundheitszustand attestiert. Die Umweltverbände legten daraufhin 2014 eine Schattenliste mit Maßnahmen für einen guten Zustand der Meere bis 2020 vor. Die Meere seien überfischt, vermüllt und vergiftet, daher bestehe sofortiger Handlungsbedarf, so die Verbände. Einzelne Maßnahmen seien schnell und einfach umzusetzen. Insbesondere müssten nutzungsfreie Zonen in den Schutzgebieten realisiert werden, die bedrohten Arten als Refugien dienen. Die zuständigen Stellen würden sich jedoch schwertun verbindliche Regulierungen zu formulieren, bemängelten die Verbände.

Als besonders dürftig bezeichneten sie die nun vorgestellten Maßnahmen, um den Nähr- und Schadstoffeintrag in die Meere zu verhindern. Es werde allein auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie verwiesen, die den Schutz der Binnengewässer gewährleisten solle, bei der es jedoch ein eklatantes Umsetzungsdefizit gebe. „Der Stand bei der Wasserrahmenrichtlinie lässt wenig Hoffnung aufkeimen. Das Ziel, die deutschen Fließgewässer bis 2015 in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu führen, wurde bislang nur bei einem Bruchteil erreicht. Weiterhin strömen Unmengen an Düngemitteln und Giften in unsere Flüsse und ins Grundwasser und damit auch in die Meere“, so die Verbände. In der Ostsee seien die Folgen der Überdüngung am deutlichsten zu sehen. Großflächige tote Zonen am Meeresboden und trübes Wasser bedrohten die Unterwasserwelt und schreckten auch zunehmend Touristen ab. Dringend notwendig seien Maßnahmen wie beispielsweise Gewässerrandstreifen von mindestens zehn Metern und Beschränkungen des Düngemitteleinsatzes und der Gülleausbringung.

„Die Bundesregierung muss endlich mehr für die Meere tun als unverbindliche warme Worte. Der Katalog muss dringend überarbeitet werden, damit sich der Zustand unserer Meere wieder verbessern kann“, fordern die Verbände.

Das Programm zur Rettung der Meere steht für die öffentliche Beteiligung offen. Die Unterlagen können unter http://www.meeresschutz.info heruntergeladen werden.

Die Schattenliste der Umweltverbände steht zum Download bereit unter http://www.bund.net/MSRL.

Pressekontakt:

BUND: Dr. Bettina Taylor, Tel: 0157.87008635, E-Mail: bettina.taylor@bund.net

DEEPWAVE: Dr. Onno Groß, Tel: 0179-5986969, E-Mail: o.gross@deepwave.org

DUH: Ulrich Stöcker, Tel: 0160-8950556, E-Mail: stoecker@duh.de

Greenpeace: Thilo Maack, Tel: 0171-8780841, E-Mail: thilo.maack@greenpeace.de

NABU: Dr. Kim Detloff, Tel: 0152-09202205, E-Mail: kim.detloff@nabu.de

Schutzstation Wattenmeer: Rainer Borcherding, Tel: 0173-2420104, E-Mail: r.borcherding@schutzstation-wattenmeer.de

WDC: Michaela Harfst, Tel: 089-6100-2395, E-Mail: Michaela.Harfst@whales.org

WWF: Stephan Lutter, Tel: 0151-18854925, E-Mail: stephan.lutter@wwf.de

Fish Dependence Day 2015: Fischbestände schützen, nachhaltige Fischerei stärken

Fish Dependence Day 2015: Fischbestände schützen, nachhaltige Fischerei stärken

Pressemitteilung von Brot für die Welt, Slowfood, Fair Oceans:

Ab Ostermontag (6. April 2015) ist Fischverzehr in Deutschland rechnerisch nur noch durch Einfuhren gedeckt. Die Fänge der deutschen Fischer sind dann aufgebraucht. Auf europäischer Ebene sieht es ähnlich aus: Schon jeder zweite in Europa konsumierte Fisch wird außerhalb der EU gefangen. Das bedroht besonders Kleinfischer und damit traditionell vom Fischfang lebende Küstengemeinden in Entwicklungsländern. Darauf weisen Brot für die Welt, Fair Oceans und Slow Food hin. Die Organisationen appellieren an die Bundesregierung, sich für ein nachhaltiges Fischereimanagement in Europa im Rahmen der neuen Gemeinsamen Fischereireform, einen verantwortungsvollen Fischkonsum und eine Fischerei- und Handelspolitik einzusetzen, die die Interessen der Menschen in Entwicklungsländern wahrt.

Über 1,1 Mio. Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden pro Jahr in Deutschland verzehrt, doch nicht einmal eine Viertelmillion Tonnen werden unter deutscher Flagge gefangen oder hier in Teichen und Aquakulturbetrieben produziert. Dieses hohe, nur auf dem Weltmarkt zu deckende Konsumniveau trägt global zur Überfischung bei.

Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland: „Es gibt über 25.000 genießbare Fischarten, aber nur etwa 20 finden sich in unseren Fischtheken. Eine Alternative bieten regionale, oft nicht so bekannte Fischsorten wie etwa die Schleie. Vielfalt auf dem Teller kann helfen, die Vielfalt im Wasser zu schützen.“ Aquakulturen, die die hohe Nachfrage decken sollen, sind jedoch keine Lösung. Hudson: „Aquakultur ist fast immer Massentierhaltung. Fische werden mit Fischmehl gemästet, für das Fische verarbeitet werden. Das ist in keiner Weise nachhaltig.“

Seitdem die Fernfangflotte der EU auf allen Weltmeeren kreuzt, verschafft sie sich über Lizenzen einen direkten Zugang zu den lukrativsten Fischgründen und konkurriert mit Kleinfischern um die begrenzten Bestände. Das trifft vor allem die, für die Fisch wichtige und oft einzige Eiweißquelle ist: Küstenanrainer in Entwicklungsländern. Francisco Marí, Referent für Fischerei und Agrarhandel bei Brot für die Welt: „Fischereiabkommen mit Entwicklungsländern dürfen nicht dazu führen, dass die einheimische Bevölkerung mangelernährt ist. Wir können uns auch ohne deren Fisch ausgewogen ernähren, die Menschen dort können das jedoch nicht.“

Von den mehr als zwei Millionen Tonnen Fisch, Meeresfrüchten und Fischmehl, die jährlich von der deutschen Fischereiwirtschaft verarbeitet werden, durchläuft ein erheblicher Anteil die Betriebe des Bundeslandes Bremen. Allein die in Bremerhaven produzierten Fischstäbchen reichen aneinander gelegt mehrmals um die Erde. Kai Kaschinski, Projektleiter Fair Oceans: „Obwohl Bremen mit seinem Engagement als Hauptstadt des Fairen Handels und der Initiative BioStadt für regionalen, nachhaltigen und fairen Konsum wirbt, erfüllt die Fischereiwirtschaft, einer der zentralen Zweige der ansässigen Ernährungsbranche, bisher keines dieser Kriterien.“

Der Fish Dependence Day wird jährlich von der britischen New Economics Foundation (nef) ermittelt. Den Bericht über den aktuellen Stand der Selbstversorgung mit Fisch und Meeresfrüchten in den EU-Mitgliedsstaaten gibt es ab dem 7.4. unter http://www.neweconomics.org

Kontakt

Francisco Mari
Referent für Agrarhandel und Fischerei
Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst
mobil: 0179-4621783
E-Mail: francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de

Dr. Ursula Hudson
Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V.
mobil: 0170-4336230
E-Mail: ursula.hudson@slowfood.de

Kai Kaschinski
Projektleiter Fair Oceans
mobil: 0152-29517004
E-Mail: redaktionalaska@gmx.de

Renate Vacker
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