Der Meeresboden im Roten Meer ist älter als angenommen

Virtueller Anblick eines der größten Unterwasservulkane im Roten Meer. Hatiba Mons durchmisst mehr als 13 km, erhebt sich vom umliegenden Meeresboden fast 1000 m und liegt genau auf der Spreizungsachse. Solche Riesen verstecken sich viele an den Mittelozeanischen Rücken und Hatiba Mons ist sogar noch einer der kleineren. Grafik: N. Augustin, GEOMAR
Virtueller Anblick eines der größten Unterwasservulkane im Roten Meer. Hatiba Mons durchmisst mehr als 13 km, erhebt sich vom umliegenden Meeresboden fast 1000 m und liegt genau auf der Spreizungsachse. Solche Riesen verstecken sich viele an den Mittelozeanischen Rücken und Hatiba Mons ist sogar noch einer der kleineren. Grafik: N. Augustin, GEOMAR

Das Rote Meer ist für Geowissenschaftler ein faszinierendes Untersuchungsobjekt, weil sie dort einen Ozean in einem frühen Entwicklungsstadium beobachten können. Doch aufgrund der immer wieder schwierigen Arbeitssituation in der Region sind noch viele Fragen offen. Neueste Untersuchungen von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen jetzt, dass viele bisherige Lehrmeinungen über das Rote Meer verändert werden müssen. Dazu gehört auch das Alter der Ozeanbodenspreizung, wie eine neue Studie in der internationalen Fachzeitschrift Geomorphology zeigt.

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Hai Angriff im Roten Meer

Quelle
Spiegel Online, 6 December 2010

Siehe dazu auch ZDF Heute Magazin und das Interview mit Gerhard Wegner, Präsident von Sharkproject.

Auszug
Der tödliche Haiangriff auf eine Deutsche bei Scharm al-Scheich erschreckt Tauchtouristen – es war nicht die erste Attacke auf Menschen in den vergangenen Tagen. Ägyptens Behörden stehen in der Kritik: Wurden die Raubtiere durch illegal entsorgte Schafskadaver zum Badestrand gelockt?

„Ich bin schockiert über die geballte Anzahl von Haiangriffen und den Tod der süddeutschen Urlauberin“ , sagt Meeresbiologin Tina Gauer. Sie kann sich das Verhalten der Tiere „einfach nicht erklären. Das ist vollkommen untypisch. Menschen gehören einfach nicht zu deren Beuteschema.“

Experten zufolge sind die Angreifer Weißspitzen-Hochseehaie. Sie meiden normalerweise Küstengebiete und bleiben auf offener See. Immer wieder wurde vermutet, die Überfischung ihrer natürlichen Lebensräume könne die futtersuchenden Tiere in die Nähe der Küste getrieben haben. Das hält Biologin Gauer allerdings für wenig plausibel. „Das Rote Meer ist eines der fischreichsten Gewässer der Welt. Wenn dies der Grund wäre, müsste es beispielsweise im Mittelmeer, das deutlich stärker unter Überfischung leidet, fast täglich zu Haiangriffen kommen.“

Augenzeugen sagen, Schafskadaver seien in der Nähe des Unglücksorts bei Ras Mohammed illegal ins Meer entsorgt worden. Für Gauer ein unglaublicher Vorgang: „Offiziell ist Ras Mohammed ein Nationalpark, für den die Besucher auch Gebühren zahlen müssen. Müll- und Abfallentsorgung, Fischerei, alles ist verboten – doch die Kontrollen sind nicht nur lasch, sie sind praktisch gar nicht vorhanden.“ Die Einhaltung der Regeln „interessiert hier keinen“.

Schafe würden in Ägypten oft unter schlimmsten Bedingungen transportiert, viele verendeten während der Fahrt, sagt die Biologin. Die Kadaver würden dann im Meer entsorgt, auch in unmittelbarer Nähe zu den Badegästen.

Augenzeugen zufolge wurde auch jener Weißspitzen-Hochseehai angefüttert, der im Juni 2009 eine französische Schnorchlerin im Roten Meer so schwer verletzte, dass sie später ihren Verletzungen erlag. Sharkproject-Präsident Gerhard Wegner rät wegen des Anfütterproblems dringend davon ab, „ohne Käfig an Schnorchel- oder Tauchtouren teilzunehmen, bei denen Haie mit offenem Futter angelockt werden“.

Neben dem Anfüttern gibt es aber noch vier weitere Faktoren, die Haie aggressiver machen können:

– Die Irritation der Sinne – also schlechte Sicht, ungewohnte Geräusche und elektrische Signale wie durch das Auslösen einer Unterwasserkamera. Vom Menschen deutlich schwerer zu kontrollieren als das Anfüttern.
– Der Konkurrenzdruck, wenn sich mehrere Haie im selben Gebiet aufhalten.
– Die Konditionierung der Tiere durch den Menschen.
– Individuelle Faktoren – jeder Hai ist anders, zwei Exemplare derselben Gattung können vollkommen unterschiedliche Verhaltensmuster zeigen.

Was geschah in Scharm al-Scheich?

Sharkproject Päsident und Haiforscher Wegner hat eine Theorie, wie es genau zu den vermehrten Angriffen rund um Scharm al-Scheich gekommen sein könnte. Strömungen würden „mehrmals jährlich das Plankton dicht an der Küste vorbeitreiben, dem dann die Beutetiere der Haie folgen“ und damit die Haie selbst. Wenn dazu noch Schafskadaver, Hotelabwässer und Abfälle kämen, dazu Badende oder Schnorchler – dann „riecht der Hai Futter, er schmeckt Futter und sieht etwas, was sich wie Futter verhält. Eine tödliche Kettenreaktion“.

Wenn sich Menschen in Lebensräume großer Raubtiere vorwagen, lässt sich ein Restrisiko nie ausschließen. Aber das Baden in Scharm al-Scheich kann sicherer werden, sagt der Experte – nämlich durch ein Komplettverbot von Anfütterung. „Dazu gehört auch indirektes Futter: keine Abfallentsorgung der zahlreichen Tauchschiffe in Küstennähe mehr, keine Müllentsorgung der Hotels im Meer, keine Abwassereinleitung dort, wo Menschen schwimmen gehen“.

Der Gouverneur von Sinai Süd, Mohammed Schuscha, wählt jedoch einen anderen Weg: Er hat angekündigt, dass alle Strände in und um Scharm al-Scheich gesperrt blieben, bis sämtliche potenziell gefährlichen Haie vor der Küste gefunden und gefangen seien.

Ägyptischer Ölunfall vorbei?

Ölunfall im Badeparadies am Roten Meer in Ägypten

UMWELT Nördlich des Badeortes Hurghada läuft offenbar an einer Bohrinsel Öl ins Meer. Aber keiner sagt, wie viel

KAIRO taz | Zwei Tage nachdem die ägyptische Regierung zugegeben hat, dass an einer Bohrinsel nördlich des Badeortes Hurghada am Roten Meer Öl, möglicherweise aus einer Ölplattform, ausgelaufen ist, herrscht eine auffällige Funkstille. Man untersuche derzeit, wo das Öl herkomme, heißt es lediglich aus dem Ölministerium. Laut Informationen von Hotelmanagern und Tauchstationen sollen die Strände wieder weitgehend von Ölklumpen gesäubert worden sein. Wie es in einem Naturschutzgebiet, einer Inselgruppe nördlich des Badeortes, aussieht, ist dagegen unklar. Anfang der Woche hatten Umweltschützer berichtet, die Inseln hätten den Großteil des ausgelaufenen Öls abbekommen.

Allerdings ist bislang weder bekannt, wie viel Öl ausgelaufen ist, noch ist bisher der Schuldige benannt. Man untersuche, wo die Quelle für die Verschmutzung liege, heißt es aus dem Ölministerium. Außerdem seien 90 Prozent des Ölteppichs bereits entfernt, sagt dessen Sprecher. Die Umweltschützer selbst gehen nicht mehr ans Telefon. Auf der Webseite der Hepca, der „Hurghada Environmental Protection and Conservation Association“, also jener Umweltorganisation, die Anfang der Woche Alarm geschlagen hatte, findet sich ein letzter Eintrag vom Mittwoch. Darin werden die Bemühungen, die Strände zu säubern, als äußerst effektiv gelobt. Das Leck sei seit Donnerstag letzter Woche geflickt. Weiter heißt es dann aber kurioserweise, man warte immer noch auf eine Erklärung der staatlichen Institutionen, die die Identität der Ölplattform offenlegt, „aus der offensichtlich Öl ausgeflossen ist“.

Auf Youtube findet sich ein Video, offensichtlich von Hepca, das eine der staatlichen Ölplattformen zeigt und das rund um die Plattform mit Öl verschmutzte Wasser.

Der Staat müsste sich selbst anzeigen

Genau darin könnte der Grund für die staatliche Zurückhaltung liegen. Das Gros der Bohrungen im Golf von Suez wird von staatlichen ägyptischen Firmen durchgeführt. Hier müsste sich der Staat selbst anzeigen. Am Golf von Suez, nördlich von Hurghada, existieren laut dem Ölministerium über 180 Bohrtürme, die letztes Jahr 742.000 Fass Öl gefördert haben. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den wichtigsten ägyptischen Badestränden des Roten Meeres kollidieren hier die Interessen der Ölindustrie mit denen des Tourismus. Und während die Ölförderung am Golf von Suez nach ihrem Höhepunkt Anfang der 1990er Jahre immer weiter zurückgeht, steigen die Einnahmen aus dem Tourismus, die dem Land im letzten Jahr über 15 Milliarden US-Dollar eingebracht haben. Der Tourismus ist damit der wichtigste Devisenbringer Ägyptens. Vielleicht ist das der Grund, warum sich die Regierung über das genaue Ausmaß des Ölunfalls in den ägyptischen Gewässern ausschweigt.

KARIM EL-GAWHARY

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&dig=2010%2F06%2F25%2Fa0190&cHash=d0a5012356