Der Meeresboden im Roten Meer ist älter als angenommen

Virtueller Anblick eines der größten Unterwasservulkane im Roten Meer. Hatiba Mons durchmisst mehr als 13 km, erhebt sich vom umliegenden Meeresboden fast 1000 m und liegt genau auf der Spreizungsachse. Solche Riesen verstecken sich viele an den Mittelozeanischen Rücken und Hatiba Mons ist sogar noch einer der kleineren. Grafik: N. Augustin, GEOMAR
Virtueller Anblick eines der größten Unterwasservulkane im Roten Meer. Hatiba Mons durchmisst mehr als 13 km, erhebt sich vom umliegenden Meeresboden fast 1000 m und liegt genau auf der Spreizungsachse. Solche Riesen verstecken sich viele an den Mittelozeanischen Rücken und Hatiba Mons ist sogar noch einer der kleineren. Grafik: N. Augustin, GEOMAR

Das Rote Meer ist für Geowissenschaftler ein faszinierendes Untersuchungsobjekt, weil sie dort einen Ozean in einem frühen Entwicklungsstadium beobachten können. Doch aufgrund der immer wieder schwierigen Arbeitssituation in der Region sind noch viele Fragen offen. Neueste Untersuchungen von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen jetzt, dass viele bisherige Lehrmeinungen über das Rote Meer verändert werden müssen. Dazu gehört auch das Alter der Ozeanbodenspreizung, wie eine neue Studie in der internationalen Fachzeitschrift Geomorphology zeigt.

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Neuentdeckung am Meeresgrund- Seamounts nach Nelson Mandela und Kapt´n Blaubär Vorlage benannt

Neuentdeckung am Meeresgrund – AWI-Wissenschaftler benennen bislang unbekannte Unterwasserberge nach Nelson Mandela und einer Romanfigur aus „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“

Bremerhaven, 19. Juni 2014. Seit heute erscheinen auf den Seekarten des Südatlantiks und des Weddellmeers die Namen zweier zuvor unbekannter Unterwasserberge: „Madiba Seamount“ und „Nachtigaller Shoal“. Bei der Namenswahl folgte das Sub-Committee on Undersea Feature Names (SCUFN) auf seiner diesjährigen Tagung in Monaco den Vorschlägen von zwei Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Diese hatten die Berge vergangenes Jahr auf Polarstern-Expeditionen in die Antarktis entdeckt. Mit der Benennung ist nun ein weiteres Stück des Meeresbodens offiziell erschlossen worden.

„Bis heute sind weniger als zehn Prozent der Unterwasserlandschaften unserer Meere erkundet und mit einem Namen versehen worden. Wenn man abseits der normalen Seerouten fährt, kann man deshalb durchaus noch Neuentdeckungen machen“, sagt Jan Erik Arndt vom Alfred-Wegener-Institut.

Während einer Expedition in den südlichen Indischen Ozean hatte der Bathymetriker vergangenen November das Glück, einen bisher unbekannten Unterwasserberg zu entdecken. Auf seinem Weg von Kapstadt in das Südpolarmeer passierte der AWI-Forschungseisbrecher Polarstern die Spitze eines Unterwasserberges. „Hätte das Fächerecholot nur den Rand des Berges gestreift, wäre er unter Umständen unentdeckt geblieben“, erzählt Jan Erik Arndt. Dabei hebt sich der Gipfel 1920 Meter über den Meeresboden und ist in seiner Höhe somit vergleichbar mit Bergen der Alpen – allerdings liegt sein höchster Punkt auch knapp 3500 Meter unter dem Meeresspiegel.

Um einen geeigneten Namen für den Unterwasserberg zu finden, stellte Jan Erik Arndt eine Box auf der Polarstern auf. Jeder Expeditionsteilnehmer konnte so anonym seinen Namensvorschlag einreichen. „Nelson Mandela ist in dem Zeitraum unserer Expedition verstorben und als sein Clan- und Spitzname, Madiba, als Vorschlag einging, waren wir uns schnell einig, ihn mit dieser Neuentdeckung zu ehren. Schließlich startete und endete unsere Expedition auch in Südafrika“, erklärt der Bathymetriker.

Bereits im Februar des vergangenen Jahres hatte Boris Dorschel, Leiter der Bathymetrie am Alfred-Wegener-Institut, auf einer Polarstern-Expedition in das antarktische Weddellmeer einen bis dahin unbekannten Unterwasserberg erkundet, der bis dicht unter die Meeresoberfläche reichte. „An seiner flachsten Stelle lag der Berg nur 16 Meter unter dem Meeresspiegel und damit knapp fünf Meter unter dem Kiel der Polarstern. Wäre die Erhebung in einer Seekarte eingezeichnet gewesen, hätten wir diese Untiefe gemieden“, sagt Boris Dorschel. Umso wichtiger war es, die Neuentdeckung zu kartieren und zu benennen.

„Auf Grund der Eisbedeckung mussten wir während der Erkundung immer wieder den Kurs ändern. Dadurch ist eine Aufzeichnung entstanden, die mich an die Romanfigur Prof. Dr. Abdul Nachtigaller aus den 13½ Leben des Käpt’n Blaubär erinnert hat“, erzählt Boris Dorschel. Sehr schnell setzte sich deshalb der Arbeitstitel „Nachtigaller Hill“ durch. „Der Name erschien uns als sehr passend, da Prof. Dr. Nachtigaller sein Leben der Erforschung ungeklärter Mysterien widmet und dafür in die entlegensten Gebiete auf unserer Erde reist – vor allem an dunkle und lebensfeindliche Orte“, erklärte Boris Dorschel mit einem Augenzwinkern und reichte seinen Namensvorschlag ein.

Davor hatte er „Käpt’n Blaubär“-Autor Walter Moers allerdings kontaktiert. „Ich wollte sichergehen, dass er nichts dagegen hat, dass wir einen Seeberg in der Antarktis nach einer seiner Romanfiguren benennen wollen“, sagt der Bathymetriker. Zunächst hielt der Autor die Anfrage für einen Scherz. Von der Ernsthaftigkeit des Vorschlags überzeugt, gefiel dem Autor die Idee dann aber immer besser und er stimmte ihr zu. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass heutzutage noch ganze Berge unentdeckt sein können. Dass die Entdeckung im Dunkel antarktischer Gewässer stattgefunden hat, dürfte Nachtigaller, den zamonischen Pionier der Dunkelheitsforschung, besonders freuen“, sagt Walter Moers.

Beide Namensvorschläge, „Madiba Seamount“ und „Nachtigaller Hill“, legten die AWI-Wissenschaftler dem internationalen SCUFN-Komitee (Sub-Committee on Undersea Feature Names) zur Abstimmung vor. Das Komitee tagt einmal jährlich, um neuentdeckte geografische Strukturen am Meeresboden offiziell zu benennen. Vom 16. bis zum 20. Juni diskutieren die Mitglieder dieses Jahr in Monaco über 102 vorgeschlagene Namen. Besonderes Augenmerk legen die Mitglieder darauf, ob die Namensvorschläge angebracht sind und die Unterwasserstrukturen tatsächlich noch unbekannt und unbenannt sind. Auf diese Weise reduziert SCUFN möglichen Wildwuchs bei der Benennung von Strukturen am Meeresboden.

„In der Vergangenheit ist es häufiger vorgekommen, dass zwei Unterwasserberge denselben Namen tragen, oder dass ein Tiefseegraben zwei verschiedene Bezeichnungen hat. Vor allem in wissenschaftlichen Publikationen kann es verwirren, wenn zwei Studien über dieselbe Struktur sprechen, dies aber aufgrund der unterschiedlichen Benennungen nicht sofort klar wird“, erklärt Prof. Dr. Hans Werner Schenke, Geowissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut und SCUFN-Vorsitzender.

Schnell entschied sich das Komitee heute Vormittag für den Namensvorschlag Madiba Seamount und begrüßte dabei vor allem, dass mit der Wahl des Clannamen nicht nur Nelson Mandela selbst, sondern auch der Stamm geehrt wird. Für Diskussionen dagegen sorgte die terminologische Einordnung des Nachtigaller Hill als „Hill“. „Da dieser Unterwasserberg dicht unter der Meeresoberfläche liegt, haben wir uns entschieden, ihn als ‚Shoal’ einzuordnen. Also als eine Untiefe, die eine Gefahr für den Schiffsverkehr darstellt“, erklärt Prof. Dr. Hans Werner Schenke.

Damit reihen sich beide Unterwasserberge, „Madiba Seamount“ und „Nachtigaller Shoal“, in eine Liste von geografischen Bezeichnungen ein, die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts auf ihren Forschungsreisen bereits geprägt haben, wie das „Polarstern-Plateau“ und den „Alfred-Wegener-Canyon“.

Glossar:

Bathymetrie: In der Bathymetrie vermessen Wissenschaftler die topografische Gestalt des Meeresbodens. Mit der Hilfe ihrer gewonnen Daten können beispielsweise Tiefenprofile für Seekarten erstellt werden.

Seamount: Als „Seamount“ bezeichnet man eine eindeutige Erhebung, die sich mehr als 1000 Meter von dem umliegenden Relief abhebt. Dabei sollte sie in alle Richtungen ungefähr dieselben Maße und Dimensionen haben.

Hill: Als „Hill“ bezeichnet man eine eindeutige Erhebung, die sich weniger als 1000 Meter von dem umliegenden Relief abhebt. Dabei fällt die Form in der Regel unregelmäßig aus.

Shoal: „Shoal“ bedeutet auf Englisch eine Untiefe. Spricht man bei einem Unterwasserberg von einem „Shoal“, dann bezeichnet man damit eine oberflächennahe Erhebung, die eine Gefahr für den Schiffsverkehr darstellen kann.

Hinweise für Redaktionen:
Eine animierte Unterwasserfahrt zum „Nachtigaller Shoal“ können Sie auf unserem
YouTube-Kanal sehen: https://www.youtube.com/watch?v=mp_QqiuqzGI&list=PLFCwd9Up8tvCVgBBy6a1vujbswDpATvBS

Die Namen der Unterwasserberge erscheinen im SCUFN Gazetteer:
http://www.ngdc.noaa.gov/gazetteer/

Gemeinsam mit Kollegen veröffentlicht Boris Dorschel die biologischen und geologischen Besonderheiten des Nachtigaller Shoals in einer wissenschaftlichen Studie. Sie erscheint in dem Fachmagazin Biogeosciences: http://www.biogeosciences-discuss.net/11/1631/2014/bgd-11-1631-2014.html

Neues Meeresschutzgebiet bei den Balearen

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Neues Meeresschutzgebiet bei den Balearen, meldet die Organisation Oceana:

OCEANA APPLAUDS SPANISH AND BALEARIC GOVERNMENT SUPPORT TO PROTECT BALEARIC SEAMOUNTS

This would be the first marine protected area created to preserve seamounts in the Mediterranean, making Spain a pioneer country

Protecting the seamounts of the Channel of Mallorca will lead to the conservation of hundreds of marine species and habitats that are highly important for Mediterranean biodiversity

Oceana is pleased with the announcement made today by the Ministry of the Environment and Rural and Marine Affairs concerning its commitment to protect the seamounts of the Channel of Mallorca, one of the areas in the Spanish Mediterranean with the highest levels of biodiversity. This decision represents the Spanish government’s firm support for the conservation of habitats and species and would be the first time a marine area is created to protect seamounts in the entire Mediterranean. The underwater area to be protected would be roughly the same size as the island of Mallorca.

Oceana has carried out numerous research campaigns on these seamounts, known as Ausias March, Ses Olives and Emile Baudot, confirming the presence of habitats and species of international importance, including extensive rhodolith fields, coralline formations and one of the few bamboo coral fields (Isidella elongata) that remain in the Mediterranean. A variety of species listed in various conventions and legislations are also present on these sea beds and were documented by Oceana, including the carnivorous sponge Asbestopluma hypogea, gorgonians Savaglia savaglia and Eunicella verrucosa and molluscs Charonia lampas, Ranella olearia and Erosaria spurca.

Protecting and correctly managing seamounts greatly benefits the species that live directly on these structures, as well as those present in the overlying water column. Thus, cetaceans like bottlenose dolphins (Tursiops truncatus) and striped dolphins (Stenella coeruleoalba), pilot whales (Globicephala melas), sperm whales (Physeter macrocephalus), sea turtles, particularly the loggerhead turtle (Caretta caretta) and other large pelagic species like tunas or some sharks will also benefit from the protection afforded to this area.

For years, Oceana has been disseminating information on and calling for the protection of seamounts on the national and international level and the organisation will be presenting a new report about these structures in upcoming months.

“There are various seamounts in the Mediterranean, both large structures, such as these, and numerous smaller structures. All of these generate a wealth of life in the surrounding area and are threatened, so working for their protection is the responsibility of our governments,” points out Xavier Pastor, director of Oceana in Europe. “Since we began transmitting the importance of these seamounts, the president of the Balearic regional government, Francesc Antich, has shown interest in protecting the area, aware of the important ecosystems they harbour and the proven socioeconomic and ecological benefits generated by marine protected areas that are correctly managed.”

According to Oceana, the first priority, with regards to instituting effective protection measures, involves removing trawlers from the area, because this fishing technique constitutes the most serious and imminent threat for sensitive habitats.

Report “Balearic Seamounts 2010”:
http://eu.oceana.org/en/eu/media-reports/publications/seamounts-of-the-balearic-islands-2010

For more information, visit http://www.oceana.org

Meilenstein für Schutz der Hohen See

Meilenstein für Schutz der Hohen See

Portugal stellt vier Seeberge unter Schutz

Der Meeresgrund des Nordostatlantiks erhält mehr Schutz. Der WWF lobt die Entscheidung der portugiesischen Regierung, vier Meeresschutzgebiete auf dem erweiterten Kontinentalschelf der Azoren und Portugals einzurichten, als Meilenstein für die Erhaltung der Ozeane. Die vier Gebiete – der südliche Teil des Mittelatlantischen Rückens, Altair Seeberg, Antialtair Seeberg und Josephine Bank – umfassen insgesamt eine Fläche von 120.000 Quadratkilometern. Sie gelten als Hort biologischer Vielfalt und beheimaten zahlreiche marine Arten und Lebensgemeinschaften darunter Kaltwasserkorallenriffe, Tiefseefische, Schwamm- und Korallengärten, sowie Haie und Rochen. Mit der Ausweisung als Schutzgebiet unterbindet Portugal zusätzlich zur Fischerei mit Bodenschleppnetzen auch die Förderung von mineralischen Bodenschätzen, die im Meeresboden lagern.

„Dies ist ein Durchbruch für die Errichtung eines Netzwerks von Meeresschutzgebieten auf Hoher See, sagt Stephan Lutter, WWF-Experte für Meeresschutz. „Derzeit werden die politischen und wirtschaftlichen Grenzen einzelner Staaten in unseren Ozeanen ausgedehnt. An diesen erweiterten Nutzungsanspruch in internationalen Gewässern ist gleichzeitig auch eine Verantwortung für den Schutz der Ozeane geknüpft. Portugal geht hier mit gutem
Beispiel voran.“ Alle Anrainerstaaten, die 2009 erweiterte Ansprüche auf einen Kontinentalsockel über die 200-Seemeilen-Zone hinaus angemeldet haben, sollten ihre wachsende Verpflichtung zum Schutz der Meeresumwelt ernst nehmen.

Neuland betreten wird bei der rechtlichen Verwaltung der Gebiete: Schutz und Nutzung der Ressourcen im Meeresboden der Schutzgebiete liegt in der Verantwortung der Küstenstaaten. Der Schutz der Meereslebwesen in den entsprechenden Gewässern der Hohen See dagegen ist Sache internationaler Organisationen und wird durch regionale Umwelt- und Fischereiabkommen sowie die internationale Schifffahrtsorganisation der UNO geregelt. Diese neuartige Auslegung des weltweiten Seerechts eröffnet neue Möglichkeiten für das erste Meeresschutzgebiet in der Hohen See – die sogenannte Charlie-Gibbs-Zone des Mittelatlantischen Rückens. Diese unterseeische Bergkette, erstreckt sich auf 313.000 Quadratkilometern zwischen Island und den Azoren und war 2008 unter Schutz gestellt worden. Allerdings beansprucht Island Teile des Meeresbodens als sein Hoheitsgebiet. „Diese kombinierten Schutzmechanismen lassen sich auch im Managementkonflikt des Charlie-Gibbs-Schutzgebietes anwenden. Der Großteil von bedrohten Meerestieren, Unterwasserlebensräumen und schwindenden Fischbeständen findet sich in internationalen Gewässern. Und es gibt keine Entschuldigung, diese nicht zu schützen“ sagte Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF.

Der WWF ist zuversichtlich, dass beim nächsten Ministertreffen des OSPAR-Abkommens zum Schutz des Nordostatlantiks im September 2010 die Bekanntgabe des weltweit ersten Netzwerks von sechs Meeresschutzgebieten auf der Hohen See erfolgen kann.